Die 50 Mächtigsten Wer die deutsche Wirtschaft lenkt

Wer hat in der deutschen Wirtschaft wirklich das Sagen? manager magazin nennt alle Namen von A wie Ackermann bis Z wie Zumwinkel - und sagt wie die 50 Mächtigsten ihren Einfluss ausüben.

Paul Achleitner

(48) greift als Beteiligungsvorstand der Allianz  oft in die Geschicke deutscher Konzerne ein. Unlängst stieß er das gemeinsam mit Münchener Rück  und Commerzbank  gehaltene MAN-Paket  des Versicherers ab; der Nutzfahrzeugbauer hat nun keinen Großaktionär mehr. Tchibo ebnete der einstige Deutschland-Chef von Goldman Sachs  den Weg zur Kontrolle über Beiersdorf . Das ehedem riesige Beteiligungsportfolio der Allianz hat Achleitner kräftig eingedampft, doch ihm bleiben milliardenschwere Restbestände. Sein Ziel: die Engagements weiter abzubauen. Der quirlige Österreicher dürfte die deutsche Wirtschaft also noch eine Weile in Atem halten.


Josef Ackermann (57) bekleidet als Vorstandschef der Deutschen Bank  automatisch eine der einflussreichsten Positionen in der deutschen Wirtschaft - mit Zugang zu den Spitzen aus Politik und Industrie. Er sitzt in wichtigen Aufsichtsräten, etwa bei Siemens  und Lufthansa . Doch beim Aufbau eines Netzwerks stand sich der Schweizer oft selbst im Weg. Anfangs erweckte er den Eindruck, der deutsche Markt bedeute ihm wenig. Später verspielte Ackermann mit seinem unglücklichen Victory-Auftritt im Mannesmann-Verfahren reichlich Kredit.


Roland Berger (67) ist der Inbegriff des Ratgebers. Einfluss habe er, keine Macht, betont der "Beichtvater der Bosse" ("Stern") bei jeder Gelegenheit. So viel Einfluss jedenfalls, dass er die Gedankengänge der Mächtigen mal in diese, mal in jene Richtung zu lenken vermag. Mit Stoiber wie Schröder kann er chronisch gut; kaum eine Reformkommission der letzten Jahre tagte ohne ihn. Seit alters her pflegt Berger eine enge Beziehung zur Deutschen Bank , die bis 1998 mehrheitlich an seiner Beratungsfirma beteiligt war.


Wulf H. Bernotat (56) steuert als Eon-Chef den größten privaten Energiekonzern Europas  und gebietet somit über 70.000 Mitarbeiter und 50 Milliarden Euro Umsatz. Mit Gerhard Schröder saß er einst in Göttingen in einer Jura-Gruppe. Heute ruft ihn der Ex-Kommilitone regelmäßig zur großen Energierunde mit den anderen Multis der Stromzunft. Bernotats Förderer Klaus Liesen (Ex-Ruhrgas-Chef) und Ulrich Hartmann (Eon-Aufsichtsratsvorsitzender) führen den Neuen nach und nach in die Wirtschaftselite ein; bei Allianz  und Metro  sitzt Bernotat im Aufsichtsrat.


Nikolaus von Bomhard (48) ist der Habitus der Mächtigen fremd. Der Chef der Münchener Rück  gehört keinem externen Aufsichtsrat an; er kontrolliert lediglich die eigene Konzerntochter Ergo. Gleichwohl ist er qua Amt einer der einflussreichsten Manager in Deutschland. Sein Haus bestimmt die Geschicke der deutschen Assekuranz maßgeblich mit. Zudem hält die Münchener Rück Aktien an der HypoVereinsbank  und der Commerzbank . Von Bomhard könnte diese Beteiligungen nutzen, um den Strukturwandel auf dem deutschen Bankenmarkt voranzutreiben - der Fusion zwischen HypoVereinsbank und italienischer UniCredito  zumindest steht er positiv gegenüber.

