Montag, 22. April 2019

Hermann Ebel Von Lüneburg bis Kiribati

Reeder, Kaufmann, Traumschiffeigner - der Hamburger Reeder Hermann Ebel hat viele Rollen. Derzeit vor allem: Günstling der Globalisierung. Denn nirgendwo lässt sich momentan mehr Geld verdienen als auf den Weltmeeren.

Hermann Ebel steht auf, schließt sein Sakko und ist schon draußen. Ein paar Minuten später kehrt er zurück, die Mundwinkel um drei Grad hochgezogen, die Flotte um zwei Tanker reicher. Er hat in Südeuropa zugekauft. Günstig. "Der Verkäufer" - Ebel nippt zufrieden an seinem grünen Tee - "kennt das aktuelle Preisniveau noch nicht." Günstig oder angemessen - wer will das mit Sicherheit sagen bei diesem überdrehten Markt?

 Goldene Zeiten: Der Reeder und Finanzmakler Hermann Ebel am Hamburger Hafen
Manfred Witt
Goldene Zeiten: Der Reeder und Finanzmakler Hermann Ebel am Hamburger Hafen
Hermann Ebel (55) arbeitet in einer Branche, die derzeit nur eine Richtung kennt: steil nach oben. Angefeuert von der Globalisierung und dem China-Boom, sind Seetransporte gefragt wie nie. Die Fracht- und Charterraten klettern von Höchststand zu Höchststand, Containerriesen und Tanker wechseln zu Rekordpreisen den Besitzer. Herrliche Zeiten für alle, die ihr Geld mit der Reederei verdienen, mit dem Finanzieren, Verchartern und Bauen von Schiffen. Oder mit allem gleichzeitig. Wie Hermann Ebel.

Der Hamburger Unternehmer zählt zu einer neuen Art von Reedern. Eine Art, die vor allem in Deutschland gedeiht. Groß geworden sind diese Mittelständler anfänglich durch Steuersparmodelle. Inzwischen haben sie fast unbemerkt die Herrschaft auf den Weltmeeren übernommen. Keine Nation finanziert und führt heute mehr Containerschiffe als die Deutschen.

Ebel bewirtschaftet eine Flotte von gut 60 Schiffen, die teils Anlegern, teils ihm gehören. Er betreibt ein florierendes Emissionshaus für Schiffsbeteiligungen, besitzt knapp die Hälfte einer chinesischen Werft und gebietet über vier exquisite Kreuzfahrtschiffe.

Wie er das geschafft hat? Sein Naturell dürfte eine große Rolle gespielt haben.

Der Mann gleicht einer perfekten Klimaanlage: nicht zu heiß, nicht zu kalt, und das bisschen Wind ist gut zu ertragen.

Er spricht wohl artikuliert, bewegt sich geschmeidig, vermeidet plumpe Angeberei. Mit seinem kurz getrimmten hellen Vollbart und den markanten Wangenfalten wirkt er wie eine sportliche Version von "Käpt'n Iglo". Die drahtige Statur, dazu der wie von Wind und Wetter leicht gebräunte Teint lassen glauben, Ebel stelle sich zur Not auch mal selbst auf die Brücke. Kurz: Einem wie ihm würde man seine Kinder anvertrauen. Oder sein Geld. "Wenn man ein Geschäft aufmacht", sinniert Ebel, "braucht man entweder Kapital oder das Vertrauen der Banken." Kapital hatte er keines. Da half ihm seine Aura.

© manager magazin 11/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung