Business-Mode Was darf die Frau?

Hosenanzug oder Kostüm, offenherzig oder hochgeschlossen? Modefachfrau Mirjam Dietz über die Kleiderordnung für Managerinnen.
Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner

mm:

Frau Dietz, Sie wurden unlängst vom Magazin "Karriere" in eine Fünfer-Riege der "erotischsten Managerinnen" Deutschlands gewählt. Eine Ehre oder eher eine Beleidigung?

Dietz: Definitiv eine Ehre. Das ist doch meine Leidenschaft: Frauen in Szene zu setzen.

mm: Sie gelten als eine der Topfrauen in der Modebranche, hatten jahrelang eine Führungsposition bei der Düsseldorfer Modemesse inne und haben jetzt die Berliner Erfolgsshow "Bread & Butter" betreut. Wie wichtig ist die Kleiderordnung für eine Managerin?

Dietz: Das Wort Kleiderordnung trifft es nicht. Das Outfit ist Ausdruck eines Lebensgefühls, es kommt darauf an, zu wirken und sich wohl zu fühlen. Ich halte es für wichtig, seiner Persönlichkeit durch die Kleidung Nachdruck zu verleihen. Das darf individuell sein, und es soll Spaß machen, sich nach Laune für die verschiedenen Anlässe im Geschäftsalltag herzurichten.

mm: Der Gestaltungsspielraum ist dort ja nicht so unermesslich groß. Wie kann die Managerin hier ihrem Geschmack freien Lauf lassen?

Dietz: Die Kleiderordnung - wie Sie es nennen - ist inzwischen extrem aufgeweicht: mix and match. Man kann ungeheuer viel kombinieren, es wird enorm viel angeboten, was hervorragend zueinander passt. Selbst das klassische Kostüm kann man super aufpeppen.

mm: Indem man sich aus der gesamten Palette des Modeangebots bedient?

Dietz: Definitiv. Die Frau muss dabei aber ihren eigenen Stil fördern; es kann auch mal eine Jeans sein, wenn es der Anlass erlaubt.

Nicht alles vom gleichen Designer

mm: Wenn Sie als Bankerin in Jeans kommen ...

Dietz: ... wird es schwierig. Ich würde einen tollen Hosenanzug wählen - es gibt hervorragende, mit einem sexy Schnitt, die man nicht unbedingt mit einer weißen Bluse und einem Tuch kombinieren muss. Ich würde den mit einem frechen Top, mit Kristallen bestickt, zusammenbringen.

mm: Was machen Frauen in den Chefetagen bei ihrer Kleidung am häufigsten falsch?

Dietz: Der eklatanteste Fehler ist für meinen Geschmack, von Kopf bis Fuß von einem Designer eingekleidet zu sein, in einem Stil, ohne eigene Zutat.

mm: Haben Sie Beispiele dafür, wie man es nicht machen sollte?

Dietz: Nehmen Sie die Marke Burberry, das ist ein tolles Label und gerade modisch auf dem Durchmarsch. Aber wenn ich von Burberry im "total look", von der Unterwäsche über die Schuhe bis hin zum Hut im Karo-Stil, eingekleidet bin, dann ist da etwas falsch gemacht worden. Guten Stil zeigt, wer etwa einen einfachen Rollkragenpulli von Zara mit einem feinen Gucci-Anzug kombiniert.

mm: Für den Mann gibt es so etwas wie eine Business-Uniform, für die Frau gilt meistens: Jacke, Rock und Bluse, möglichst in dunklen Tönen. Wie viel Abweichung von der Norm ist erlaubt?

Dietz: Es gibt sicher Branchen ohne Reglement: Werbung, Medien, Mode, ganz klar. Der "Casual Friday" in Amerika hat gezeigt, dass eine gewisse Lockerung auch in anderen Gewerben möglich ist. Die Ansätze sind da, und die Entwicklung wird sich verstärken.

mm: Wie jung, wie modisch, wie erotisch darf die Bekleidung für die Vorstandssitzung und das Geschäftsessen sein?

Dietz: Wenn ich nicht weiß, in welche Richtung die Veranstaltung geht, nehme ich mich natürlich zurück und trage lieber eine Jacke über dem schulterlosen Kleid. Die man - je nach Situation - ausziehen oder anbehalten kann.

Gürtelbreite Röcke sind stillos

mm: Beim Rock galt einmal die Regel: eine Handbreit über dem Knie.

Dietz: Das ist noch immer aktuell. Selbst wer superschlanke Beine hat, muss sich zum geschäftlichen Meeting nicht in einem gerade mal gürtelbreiten Rock an den Tisch setzen. Das hat keinen Stil. Und der Ausschnitt sollte nicht zu tief sein, sonst gibt es statt des Gesprächs nur noch bohrende Blicke.

mm: Wohin geht der Trend bei der Business-Frau - eher zum bunt-verspielten oder zum streng-klassischen Outfit?

Dietz: Keines von beiden. Das sind Extreme. Ich glaube, der Trend zielt in die Mitte, auf den so genannten Casual Chic, auf Leichtes, Aufgelockertes, das dennoch eine klare Linie besitzt. Farben sind stark im Kommen, das werden wir im Sommer noch zu sehen bekommen.

mm: Welche Farben?

Dietz: Grün-Töne, Orange, Rosa, im Winter wird das ergänzt von Beeren- und Petrolfarben.

mm: Nicht gerade der Überschwang an modischer Fantasie und Farbenfreude.

Dietz: Es kommen auch viele Verzierungen, seien es ganz ungewohnte Revers an Blazern, seien es Bändchen an Strickjacken. Das sind kleine Details, die das gesamte Outfit anschärfen.

mm: Wie viel Glamour darf sich die Business-Frau erlauben?

Dietz: Zum Glamour gehört immer ein bisschen Mut. Er bedeutet ja nicht nur, erotisch reizvoll daherzukommen, sondern auch mit Stil. Ich kann mit verschiedenen kleineren Elementen den Glamour auch herbeizaubern, mit einer dicken Perlenkette etwa, mit vielen Armbändern statt eines einsamen Goldkettchens. Auch das ist bereits Glamour.

Vorbild "Sex and the City"

mm: Eine Frau kann viel mehr falsch machen beim Anziehen als ein Mann, weil sie mehr Möglichkeiten hat.

Dietz: Genau darin liegt die Würze, ein Spiel, das viel Spaß bringt, bei dem alle möglichen Einflüsse teilhaben. Vorreiter für die Entwicklung zum Mix and Match, die wir eben erleben, war die amerikanische TV-Serie "Sex and the City". Dort gab es ungeheuer viele Anregungen, sich attraktiv zu kleiden. Und viele haben sich die vier New Yorkerinnen zum Vorbild genommen. Das sind Anstöße, die eine Frau braucht.

mm: Heute gibt es offenbar lauter unterschiedliche Szenebereiche und keinen Mainstream mehr.

Dietz: Der hat es momentan extrem schwer. Es gibt viele Geschmäcker und für jeden Geschmack Nischenprodukte. Und im Mainstream-Bereich herrscht ein heilloses Überangebot. Deshalb versuchen viele Designer jetzt, aus diesem Fahrwasser herauszukommen.

mm: Wie etwa die Schneider von Boss Woman?

Dietz: Nach Anfangsschwierigkeiten hat die Marke heute einen absoluten Topstellenwert, was die Verkaufszahlen eindrucksvoll belegen. Und wenn etwa die Prinzessin von Dänemark in einem Boss-Kleid zu einem Empfang schreitet, dann ist das bestes Product Placement.

mm: Designer wie Helmut Lang, Jil Sander und Tom Ford - einst beste Adressen für Business-Damen - sind abgetreten. Wer sind die Trendsetter der nächsten Generation?

Dietz: Der sehr talentierte Designer Kostas Murkudis etwa, der in Berlin-Mitte mit einem eigenen Laden vertreten ist. Es gibt auch hervorragende Designerriegen aus Belgien, Talente wie Dries van Noten oder Ann Demeulemeester. Die zeigen eine klare Kernaussage und drehen sich nicht bei jedem Modewechsel wie ein Fähnchen im Wind.

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