Mittwoch, 19. Februar 2020

Mercedes Der talentierte Herr Cordes

Die Rendite sinkt, die Qualität stimmt nicht, die Marke setzt Rost an. Jetzt hat Eckhard Cordes die Mercedes-Spitze übernommen. Schafft der Neue die Wende? Seine Karriere zeigt, wie er die Probleme anpacken wird.

Jürgen Schrempp schaut in die Runde, blickt langsam vom einen zum anderen. "Sollen wir's machen?", fragt er schließlich.

 Profil Im Norden: Eckhard Cordes kam aus Norddeutschland zu Daimler. Geboren 1950 in Neumünster, studierte er von 1969 bis 1976 in Hamburg Betriebswirtschaft und promovierte dort. Im Süden: Seine Daimler-Karriere startete Cordes 1976 als Managementtrainee und blieb ununterbrochen im Konzern. 1983 stieg er zum Chef des "Produktcontrollings Neue Nutzfahrzeugprojekte" auf. Seit 1996 sitzt er im Konzernvorstand. Cordes wohnt mit seiner zweiten Frau und zwei Söhnen in Stuttgart. Wenn er mal nicht arbeitet, segelt er auf dem Bodensee. Oder er spielt mit dem Modell einer Schweizer Gebirgsbahn, das er auf dem Dachboden aufgebaut hat. Im Westen und Osten: Gemeinsam mit Konzernchef Jürgen Schrempp fädelte Cordes die Fusion mit Chrysler ein. Auch die Beteiligung am japanischen Autohersteller Mitsubishi plante er mit. Zuvor hatte er bereits von 1986 bis 1989 als Direktor für Rechnungswesen und Controlling für Mercedes-Benz do Brasil in São Paulo gearbeitet.
DaimlerChrysler
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Im Norden: Eckhard Cordes kam aus Norddeutschland zu Daimler. Geboren 1950 in Neumünster, studierte er von 1969 bis 1976 in Hamburg Betriebswirtschaft und promovierte dort.

Im Süden: Seine Daimler-Karriere startete Cordes 1976 als Managementtrainee und blieb ununterbrochen im Konzern. 1983 stieg er zum Chef des "Produktcontrollings Neue Nutzfahrzeugprojekte" auf. Seit 1996 sitzt er im Konzernvorstand. Cordes wohnt mit seiner zweiten Frau und zwei Söhnen in Stuttgart. Wenn er mal nicht arbeitet, segelt er auf dem Bodensee. Oder er spielt mit dem Modell einer Schweizer Gebirgsbahn, das er auf dem Dachboden aufgebaut hat.

Im Westen und Osten: Gemeinsam mit Konzernchef Jürgen Schrempp fädelte Cordes die Fusion mit Chrysler ein. Auch die Beteiligung am japanischen Autohersteller Mitsubishi plante er mit. Zuvor hatte er bereits von 1986 bis 1989 als Direktor für Rechnungswesen und Controlling für Mercedes-Benz do Brasil in São Paulo gearbeitet.
Der Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG sitzt an diesem Aprilabend des Jahres 1996 in einem Brüsseler Restaurant. Von Eckhard Cordes, Rüdiger Grube und seiner damaligen Assistentin und heutigen Ehefrau Lydia Deininger will er eine klare Antwort. Die vier planen einen Coup, der den Technologieriesen erschüttern wird: Die Automobiltochter Mercedes-Benz AG, damals noch eigenständig und heimliches Machtzentrum von Daimler, soll mit dem Gesamtkonzern verschmolzen, Mercedes-Chef Helmut Werner entmachtet werden.

Schrempp bekommt das gewünschte Ergebnis. Alle sind dafür. Aber der Plan ist riskant. Helmut Werner wird kämpfen, das wissen die Aufrührer. Und so versprechen sie sich etwas, Wochen später in ähnlich konspirativer Runde in Gottlieb Daimlers Geburtsort Schorndorf: Falls sie scheitern, verlassen sie Daimler-Benz. Alle.

Die Verschwörer gewinnen den Machtkampf. Sie bleiben. Und steigen auf: Grube zum Chefstrategen und Cordes zum wichtigsten Problemlöser.

So fügt es sich, dass gut acht Jahre später, an einem sonnigen Julimorgen in Stuttgart, das Dossier Cordes vor den Aufsichtsräten des inzwischen zur DaimlerChrysler AG Börsen-Chart zeigen gewachsenen Konzerns liegt: sein Lebenslauf im DIN-A4-Format.

Aus dem Porträtfoto sticht ein spitzes Kinn heraus; das Haar über dem schmalen Gesicht ist so geteilt, als könne sich Cordes (53) nicht zwischen Seiten- und Mittelscheitel entscheiden. Den Rest des Blatts nimmt seine Karriere ein, von den Anfängen als Assistent des Werkleiters im Werk Sindelfingen bis zur Gegenwart als Chef der Nutzfahrzeugsparte des Konzerns.

Wenig später ist Cordes bestellt. Am 1. Oktober hat er Jürgen Hubbert (65) als Chef der Mercedes Car Group abgelöst. Ausgerechnet Cordes: Der Mann, der Deutschlands erfolgreichsten Autobauer einst konzernintern herabstufte, soll ihn jetzt wieder ganz nach oben bringen. Hat er Erfolg, dann ist er der Favorit für die Nachfolge von Konzernchef Jürgen Schrempp (60).

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