Von Braun bis Cromme

Ludwig Georg Braun (61) ist der ruhige, bedächtige unter den Berliner Verbandsfürsten. Der - soeben für weitere vier Jahre wiedergewählte - DIHK-Chef hat deswegen nicht minder Einfluss in der Politik. Die Minister Clement und Eichel schätzen ihn genauso wie der Kanzler, obwohl Braun als FDP-Mitglied dem anderen Lager angehört. Dem Standort Deutschland bleibt er mit seinem Unternehmen (Braun Medizintechnik) trotz aller Kritik treu. Dem erfolgreichen Mittelständler widmete kürzlich sogar das US-Magazin "Forbes" eine längere Geschichte.


Rolf-Ernst Breuer (67) ist auch drei Jahre nach seinem Abschied vom Posten des Vorstandssprechers der Deutschen Bank  eine der zentralen Figuren am Finanzplatz Frankfurt - obwohl er sein Amt als oberster Bankenrepräsentant gerade an Commerzbank-Chef Müller weitergereicht hat. Als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank hält Breuer seinem Nachfolger Ackermann den Rücken frei. Viel Verdruss bringt ihm derzeit sein zweitwichtigster Job, der AR-Vorsitz bei der Deutschen Börse , den er auf Druck ausländischer Aktionäre bis zum Ende dieses Jahres abgeben wird. Daneben ist Breuer einfaches Aufsichtsratsmitglied bei mehreren Großkonzernen.


Frank Bsirske (54) ist das Enfant terrible unter Deutschlands Gewerkschaftschefs. Der Verdi-Vorsitzende muckt auf und eckt gern an - auch beim Kanzler, der ihn nicht mag. Doch Grünen-Mitglied Bsirske taucht immer wieder bei diversen Runden im Kanzleramt auf. An ihm kommt man nicht vorbei, denn als Chef der größten Gewerkschaft der Welt hat er Macht, auch wenn es manchmal nur die Macht der Straße ist. Manager müssen den streitbaren Mann im Cordanzug als Aufsichtsrat bei der Lufthansa  und bei RWE  erdulden.


Wolfgang Clement (64) sucht - wie sein Kanzler - die Nähe der Bosse, allerdings nicht bei abendlichen Rotweinrunden, sondern im harten Alltagsgeschäft. Der Sozialdemokrat hat stets ein offenes Ohr für die Sorgen der Manager. Denen wiederum gefällt sein Reformeifer, der allerdings in der Vorwahlzeit zunehmend erlahmt und nicht mehr gewünscht ist. Für Gewerkschafter und Genossen ist Clement der Buhmann. Einst als Kronprinz von Schröder gehandelt, ist das Verhältnis der beiden Machtmenschen heute eher distanziert.


Eckhard Cordes (54) denkt so, wie sein Büro aussieht: schmucklos, auf Effizienz bedacht. Der Mercedes-Chef gehört zu der neuen, extrem nüchternen und ergebnisorientierten Führungsgeneration. Cordes fädelte mit Daimler-Lenker Jürgen Schrempp die Fusion mit Chrysler zu DaimlerChrysler  ein, er verhandelte den Einstieg bei Mitsubishi  und gilt als einer der Favoriten für die Schrempp-Nachfolge. Aber zuvor muss er Mercedes wieder auf die Überholspur bringen. Aufsichtsratsposten, drei an der Zahl, sind da nur Nebensache.


Gerhard Cromme (62) hat sich an die Spitze der deutschen Corporate-Governance-Bewegung gestellt. "Cromme-Kodex" heißt salopp das Regelwerk, in dem sich börsennotierte Firmen zu Wohlverhalten verpflichten. Der Berufskontrolleur sammelt Aufsehermandate wie andere Manager Aktienoptionen (Allianz , Eon , Lufthansa , Siemens , Suez , ThyssenKrupp ) und steht dem "European Round Table", einer Vereinigung europäischer Konzernchefs, vor.

Von Dibelius bis Frenzel

Alexander Dibelius (45) gehört zu den einflussreichsten Architekten der deutschen Unternehmenslandschaft. Wenn Konzernlenker über Restrukturierungen, Firmenverkäufe, Akquisitionen oder Kapitalmarktfinanzierungen nachdenken, holen sie sich bevorzugt Rat (und Tat) beim Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs . Dibelius gilt als bestens vernetzt, schnell im Kopf - und ausgesprochen einsatzfreudig. Um einen Deal unter Dach und Fach zu bringen, verbrachte er einmal acht Tage und Nächte ohne Unterbrechung in der Zentrale eines Klienten.


