Bewerbungen Online zum Job

Viele Unternehmen suchen Führungskräfte inzwischen verstärkt via Internet. Worauf müssen Bewerber bei der Jobsuche per Web achten?
Von Eva Buchhorn und Claus G. Schmalholz

Siemens  ist einer der begehrtesten Arbeitgeber der Republik. Auf einschlägigen Ranglisten erobert der Münchener Elektrokonzern regelmäßig einen der vorderen Plätze.

So viel Glanz hat seine Schattenseiten: Siemens versinkt in Bewerbungen, rund 200.000 sind es jedes Jahr.

Um die Bewerberflut zu managen, greift der Konzern seit einiger Zeit zu radikalen Mitteln: Alles läuft online.

Wer eine papierne Mappe nach München schickt, und sei sie noch so hübsch gestaltet, erhält eine freundliche Aufforderung, die Informationen noch einmal elektronisch nachzureichen.

Auch Bertelsmann, Merck und die Lufthansa  bitten Jobaspiranten ins Internet. Die Konzerne sind Vorboten einer Entwicklung, die zunehmend auch den Mittelstand erfasst:

Unternehmen verlagern immer größere Teile ihrer Rekrutierungsaktivitäten ins Zeit und Kosten sparende World Wide Web.

Nicht nur für Einsteiger und Young Professionals wird das Netz damit zum wichtigsten Marktplatz für berufliche Chancen.

Inzwischen suchen die Unternehmen verstärkt auch Führungskräfte auf digitalem Weg, hat Christoph Beck, Professor für Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Koblenz, in einer Studie ermittelt.

Im Auftrag von manager magazin befragte Beck 100 Unternehmen aus 15 Branchen, darunter namhafte Dax-Konzerne und große Mittelständler, zu ihrer Nutzung des Internets für die Personalakquise.

Besonders fortschrittlich ist der Bankensektor: Schon jedes fünfte Finanzinstitut verweist Jobsucher ausschließlich auf das Netz.

"Internetmuffel verpassen Chancen"

Das Problem: Zwischen den Erwartungen der Unternehmen und der Bewerbungspraxis der Einsteiger klafft eine große Lücke. Die meisten Manager nehmen das Netz nicht an, so Beck: "Zwei Drittel bewerben sich nach wie vor auf dem Postweg."

Wo Unternehmen ihre Führungskräfte suchen

1. Unternehmenshomepage
2. Printanzeige
3. Jobbörsen
4. Persönliche Empfehlung
5. Personalberater/Headhunter
6. Bewerber-/Talentpool
7. Hochschulmarketing
8. Recruiting-Veranstaltungen
9. Bundesagentur für Arbeit
10. Sonstiges

Das Misstrauen gegenüber dem Internet spiegelt sich auch in der Qualität der Bewerbungen wider. Mehr als 70 Prozent der Unternehmen gaben an, dass Internetbewerbungen qualitativ oft schlechter ausfallen als die herkömmlichen Mappen.

Becks Fazit: "Internetmuffel verpassen unter Umständen entscheidende Karrierechancen." manager magazin gibt Antworten auf die Frage, wie Einsteiger und Führungskräfte das Internet für Bewerbungszwecke nutzen können.

Wie finde ich die Stellenausschreibung? Die Zeiten, in denen ein Manager davon ausgehen durfte, beim Blättern in den Wochenendausgaben großer Zeitungen en passant über die attraktivsten Stellenausschreibungen seiner Branche informiert zu werden, sind unwiederbringlich vorbei.

Wenn Unternehmen Stellen ausschreiben, so tun sie dies inzwischen bevorzugt auf der eigenen Homepage.

Per E-Mail eingehende Bewerbungen, seien es Reaktionen auf ausgeschriebene Stellen oder auch Initiativbewerbungen, werden häufig automatisch in so genannte Bewerber-Management-Systeme überführt.

Das sind Datenbanken, auf die Personalexperten ebenso wie Fachabteilungsleiter direkt zugreifen können, um aus den gesammelten Bewerberunterlagen den passenden Mitarbeiter für die jeweilige Abteilung im Unternehmen herauszufiltern.

Neben der eigenen Homepage nutzen die meisten Unternehmen zur Bewerberansprache digitale Jobbörsen.

Laut mm-Umfrage arbeiten bereits 86 Prozent der Firmen mit mindestens einem dieser elektronischen Jobvermittler zusammen.

Im Zweifel die gute alte Papierform

Die Firmen präsentieren dort ihr Unternehmensprofil oder platzieren direkt aktuelle Stellenangebote.

Der regelmäßige Besuch dieser Börsen sollte für Einsteiger und Mittelmanager eine Selbstverständlichkeit sein.

Nur bedingt aussichtsreich ist es hingegen, wenn Jobinteressenten in der Datenbank ein persönliches Suchprofil hinterlegen.

Laut manager-magazin-Umfrage nutzen Unternehmen dieses Angebot so gut wie nie. Anders als Personalberater übrigens.

Vor allem größere Suchfirmen sammeln online oft Kandidaten "auf Halde", um auf Nachfrage rasch interessante Köpfe anbieten zu können.

Wann bewerbe ich mich besser Online statt auf Papier? Ein sicherer Hinweis darauf, dass der Arbeitgeber dem Internet den Vorzug gibt, ist die Existenz eines digitalen Formulars.

Wird der Bewerber auf der Internetseite des Unternehmens aufgefordert, seine Daten in einen elektronischen Fragebogen einzugeben oder ist eine Stellenofferte in einer Online-Jobbörse auf ein solches Formular verlinkt, sollte der Jobaspirant genau diesen Weg auch gehen, sagt Experte Beck: "Wer dann eine Mappe schickt, läuft Gefahr, dass sie in den Papierkorb wandert."

Denn hinter den Formularen verbirgt sich meist ein Bewerber-Management-System, das vom Unternehmen ausschließlich mit digitalen Bewerbungen gefüttert wird.

Dasselbe gilt, wenn das Unternehmen einen E-Mail-Kontakt zur Personalabteilung anbietet.

Ist sich der Bewerber unsicher, welches der richtige Bewerbungsweg ist, zum Beispiel bei einem sehr kleinen Unternehmen, das zudem am Markt sehr traditionell auftritt, verhilft oft ein kurzer Anruf zur Klärung. Ansonsten gilt: im Zweifel die gute alte Papierform wählen.

"Zu viel Originalität ist kontraproduktiv"

Wie gestalte ich meine Online-Bewerbung? Online-Unterlagen erfordern genauso viel Sorgfalt wie die herkömmliche Papierform.

Wer sich ungeschickt oder nachlässig zeigt, wirft sich selbst aus dem Rennen, betonen unisono die von manager magazin befragten Firmen. Einen Online-Bewerbungs-Knigge, allgemein gültige Standards also, gibt es bisher nicht.

Einige Unternehmen, vor allem die größeren, informieren auf ihren Internetseiten detailliert über Anzahl und Inhalt der erwarteten Dokumente sowie die jeweiligen Dateiformate.

Bei allen anderen Arbeitgebern muss sich der Bewerber selbst Gedanken machen: Reicht ein persönliches Anschreiben, garniert mit einem Lebenslauf? Soll er Zeugnisse und Referenzen gleich mitanhängen? Kann er gar mit einem Link zur eigenen Homepage punkten?

Wichtig ist, die Adressaten nicht durch Gimmicks wie knallbunte Flash-Animationen zu überfordern, es sei denn, die Bewerbung geht an ein Kreativunternehmen. "Zu viel Originalität ist in den meisten Fällen kontraproduktiv", warnt Bewerbungsexperte Beck.

Im Zweifel gehen klare Gestaltung und übliche Dateiformate (Word, PDF) vor komplizierten Anwendungen, die der Personaler auf der anderen Seite an seinem Computer vielleicht gar nicht öffnen kann.

Aus der Sicht der Unternehmen scheidet sich die Spreu vom Weizen vor allem in der Gestaltung des Anschreibens. Das Internet verführt in hohem Maße dazu, einen Standardtext gleich an mehrere Unternehmen zu versenden.

Personalmanager haben aber einen geschulten Blick, um solche Faulpelze zu entlarven - und befördern die Bewerbung mit einem raschen Klick in die Ablage.

Job-Safari im Internet

Im Internet auf Job-Safari gehen. Wichtige Anlaufstellen bei der Offertensuche auf digitalem Weg:

Jobbörsen

Bei www.jobpilot.de, www.jobware.de  und www.stepstone.de  finden Führungskräfte aktuelle Stellenangebote. Zugleich können sie hier kostenlos ihr persönliches Profil hinterlassen und so Unternehmen und Personalberater auf sich aufmerksam machen.

Suchmaschinen

Unter www.jobsafari.de  oder beim Jobturbo der Wochenzeitung "Die Zeit" (www.zeit.stellenanzeigen.de ) können Manager gezielt nach interessanten Jobs suchen. Dazu definieren sie ein Suchprofil, anhand dessen die Suchmaschine Internetstellenbörsen durchforstet und passende Angebote auflistet oder per Newsletter zustellt. Für die gezielte Fahndung nach Offerten bestimmter Branchen empfiehlt sich der Blick auf die Web-Seite www.crosswater-systems.com , die alle deutschsprachigen Börsen auflistet und somit auch die Suche auf spezialisierten Branchenportalen ermöglicht.

Unternehmensportale

Der regelmäßige Check der Homepages von Unternehmen und von ausgewählten Jobbörsen ist ein absolutes Muss. Wer vorzugsweise bei einem Konzern arbeiten will, erhält im Portal www.jobstairs.de  einen Überblick über die Offerten. Hier präsentieren rund 50 Unternehmen von Accenture bis ZF Friedrichshafen ihre Stellenangebote.

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