Sonntag, 22. September 2019

Markendesign Mehr als nur schöner Schein

Deutsche Unternehmen haben mit wertvoll gestalteten Produkten zunehmend Erfolg im Ausland. Ästhetische Markenstrategie - etwa bei Cor-Möbeln, Dornbracht-Armaturen oder Erco-Leuchten - zahlt sich aus.

Auch Manager haben ihre grüblerischen Tage. "Was ist die Legitimation für solch eine Leuchte?" Kurze Pause. "Was die Legitimation für ihr Design?" Kay Pawlik hat nicht Philosophie studiert, sondern Betriebswirtschaft, er räsoniert nicht, er verkauft eine Strategie. Denn nie vergisst er bei all dem schönen Schein, der ihn umgibt, wozu er eingestellt wurde: um für sein Unternehmen Geld zu verdienen.

 Lichtdesign: In Madrid sorgte Erco-Manager Kay Pawlik für die rechte Beleuchtung einer Tankstelle des Stararchitekten Norman Foster
Claus Breitfeld
Lichtdesign: In Madrid sorgte Erco-Manager Kay Pawlik für die rechte Beleuchtung einer Tankstelle des Stararchitekten Norman Foster
Der 28 Jahre junge Mann, hochgewachsen, blonde Kurzhaarfrisur, residiert hinter Glas wie auf einem Adlerhorst sechs Stockwerke über der Waldlandschaft des Sauerlandes, in der sich die Anlagen des Lichtlieferanten Erco ausbreiten. Seit vergangenem Jahr steht er dort an der Unternehmensspitze, zusammen mit Tim Henrik Maack (35), dem Sohn des Firmengründers.

Zur Legitimation des Designs dient Pawlik nicht zuletzt die Bedeutung der Projekte, für die Erco das Licht liefert: Da sind glitzernde Tempel des Kapitalismus wie der feurige Flagshipstore von Ferrari an der Fifth Avenue in New York oder die Läden des Modehauses Zara weltweit.

Da sind düstere Orte wie das schwarzgranitene Vietnam Memorial in Washington oder die Gedenkstätten in Auschwitz. Und in Madrid steht eine Tankstelle wie aus einem Traum von Edward Hopper; entworfen hat sie der Architektur-Weltstar Sir Norman Foster, beleuchtet wird sie von Lampen aus Lüdenscheid.

Besseres Licht für die Welt: Erco-Manager Kay Pawlik
Pawlik und Maack setzen die Welt in ein besseres Licht. Und sie erwirtschaften für das Unternehmen erfreuliche Umsatzzuwächse und steigende Gewinne - trotz der schwachen Konjunktur am Baumarkt. Und dies auch noch mit Arbeitsplätzen ausschließlich in Deutschland.

Das Kunststück gelingt zu einem Teil durch die Wunderwirkung einer hoch kultivierten Formensprache. Und vielmehr noch, glaubt Pawlik, dank jener ganzheitlichen Gestaltung, die nicht nur der Form des einzelnen Produkts gilt, sondern bereits alle Fasern der Firma erfasst. Denn sie verändert die Kultur des Unternehmens, von der Büroausstattung und Briefgestaltung bis hin zur Planung und Organisation der Produktion.

© manager magazin 11/2004
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