Michael Diekmann (50) dominiert als Vorstandsvorsitzender der Allianz  hier zu Lande die Versicherungsbranche und beeinflusst über ein immer noch stattliches Beteiligungsportfolio auch etliche Konzerne. Auf die Machtausübung außerhalb seines Hauses legt der uneitle Manager allerdings weniger Wert als seine Vorgänger. Zwar gehört er den Aufsichtsräten von BASF , Linde  und Lufthansa  an. Doch Diekmann will das Allianz-Imperium nicht weiter ausbauen, sondern konsolidieren und sich von überflüssigen Beteiligungen trennen. Mehr als auf das Knüpfen externer Netzwerke konzentriert sich Diekmann darauf, das eigene Unternehmen in puncto Profitabilität an die Weltspitze heranzuführen.


Mathias Döpfner (42) bewies seine Entschlossenheit, als er in seiner Funktion als Springer-Vorstandschef dazu beitrug, dass Leo Kirch 2002, damals zweitgrößter Springer-Einzelaktionär, im Ruin endete. Wo Branchenpolitik gemacht wird, von Rechtschreibreform bis Presserecht, erstaunt er mit griffigen Meinungen, die er auch durchzusetzen weiß. Der Mann kann sich viel Selbstbewusstsein leisten - er verfügt über engste Beziehungen zur Verlegerwitwe Friede Springer.


Thomas Fischer (57) hat bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB) einen Blitzstart hingelegt. Noch in seinem ersten Jahr als Vorstandschef verkaufte er zwei große Beteiligungen - Tui  und Klöco - mit Gewinn und verschaffte der angeschlagenen Landesbank wieder Luft. Kenner trauen dem bulligen Banker sogar die Neuordnung der deutschen Landesbanken zu. Doch auch in der Industrie hat Fischer großen Einfluss, etwa als AR-Chef von RWE . Seit Jahren pflegt er gute Beziehungen zu Audi  und zählt VW-Patron Ferdinand Piëch zu seinen Freunden.


Michael Frenzel (58) zählt zu den wenigen deutschen Spitzenmanagern, die sowohl wirtschaftlich als auch politisch Einfluss besitzen. Der Chef des Reisekonzerns Tui  ist langjähriges SPD-Mitglied und kennt Gerhard Schröder sehr gut. Der Bundeskanzler wandte sich denn auch an den Parteifreund, als er 2001 den Posten des Bahn-Aufsichtsratschefs neu besetzen musste. Frenzel gehört zudem den Aufsichtsräten von Continental  und Volkswagen  an. Im vergangenen Jahr stemmte er sich erfolgreich gegen einen Machtverlust, als er die Tui trickreich im Börsensegment Dax  hielt.

Von Großmann bis Hoffmann-Becking

Jürgen Großmann (53) spielt den Bonvivant unter den Mächtigen. Der Besitzer der Georgsmarienhütte ist nicht nur ein erfolgreicher Stahlunternehmer; er versteht es auch, Feste zu feiern und die Wirtschaftselite zu bewirten. Alljährlich etwa in Davos mit Meeresfrüchten. Oder in Osnabrück, wo Großmann das Sternerestaurant "La Vie" betreibt. Mal trifft er sich mit Ex-Bundespräsident Johannes Rau zum gepflegten Skat, mal mit anderen Prominenten zur Jagd. Seinen Duzfreund Gerhard Schröder begleitet Großmann am liebsten, wenn der die Wachstumsregionen der Welt besucht.


Hubertus von Grünberg (62) verzichtet auf die gewöhnlichen Attribute der Macht. Er beschäftigt keinen Fahrer und reist schon mal mit der Bahn zu einem Termin. Sein Amt als CEO des Reifenherstellers Continental  gab er 1999 frühzeitig auf, und er sitzt auch nur in wenigen Aufsichtsräten (unter anderem leitet er das oberste Conti-Gremium). Gleichwohl verfügt der promovierte Physiker über Einfluss - qua Person. Seine messerscharfen Analysen sind geschätzt, die Wirtschaft sucht seinen Rat und folgt ihm.


