Montag, 18. November 2019

IT-Industrie Der Softwarekrieg

4. Teil: Ein klarer Seitenhieb

Doch auch der weltgrößte IT-Konzern kann Microsoft, SAP oder Oracle nicht einfach im Handstreich niedermachen - zumal er mit allen Firmen an anderer Stelle eng kooperiert. Dementsprechend preisen die IBM-Softwaremarketiers Websphere auch weniger lautstark an als Palmisano "On Demand".

 Softwareplattform: Netweaver Funktionsweise: Die Softwareplattform setzt bei den Anwendungen an und zerlegt die mächtigen SAP-Programme in kleine Module, die leicht zu verändern sind. Auf Basis von Netweaver können zusätzliche Funktionen schnell ergänzt werden, egal ob sie von SAP oder anderen Herstellern stammen. Die Module müssen nicht auf einem einzigen Server laufen, sondern können auf einen Rechnerpool verteilt werden. Programmsprache: Java. Fertigstellung: Erweiterte Plattform ab Anfang 2006 verfügbar. Markt: 26.000 SAP-Kunden - jeder Käufer der jüngsten SAP-Generation erhält automatisch Netweaver.
Markus Spang
Softwareplattform: Netweaver

Funktionsweise: Die Softwareplattform setzt bei den Anwendungen an und zerlegt die mächtigen SAP-Programme in kleine Module, die leicht zu verändern sind. Auf Basis von Netweaver können zusätzliche Funktionen schnell ergänzt werden, egal ob sie von SAP oder anderen Herstellern stammen. Die Module müssen nicht auf einem einzigen Server laufen, sondern können auf einen Rechnerpool verteilt werden.

Programmsprache: Java.

Fertigstellung: Erweiterte Plattform ab Anfang 2006 verfügbar.

Markt: 26.000 SAP-Kunden - jeder Käufer der jüngsten SAP-Generation erhält automatisch Netweaver.
Sie versuchen mit dem Argument der Neutralität zu überzeugen: Weil sich IBM nur auf die Middleware konzentriere und keine eigenen Anwendungen offeriere, arbeite Websphere als einzige Plattform mit Programmen aller möglichen Hersteller prima zusammen. Zudem verfüge IBM schon über gut fünf Jahre Erfahrung und biete vielfach erprobte Lösungen.

Ein klarer Seitenhieb auf SAP Börsen-Chart zeigen. Frech fordert das um ein Vielfaches kleinere Softwarehaus den Verteidiger der Vorherrschaft im Plattformmarkt heraus. Die deutsche Topfirma, Marktführer bei betriebswirtschaftlichen Programmen, hat vor gut zwei Jahren begonnen, eine eigene Integrationssoftware zu vermarkten. Netweaver nannte Vorstandschef Kagermann das Projekt, das er bis 2006 zu einer "Business Process Platform" (BPP) ausbauen will.

Offiziell lästert IBM-Softwarechef Steve Mills über Netweaver: "Das mag vielleicht ganz nützlich sein, um SAP-Anwendungen aufeinander abzustimmen." Beim Steuern komplexerer Systeme aber spielten seine eigenen Produkte, "was die Qualität und auch die Breite des Portfolios angeht, in einer anderen Liga".

Die Protzerei klingt nach Pfeifen im dunklen Wald. "Im Plattformgeschäft fürchten wir SAP", sagt ein IBM-Manager. Die Stärke der Walldorfer ist vor allem ihre treue Kundenbasis.

Weltweit rund 26.000 Unternehmen, darunter die meisten großen Konzerne, setzen SAP-Programme ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch Netweaver als ihre Plattform wählen, ist extrem groß. Zumal ihnen Kagermann kaum eine andere Wahl lässt. Die jüngste Version des Hauptprodukts "mySAP Business Suite" wird nur noch auf Netweaver-Basis ausgeliefert werden.

© manager magazin 5/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung