Mittwoch, 18. September 2019

IT-Industrie Der Softwarekrieg

5. Teil: SAPs freche Antwort

Kein Wunder also, dass der Herausforderer stolz auf ein dickes Referenzbuch verweisen kann. Darin erklären 1500 Unternehmen, wie sie Netweaver einsetzen. Mit dieser Sammlung von Erfolgsgeschichten gehen die SAP-Verkäufer - mit hunderten frisch eingestellter Kollegen - auf Werbetour bei der angestammten Klientel.

"Sogar ganz neue Kunden interessieren sich dank der Plattform für uns."
SAP-Vorsteher Kagermann
Die zeigt sich angetan. "Das Netweaver-Portfolio weist zwar noch Lücken auf. Aber die Story ist rund", lobt zum Beispiel Steffen Jakob von der Lynx-Consulting AG in Bielefeld.

"Sogar ganz neue Kunden interessieren sich dank der Plattform für uns", jubelt Kagermann. So habe sich etwa der Kreditkartenkonzern Visa - ein eingefleischter Oracle-Nutzer - für Netweaver entschieden.

Der Finanzdienstleister bleibt allerdings ein Exot. Um wirklich viele Nicht-SAP-Kunden für Netweaver zu begeistern, müsse das deutsche Softwarehaus noch weitaus mehr in Marketing investieren, analysiert Rob Hailstone, Experte beim Beratungsunternehmen IDC.

Die Notwendigkeit hat auch Kagermann erkannt. Rund 40 Millionen Euro - den Produktivitätszuwachs dieses Jahres - will er in den Ausbau von Netweaver stecken.

SAP gegen IBM. Big Blue will die Firmen mit einem Komplettangebot von Hardware bis Service überzeugen. Kagermann lockt seine Kunden mit der Zusage, dass ihre geschäftskritischen Programme perfekt mit Netweaver laufen und zugleich problemlos "schnell und bequem" zu verändern sind.

Global mindestens 9000 Konzerne sind bei beiden IT-Riesen Kunden. Um diese Klientel kämpfen die beiden Giganten des globalen Softwaregeschäfts direkt gegeneinander. Wer in dieser Schlacht siegt, ist zumindest für Henry Peyret, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester Research, klar: "Die Anwendungen bestimmen die Wahl der Plattform."

Demnach würde sich Netweaver bei all den Unternehmen durchsetzen, die ihre wichtigsten Geschäftsprozesse mit SAP-Programmen steuern. Dort wo die Walldorfer weniger stark vertreten sind - etwa in der Finanzwirtschaft - hätte IBM gute Chancen. Oder Oracle.

© manager magazin 5/2005
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