Jürgen Hambrecht (58) ist der Missionar unter den Mächtigen. Der Chef von BASF  will die Ungläubigen bekehren, auf dass sie die Chemie, die Gentechnik, die Forschung, ja den ganzen Standort Deutschland lieben. Er überzeugt mit guten Geschäftszahlen und will mit der Initiative "Wissensfabrik" die Bildung bundesweit befördern. Anfang 2006 übernimmt Hambrecht als Heinrich v. Pierers Nachfolger die Leitung des wichtigen Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Das Motto des Schwaben gilt global: "Schaffe, net schwätze."


Ulrich Hartmann(66) nennt sich selbst "so eine Art Berufsaufsichtsrat" - einer der wenigen, die es in der Deutschland AG noch gibt. Sechs Mandate hat der Ex-Eon-Chef, bei zweien (Eon  und IKB Deutsche Industrie Bank ) ist er Vorsitzender. Nach Jahrzehnten als Manager in der Energiewirtschaft hat er immer noch exzellente Drähte in die Politik. In der Bundeshauptstadt agiert Hartmann auch als Präsident der renommierten Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).


Herbert Henzler (63) gehört seit mehr als 20 Jahren zu den wichtigsten Change-Agents in der Wirtschaft - früher als Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, jetzt als Vice Chairman des Geldhauses Credit Suisse  und Forschungsförderer in zahlreichen Gremien. Henzler sitzt in mehreren Aufsichtsräten und hält eine Honorarprofessur an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität.


Michael Hoffmann-Becking (62) gilt vielen als der Schattenmann der Deutschland AG. Der Seniorpartner der Anwaltskanzlei Hengeler Mueller wirkt häufig im Hintergrund, wenn Konzerne sich aufspalten oder komplexe Fusionsdeals aushandeln. Nicht nur Großunternehmen wie RWE  oder Metro  erteilt er diskreten Rat; die ersten Familien des Landes (Quandt, Mohn, Schickedanz) suchen seine Dienste. Bei wichtigen Gesetzesvorhaben vertrauen Justizministeriale auf sein Urteil.

Von Kagermann bis Körber

Henning Kagermann (57) übt sich meist in Zurückhaltung, Einfluss nimmt der SAP-Vorsteher auf subtile Weise. Weil die Informationstechnik immer wichtiger für die Unternehmen wird und seine Firma  die entscheidende Software liefert, ist der sympathische Physikprofessor beliebter Gesprächspartner für die Chefs der größten Konzerne der Welt. Techno-Gurus wie Microsoft-Chef Ballmer, IBM-CEO Palmisano oder Intel-Chef Barrett tauschen sich oft mit Kagermann aus, gelten doch die Ideen des SAP-Vordenkers in der Branche als höchst innovativ.


Klaus Kleinfeld (47) bastelt eifrig an einem eigenen Netzwerk. Ende Februar tafelte der neue Vorstandsvorsitzende von Siemens  mit US-Präsident Bush und Bundeskanzler Schröder im Mainzer Schloss. In privater Runde trifft sich Kleinfeld gern mit wichtigen Kunden, etwa DaimlerChrysler-Chef Schrempp und Telekom-Vorsteher Ricke. Bayer  gibt dem Rotarier nun seinen ersten Aufsichtsratsposten; vor allem aber pflegt Kleinfeld die während seiner US-Karriere geknüpften Kontakte, etwa als Board-Member beim Aluminiumriesen Alcoa  und ab Juli bei der Citigroup .


Max Dietrich Kley (65) wurde nach seinem Abschied vom Posten des BASF-Finanzvorstands im Jahr 2003 erst so richtig in der Deutschland AG aktiv. Größte Aufmerksamkeit erzielte der Unruheständler mit dem Rauswurf von Infineon-Chef Ulrich Schumacher im März 2004. Neben dem Halbleiterhersteller  betreut er noch weitere Unternehmen, darunter HypoVereinsbank  und BASF . Er steht dem Deutschen Aktieninstitut vor und mischt in der Cromme-Kommission mit.


Jürgen Kluge (51) kann sich nicht mit AR-Mandaten brüsten. Er führt auch nur eine überschaubare Firma - die McKinsey-Deutschland-Filiale. Mächtig ist er trotzdem. Der Physiker hat sich einen Namen gemacht, weil er über die Gabe verfügt, Themen auf die Agenda zu setzen, etwa die Bildungsdefizite Deutschlands oder die Innovationsschwäche der Industrie. Und dann sind da noch die zahlreichen Ex-Mackies, die an den Schaltstellen großer Untermehmen sitzen. Viele von ihnen sind Kluges Kunden, die auf seinen Rat hören und sich gern mit einem Gefallen revanchieren.


Hans-Joachim Körber (58) übt vor allem auf internationaler Ebene zahlreiche Verbands- und Beraterfunktionen aus - zum Nutzen der in 30 Ländern tätigen Metro AG , der er seit 1999 vorsteht. Der Herr über weltweit 56 Milliarden Euro Umsatz (Metro, Media-Markt, Real, Kaufhof) gehört zum Tross des Bundeskanzlers, wenn deutsche Delegationen zur Geschäftsanbahnung in die Ferne reisen. Mitte 2000 gewann Körber den Machtkampf gegen seinen damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Erwin Conradi; seitdem sitzt der Handelsmanager fest auf seinem Posten.

Von Müller bis Piëch

Klaus-Peter Müller (60) ist seit März Präsident des Bankenverbandes und damit oberster Repräsentant seiner Zunft. Das Amt sichert dem Commerzbank-Chef Zugang zu den Machtzentren der Republik. Müllers Einfluss in der heimischen Wirtschaft ist schon heute immens; kaum ein Institut macht mit so vielen deutschen Firmen Geschäfte wie die Commerzbank . Die Zahl seiner Aufsichtsratsmandate ist gleichwohl gering. Aus dem Kreis der Dax-30-Konzerne kontrolliert Müller lediglich die Beteiligung Linde .


Werner Müller (58) hat bislang als Chef des Industriekonzerns RAG (früher: Ruhrkohle) einen Eindruck hinterlassen, als hätte er schon immer auf diesem Posten gesessen - an der Spitze eines Großunternehmens, dessen Existenzgrundlage ein funktionierendes Netzwerk mit den Mächtigen der Republik ist. Kanzler Gerhard Schröder und IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt gehören zur Körperschaft des früheren Bundeswirtschaftsministers; der neue BDI-Chef Jürgen Thumann ebenso. Müllers Meisterstück gibt es bis dato nur als Blaupause: der Börsengang der RAG.


August Oetker (61) isst gern Pizza Salami und Vanillepudding mit Schokosauce - umsonst, denn er ist Miteigentümer und Chef des Nahrungsmittelkonzerns Oetker mit Sitz in Bielefeld. Dabei schaut Oetker über den Tellerrand hinaus. Er pflegt eher diskrete Kontakte zu Managern und vor allem zu anderen Familienunternehmern. Zudem mischt sich das CDU-Mitglied immer wieder mahnend in die Politik ein. Einmal im Jahr lädt der kosmopolitische Ostwestfale viele Mächtige nach Baden-Baden in "Brenners Park-Hotel" ein - auch das gehört ihm.


Jürgen Peters (61) ist eine der zentralen Figuren in der deutschen Autoindustrie. Der Chef der IG Metall steuert als Vize-Aufsichtsratsvorsitzender den Kurs von Volkswagen  mit. Er lenkte diskret im Hintergrund die Sanierungsgespräche mit Opel. Dabei zeigt der bundesweit bekannte Poltergeist hinter verschlossenen Türen sein zweites Gesicht: das des pragmatischen und durchaus zu Kompromissen fähigen Gewerkschaftschefs.


Bernd Pfaffenbach (58) muss man anrufen, wenn man einen Termin mit dem Kanzler will. Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium empfiehlt Gerhard Schröder nicht nur, mit welchem CEO er sprechen sollte, er setzt auch die Agenda für das Treffen mit auf. Der Spitzenbeamte wird weiter den direkten Draht zur Wirtschaft halten, auch wenn Thomas Mirow nun Wirtschaftsberater im Kanzleramt ist. Denn keiner aus der Bundesregierung kennt so viele Unternehmer wie Pfaffenbach, und keinem schenkt Schröder mehr Vertrauen. Aus gutem Grund: Pfaffenbach ist vor allem - loyal.


Ferdinand Piëch (68) hat den Vorstandsvorsitz des Volkswagen-Konzerns  2002 geräumt. Hinter den Kulissen aber agiert der langjährige VW-Chef und "Automanager des Jahrhunderts" machtvoll wie eh und je. Von seinem Büro in Salzburg aus bestimmt er die VW-Geschicke als sehr aktiver Aufsichtsratsvorsitzender mit. Auch die enge Verbindung zu Bundeskanzler Schröder - geknüpft während dessen Amtszeit als Ministerpräsident in Niedersachsen - ist nicht abgerissen. Noch ein zweiter Posten hebt Piëch heraus: Er ist Aufsichtsrat von Porsche . Auch dort hat sein Wort außerordentliches Gewicht.

Von v. Pierer bis Schneider

Heinrich v. Pierer (64) war 2004 als möglicher Bundespräsident im Gespräch. Der Ex-Chef und jetzige AR-Vorsitzende von Siemens  gilt als Außenpolitiker der deutschen Wirtschaft. Seine profunde Kenntnis der asiatischen Märkte veranlasste die Bundesregierung, ihn zum Beauftragten für Auslandsinvestitionen mit Schwerpunkt Asien/China zu machen. Als AR-Mitglied von vier Dax-Konzernen gehört v. Pierer zu den aktivsten Pensionären der Deutschland AG.


Bernd Pischetsrieder (57) lenkt den größten Automobilhersteller Europas, gemeinsam mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch. An öffentlichkeitswirksamen Auftritten liegt dem Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen  wenig, er agiert lieber hinter den Kulissen. Auch die feuchtfröhliche Verbrüderung mit der deutschen Wirtschaftselite und das schnelle "Du" sind nicht seine Sache. Gleichwohl pflegt Pischetsrieder ein dichtes Netz einflussreicher Verbindungen, unter anderem über seine Aufsichtsratsmandate bei der Metro , der Münchener Rück  und Scania .


Wolfgang Reitzle (56) vereint ein paar Eigenschaften, die in der höheren deutschen Wirtschaftsgesellschaft eher selten zusammenkommen: Innovationsdrang und Analyse, gepaart mit Ästhetik, Sportsgeist und Vernetzung. Der Vorstandschef der Linde AG  hat seinem Unternehmen ein ehrgeiziges Transformationsprogramm verordnet. Der Rat des glänzenden Skiläufers, Bergsteigers (Mitglied der prominenten Klettergemeinschaft Similauner) und Topgolfers (Handikap 8) ist im Kontrollgremium der Allianz  und auch der Telekom  gefragt.


Kai-Uwe Ricke (43) meidet das Rampenlicht und sucht lieber das Gespräch in erlesenen Zirkeln - etwa beim Bankhaus Lazard oder beim Informationsbroker Dow Jones. Aus tagespolitischen Fragen hält sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom  heraus. 2004 ließ sich Ricke in die Initiative "Partner für Innovation" von Bundeskanzler Schröder berufen. Außerhalb der Deutschen Telekom nimmt der jugendlich wirkende Firmenlenker kein Aufsichtsratsmandat wahr.


Bert Rürup (61) ist Deutschlands mächtigster Berufs-Berater. Wann immer hier zu Lande eine soziale oder wirtschaftliche Kommission gegründet wird, sitzt Rürup darin, manchmal sogar vor. Ob Blüm, Riester, Ulla Schmidt oder Schröder - Sozialdemokrat Rürup stand und steht Politikern aller Couleur mit guten Ratschlägen zur Seite. Derzeit ist der Darmstädter Professor Chef der "Fünf Wirtschaftsweisen". Wenn er nicht lehrt oder gerade in Kommissionen tagt, sieht und hört man den flüssig dozierenden Rotweinkenner gern in Talkshows.


