Freitag, 15. November 2019

IT-Industrie Der Softwarekrieg

2. Teil: Der Preis ist heiß

Die heute vorherrschenden Server-Client-Systeme, in denen jeweils ein eigens dafür eingerichteter Computer (Server) ein Anwendungsprogramm (Client) bedient, werden in den kommenden Jahren von IT-Fabriken abgelöst, die Rechnerleistung wie Strom aus der Steckdose liefern.

Der Preis ist heiß: Die vier Konkurrenten sind jeweils in einem Spezialgebiet der Unternehmens-IT Marktführer
manager magazin
Der Preis ist heiß: Die vier Konkurrenten sind jeweils in einem Spezialgebiet der Unternehmens-IT Marktführer
Um die höchst komplexen und unterschiedlichen Unternehmensprogramme an diese völlig neue Systemlandschaft anzupassen, bedarf es einer zusätzlichen Softwareschicht zwischen den Computern und den tatsächlichen Anwendungen.

Middleware-Plattformen nennen die Anbieter ihre Produkte zur Realisierung der schönen Vision vom "Business on Demand" (IBM-Werbekampagne). Und jeder der Konkurrenten will den Weltstandard für dieses neue Stück Software setzen.

Der Preis ist heiß. Schließlich hat die Plattform in der Welt des Utility-Computing die gleiche Bedeutung wie das Betriebssystem im Zeitalter des PC - sie bildet das Herz der gesamten IT-Landschaft.

Wer dieses Geschäft dominiert, kann sich eine profitable Machtstellung aufbauen. Der größte Anbieter bindet die meisten Kunden an sich. Denen kann er dann immer mehr seiner Produkte verkaufen, weil nur die ideal mit der eigenen Plattform interagieren. Mit millionenteuren Werbekampagnen, schicken Roadshows und gigantischem Vertriebsaufwand versuchen die Softwaregiganten, sich das größte Stück zu schnappen.

Wahre Wunderdinge sollen die neuen Plattformen leisten. Sie heißen Websphere (IBM), .Net (Microsoft), Netweaver (SAP) oder 10g (Oracle) und sollen die Prozesse im Unternehmen sehr viel billiger, schneller und flexibler gestalten.

Was bisher regelmäßig zum Techno-Albtraum geriet, soll in Zukunft wie von selbst laufen, egal, ob es darum geht, die IT eines übernommenen Unternehmens einzugemeinden oder schnell das Geschäftsmodell zu ändern.

Klingt wie das wahre Softwareparadies. Ist es aber nicht. "Plattformen sind extrem komplizierte Produkte", warnt Massimo Pezzini, Analyst der Gartner Group, vor dem gigantischen Aufwand bei der Umstellung auf die neue Computerwelt.

© manager magazin 5/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung