Schwellenländer-Fonds Wachstumsmotor China

Der Handel mit der Volksrepublik China treibt die Wirtschaft - vor allem in den Schwellenländern. Topfonds profitieren von dem Boom. manager magazin sagt, auf welche global anlegenden Emerging-Markets-Produkte Sie setzen können.
Von Jonas Hetzer

Das Tempo war atemberaubend, der Umschwung dramatisch. Noch vor fünf Jahren gab die brasilianische Exportwirtschaft ein tristes Bild ab. Die Erlöse deckten bei weitem nicht die Kosten der dringend benötigten Einfuhren. Das Handelsbilanzdefizit von 1,2 Milliarden Dollar musste mit teuren Krediten finanziert werden.

Mittlerweile hat sich die Lage gewaltig gewandelt: Brasiliens Exporte sind seit 1999 um über 50 Prozent gestiegen. In diesem Jahr wird Südamerikas größte Volkswirtschaft einen Exportüberschuss von geschätzt 30 Milliarden Dollar erzielen.

Der Grund? Ein Wort, fünf Buchstaben: China. Die rasant expandierende Industrie des Riesenreichs braucht Eisenerz und Erdöl in Massen. Weil sich zudem immer mehr der 1,3 Milliarden Chinesen nicht mehr als Bauern verdingen, sondern Arbeit in den Fabriken der Metropolen suchen, muss sich die Volksrepublik auch Getreide, Fleisch und Soja aus Übersee besorgen. Und Brasilien kann liefern. Der Warenaustausch beider Länder hat sich seit Ende der 90er Jahre mehr als vervierfacht.

So wie in Brasilien ist der chinesische Handelsmotor Hauptantriebskraft für die Wirtschaft in nahezu allen so genannten Schwellenländern - Staaten, die sich mit ihrer ökonomischen Leistungskraft den etablierten Industrienationen in Riesenschritten annähern. Ob Thailand, Russland oder Südafrika - sie alle profitieren vom China-Boom.

Die Volkswirte des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen für die aufstrebenden Länder von Lateinamerika bis Südostasien mit Wachstumsraten zwischen 3 und 9 Prozent in diesem und im kommenden Jahr.

Ein Aufschwung, der sich auch in steigenden Aktienkursen niederschlägt. So legten etwa brasilianische Titel seit Anfang 2003 rund 80 Prozent zu, die Kurse in Südkorea stiegen um gut 30 Prozent.

Sollten Privatanleger an den Börsen der im Kapitalmarktjargon Emerging Markets genannten Länder einsteigen?

Die gefestigte Basis

Es spricht einiges dafür: Volkswirte, Analysten und Fondsmanager sind sich einig, dass die Wachstumsgeschichte von China, Brasilien & Co. erst begonnen hat. Billige Arbeitskräfte und eine steigende Produktivität locken Firmen aus den USA, Europa und Japan, die mit Milliardeninvestitionen den Boom weiter anheizen.

Hinzu kommt, dass der Aufschwung längst eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat. Die Industrialisierung hat bereits jetzt eine neue Konsumleidenschaft ausgelöst, die das Wachstum an Yangtze und Amazonas weitertreibt.

Und anders als in der Vergangenheit, als die Euphorie oft jäher Ernüchterung wich, stehen die Staatsfinanzen der wichtigsten Emerging-Markets-Länder auf einer gefestigten Basis.

"Die meisten Regierungen haben die Lektion aus der Asien-Krise Ende der 90er Jahre gelernt und ihre Hausaufgaben gemacht", sagt Wojciech Stanislawski, Manager des Schwellenländer-Aktienfonds Magellan  der Pariser Investmentboutique Comgest. Staatshaushalte wurden konsolidiert, Wechselkurse liberalisiert und faule Kredite aus den Büchern der Geldhäuser eliminiert.

Doch nicht nur die Rahmenbedingungen erscheinen gut für Investments, auch der Moment: Viele Aktien sind derzeit günstig zu haben. Während US-Konzerne an der Börse im Schnitt das 20fache ihres für das kommende Jahr erwarteten Gewinns kosten, gibt es Schwellenländer-Unternehmen bereits für knapp das Achtfache.

Bei der Auswahl der geeigneten Aktien dürften sich Privatanleger indes schwer tun. Groß ist die Zahl der Unternehmen, gering sind die verfügbaren Informationen. Geeignete Investmentvehikel sind daher Schwellenländer-Fonds, die ihr Vermögen breit über viele Firmen aus verschiedenen Ländern streuen und so das Risiko von Fehlkäufen klein halten.

Ein Blick auf die Portfolios der erfolgreichsten Anlagepools mag zunächst überraschen. Denn Aktien aus dem Boom-Land China finden sich allenfalls in homöopathischen Dosen in den Depots. Der Grund: Die an der Börse in Shanghai gelisteten Titel sind derzeit zu teuer.

Die größte Gefahr

"Günstig bewertete Firmen mit klaren, Erfolg versprechenden Geschäftsmodellen sind kaum noch zu finden", sagt Fondsmanager Stanislawski. Der Pole verwaltet gemeinsam mit dem Franzosen Vincent Strauss den Magellan-Fonds . Das Comgest-Duo sucht mit seinem sechsköpfigen Team weltweit nach niedrig bewerteten Unternehmen mit steigenden Ergebnissen.

Stanislawski und Strauss analysieren jede Firma penibel, bevor sie einsteigen; oft beobachten sie Unternehmen über Monate, quälen das Management in zahlreichen Gesprächen und klopfen die Wachstumsversprechen ab. Sie wetten nicht auf schnelle Kurssteigerungen, sie wollen langfristigen Erfolg mit beherrschbarem Risiko.

Goldminen oder Ölaktien sind daher nicht im Magellan-Portfolio. Weil Metall-, Öl- oder Gasmärkte großen Schwankungen unterliegen, sind die Erträge kaum über mehrere Jahre zu prognostizieren. Stattdessen setzen Stanislawski und Strauss vor allem auf Konsumgüterhersteller und Einzelhandelsketten wie die brasilianische Sadia  oder Pick'n Pay  aus Südafrika.

Die simple Logik: "Das hohe Wirtschaftswachstum führt früher oder später zu mehr Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten. Die Menschen kaufen einfach mehr ein", erklärt Stanislawski.

Die Strategie war bislang sehr erfolgreich. Kein anderer Schwellenländer-Fonds erzielte über fünf Jahre eine höhere Rendite. Der Einsatz der Anleger hat sich von Oktober 1999 bis Ende September 2004 fast verdoppelt. Zum Vergleich: Der Morgan-Stanley-Aktienindex für die Emerging Markets legte im selben Zeitraum auf Euro-Basis nur um gerade mal 16 Prozent zu.

Wie viel Anleger in den kommenden Jahren verdienen können, hängt stark davon ab, ob es zu größeren Rückschlägen in der Entwicklung kommt. Größte Gefahr zurzeit: China.

Steigende Inflationsraten und eine enorme Ausweitung des Kreditvolumens lassen das Risiko einer Überhitzung der Wirtschaft steigen. Gelingt es den kommunistischen Machthabern in Peking nicht, durch behutsame Zinserhöhungen die Konjunktur sanft zu dämpfen, könnte das Reich der Mitte in eine Rezession stürzen.

Der Kopf entscheidet

Die Folgen einer harten Landung der chinesischen Volkswirtschaft wären global zu spüren. Sobald die neue Macht auf den Weltmärkten die Importe spürbar zurückfährt, warnen die IWF-Ökonomen, würde das Wachstumstempo der Handelspartner rund um den Globus, vor allem aber in Ostasien, gebremst. Kursverluste bei Schwellenländer-Aktien wären die Folge.

Ein Szenario, dem Michael Keppler allerdings keine große Beachtung schenkt. "Volkswirtschaftliche Prognosen spielen bei meinen Entscheidungen keine Rolle", sagt der österreichische Vermögensverwalter mit Sitz in New York.

Keppler ist für die Ländergewichtungen von gleich drei Topfonds im manager-magazin-Ranking verantwortlich. Neben dem Global Advantage Emerging Markets  und dem Kapitalfonds L.K.-Schwellenländer  betreut er auch das Portfolio des Pro Fonds Emerging Markets .

Für den Pro Fonds  hatte ihn 1994 der Chef der Münchener Vermögensverwaltung Fiduka, Gottfried Heller, als Manager ausgewählt. Keppler bekam einen klaren Auftrag: die Entwicklung einer Anlagestrategie für Schwellenländer mit dem geringstmöglichen Risiko.

Der Österreicher wählt die Anlagemärkte strikt nach Unternehmensbewertungen aus - keinerlei Intuition, nur der Kopf entscheidet. Laufend überprüft Keppler Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn- oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis von Firmen in 27 Schwellenländern.