Hubertus Schmoldt (60) gilt unter Deutschlands Managern als beliebtester Gewerkschaftsboss. Alle mögen den Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), weil er so ideologiefern und realitätsnah ist. In den Aufsichtsräten (Eon , Bayer , BHW ), in denen Schmoldt sitzt, wird der gelernte Maschinenschlosser deshalb nicht als lästiger Querulant, sondern als konstruktiver Mitarbeiter geschätzt. So spielt er bei der Neuordnung der RAG eine gewichtige Rolle. Auch der Kanzler mag seinen "lieben Hubertus", denn Genosse Schmoldt trägt ohne große Widerworte des Kanzlers Reformen mit.


Manfred Schneider (66) gilt als einer der zentralen Knotenpunkte im Netz der neuen Deutschland AG. Der Mann ist in nahezu allen Branchen zu Hause. Bei sieben Dax-Schwergewichten, darunter DaimlerChrysler  und Linde , kontrolliert der Ex-Primus von Bayer  den Vorstand und das Geschäft. Abseits der Gremien lädt Schneider gern Wirtschaftsgrößen zu Spielen von Fußball-Bundesligist Bayer 04 Leverkusen ein.

Von Schrempp bis Thielen

Jürgen Schrempp (60) hat in letzter Zeit so manche interne und externe Attacke überstanden. Jetzt führt der DaimlerChrysler-Chef den Konzern  wieder unangefochten. Schrempps Wort hat Gewicht, bei Vorstandsvorsitzenden wie beim Kanzler, den er regelmäßig zu Vier-Augen-Gesprächen trifft. US-Außenministerin Rice kennt er schon seit Jahren. Schrempp war auch der erste europäische Manager, der nach dem Zerwürfnis wegen des Irak-Kriegs einen Termin bei US-Präsident Bush bekam. Mit der Deutschland AG ist Schrempp über den Baden-Badener Kreis verbandelt sowie über die Similauner-Bergsteigertruppe, zu der auch Post-Vormann Zumwinkel oder Linde-Boss Reitzle gehören.


Gerhard Schröder (61) ist Sozialdemokrat und muss deshalb damit leben, dass ihn die meisten Topmanager nie wählen werden. Trotzdem trifft der Bundeskanzler, der sich im Herbst erneut zur Wahl stellt, viel lieber Konzernchefs als sein Vorgänger Kohl, weniger gern Verbandsfunktionäre. Mit größeren Gruppen tafelt er gern an einem Tisch im 8. Stock des Kanzleramtes. CEOs erleben Schröder häufig interessiert und kenntnisreich. Gelernt hat er inzwischen, dass Hauruck-Aktionen à la Holzmann der falsche Weg zur Sanierung Deutschlands sind, genauso wie Bündnisse für Arbeit. Schade nur, dass Schröder den richtigen Weg noch nicht kennt.


Ekkehard Schulz (63) gilt gemeinhin als Stahlmagnat. Doch tatsächlich reicht der Einfluss des ThyssenKrupp-Chefs weit über den Konzern  hinaus. Er ist Vize-Präsident des BDI und wacht über die Deutsche Bahn, MAN  und Tui . Zudem trifft er als passionierter Jäger in den Wäldern der Steiermark oder anderen Revieren regelmäßig mit Ruhrgebietsgrößen wie Krupp-Patron Berthold Beitz zusammen. Besonders gut versteht sich Schulz mit DaimlerChrysler-Lenker Schrempp. Auch der Kanzler hört auf sein Wort.


Jürgen Strube (65) ist der Weltbürger unter den Netzwerkern. Der AR-Vorsitzende der BASF spricht vier Sprachen. Das hilft ihm in seinem zurzeit wichtigsten Job - als Cheflobbyist der europäischen Industrie bei der EU. Hier zu Lande verfügt Strube über beste Kontakte zu Eigentümerunternehmen wie Bertelsmann (Reinhard Mohn), Bosch (Hermann Scholl) oder Trumpf (Berthold Leibinger). Linde , Commerzbank  und BMW  steht er als Aufsichtsrat zur Seite. Neuerdings hilft "der stille Don" zudem bei RWE  aus. Dort ist er Mitglied einer Kommission, die Verhaltensregeln für den Umgang mit Politikern festlegen soll.