Wenn ein Markt seinen Bewertungsvorstellungen entspricht, kauft er ein breit diversifiziertes Aktienportfolio zusammen; größere Wetten sind dabei tabu. Aus Märkten mit überdurchschnittlichen Bewertungsniveaus hingegen zieht sich Keppler vollständig zurück.

Strategische Chancen

Das Konzept ging bislang auf. Der Pro Fonds  erzielte zwischen seiner Auflegung Ende Januar 1994 und Ende Oktober 2004 trotz Mexiko-, Asien- oder Russland-Krise ein Plus von über 80 Prozent. Der umfassende Schwellenländer-Index von Morgan Stanley verlor im selben Zeitraum in Euro gerechnet knapp 5 Prozent.

Aktuell investiert der Anlagestratege unter anderem in Brasilien, Südkorea, Russland und der Türkei. Von China will auch er derzeit nichts wissen.

Spitzenfondsmanager wie Keppler oder Stanislawski zeigen, dass mit einer durchdachten und über Jahre konsequent verfolgten Strategie auch in schwierigen Märkten hohe Wertzuwächse möglich sind. Dennoch bleibt auch bei größter Sorgfalt ein Restrisiko.

Die Schwellenländer Asiens wie Südamerikas, mitunter auch Osteuropas, sind keine gefestigten Demokratien, die den Bestand der marktwirtschaftlichen Ordnung dauerhaft garantieren. Die Gefahr, dass politische Unruhen Kurseinbrüche auslösen, bleibt.

Michael Stammler, Partner der Bad Homburger Vermögensverwaltung Feri Wealth Management, rät daher von allzu großen Engagements ab: "Höher als 20 Prozent sollte der Anteil der Emerging Markets in keinem Portefeuille sein."

Viel geringer aber auch nicht. Die Credit Suisse First Boston hat errechnet, dass China bis zum Jahr 2012 der viertgrößte Aktienmarkt der Welt sein wird - noch vor Deutschland.

Und die Investmentbank Goldman Sachs glaubt sogar, dass China bis zum Jahr 2050 zur größten Volkswirtschaft aufsteigen könnte, Indien wird nach dieser Einschätzung Rang drei einnehmen, Brasilien und Russland sehen die Goldman-Experten auf den Rängen fünf und sechs.

Grund genug, jetzt einzusteigen.

Die besten Aktienfonds

Das Bad Homburger Analysehaus Feri Trust hat für manager magazin die besten global anlegenden Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Schwellenländer herausgefiltert. Die Top Fünf, gemessen an der Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre, sind: Magellan (Comgest)  (Rang 1, WKN 577954), Global Advantage Emerging Markets  (Rang 2, WKN 972996), Pro Fonds Emerging Markets  (Rang 3, WKN 973026), L.K.-Schwellenländer  (Rang 4, WKN 987063) sowie First State Global Emerging Markets  (Rang 5, WKN 728156).

Renditejäger für Risikofreudige
Die besten global anlegenden Schwellenländer-Aktienfonds
Rang Fonds ISIN1 Wertung2 Rendite3
1 Jahr
Rendite3
5 Jahre
Volumen
(Mio. Euro)
1 Magellan (Comgest) (Kurswerte anzeigen) (A) 23,7 13,9 275
2 Global Advantage Emerging Markets (Kurswerte anzeigen) (A) 32,5 12,2 31
3 Pro Fonds Emerging Markets (Kurswerte anzeigen) (A) 22,1 11,3 43
4 L. K.-Schwellenländer (Kurswerte anzeigen) (A) 27,9 10,1 27
5 First State Global Emerging Markets (Kurswerte anzeigen) (A) 13,9 9,7 553
6 Vontobel Emerging Markets (Kurswerte anzeigen) (A) 26,2 8,6 117
7 PEH Q-Emerging Markets (Kurswerte anzeigen) (A) 18,9 8,3 23
8 Sarasin EmergingSar (Kurswerte anzeigen) (A) 20,0 6,9 262
9 Finter Emerging Markets (Kurswerte anzeigen) (A) 17,1 6,7 26
10 WestAM Compass Gl. Emerg. Markets (Kurswerte anzeigen) (A) 18,5 5,9 251
Durchschnitt aller Fonds 15,8 3,0
Morgan-Stanley-Index Emerging Markets 18,8 2,9
1 Internationale Wertpapierkennung; 2 (A) = sehr gut;
3 in Prozent pro Jahr per 30.09.2004. Quelle: Feri Trust

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