Gunter Thielen (62) verfügt schon allein deshalb über Macht, weil die von ihm geleitete Bertelsmann AG mehr als doppelt so viel Umsatz macht wie die vier größten deutschen Konkurrenten zusammen. Im Schulterschluss mit Liz Mohn, deren Gatte das Imperium aufgebaut hat, führt Thielen den Konzern in zurückhaltender, aber durchsetzungsfähiger Manier. Mit dem Einfluss, den ihm das Amt verliehen hat, geht der Mann klug und vorsichtig um. 2007 übernimmt er erneut die Leitung der Bertelsmann Stiftung, die sich für alles zuständig fühlt, was in Deutschland mit korrekter Gesinnung zu tun hat.

Von Thoma bis Zumwinkel

Georg F. Thoma (60) ist ein Mann für die spektakulären Fälle: Ob Daimler und Chrysler, Thyssen und Krupp oder Springer und Kirch - stets saß der Topanwalt der US-Sozietät Shearman & Sterling mit am Tisch. In vielen Vorstandsetagen der Dax-Konzerne ist der Düsseldorfer eine feste Advokatengröße. Sein Vorteil: Er denkt wie ein Unternehmer und rät auch schon mal in letzter Minute von einem Geschäft ab. Thomas Managementkünste sind nun auch in eigener Sache gefordert; seit November ist er Global Co-Managing Partner von Shearman & Sterling und damit Teil einer Doppelspitze.


Günter Verheugen (61) residiert zwar in Brüssel, hat jedoch gravierenden Einfluss auf die deutsche Wirtschaft, denn viele Berliner Gesetze haben ihren Ursprung in der EU-Metropole. Als Industriekommissar ist Verheugen einer der mächtigsten Entscheider in der 25er-Runde. Fast alle wirtschaftsrelevanten Richtlinien und Verordnungen laufen über seinen Schreibtisch. Sein Büro ist deshalb begehrte Aufenthaltsstätte für Lobbyisten und Manager. Der Sozialdemokrat gilt als des Bundeskanzlers Mann in Brüssel. Manche verspotten ihn gar als "Schröders Pudel". Verheugen kontert gelassen: "Der Pudel ist ein bemerkenswert kluges, gelehriges und schönes Tier."


Jürgen Weber (63) sitzt in den Aufsichtsräten von Allianz Leben , Bayer , Deutsche Bank , Deutsche Post  und Lufthansa . Den Kurs des Luftfahrtkonzerns prägt er als AR-Chef. Weber kraxelt regelmäßig mit einer illustren Schar von Managerkollegen in den Alpen, unter anderem mit Ex-McKinsey-Chef Henzler und DaimlerChrysler-Boss Schrempp. Als Beauftragter der Bundesregierung für Standortmarketing hat Weber zudem Zugang zum Bundeskanzler.


Peter Zühlsdorff (64) kennt dank seines bunten Lebenslaufs alles und jeden im Handel und in der Konsumgüterindustrie, und jeder kennt ihn. Regelmäßig heuerte er ab, wenn seine Aufgabe erledigt war oder er sich hätte verbiegen müssen. Bei Wella  ging er wegen des Starrsinns der Eigentümer, bei Tengelmann zog er sich aus der Operative zurück, als er die Food-Sparte saniert hatte. Nach einem Engagement für die Leipziger Olympia-Kampagne soll er jetzt das Duale System auf Vordermann bringen.


Klaus Zumwinkel (61) weist gleich drei prominenten Konzernen den Weg. Die Deutsche Post  lenkt er als Vorstandsvorsitzender, bei der Postbank  und der Deutschen Telekom  hat er als zupackender Aufsichtsratschef entscheidenden Einfluss. Besonders sein Posten bei der Telekom stärkt seine Macht deutlich. Bundeskanzler Schröder ist Zumwinkel dankbar, dass er bei der Telekom in turbulenter Zeit einsprang. Der Post-Chef sitzt außerdem bei Lufthansa  und KarstadtQuelle  im Aufsichtsrat. Seine heikelste Aufgabe hat er derzeit im Board der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley  zu erledigen. Ex-Manager haben dort Zumwinkels früheren McKinsey-Kollegen Philip Purcell als CEO gestürzt.

Die 50 Mächtigsten: Zehn prominente Anwärter

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