Mercedes Der talentierte Herr Cordes

Die Rendite sinkt, die Qualität stimmt nicht, die Marke setzt Rost an. Jetzt hat Eckhard Cordes die Mercedes-Spitze übernommen. Schafft der Neue die Wende? Seine Karriere zeigt, wie er die Probleme anpacken wird.

Jürgen Schrempp schaut in die Runde, blickt langsam vom einen zum anderen. "Sollen wir's machen?", fragt er schließlich.

Der Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG sitzt an diesem Aprilabend des Jahres 1996 in einem Brüsseler Restaurant. Von Eckhard Cordes, Rüdiger Grube und seiner damaligen Assistentin und heutigen Ehefrau Lydia Deininger will er eine klare Antwort. Die vier planen einen Coup, der den Technologieriesen erschüttern wird: Die Automobiltochter Mercedes-Benz AG, damals noch eigenständig und heimliches Machtzentrum von Daimler, soll mit dem Gesamtkonzern verschmolzen, Mercedes-Chef Helmut Werner entmachtet werden.

Schrempp bekommt das gewünschte Ergebnis. Alle sind dafür. Aber der Plan ist riskant. Helmut Werner wird kämpfen, das wissen die Aufrührer. Und so versprechen sie sich etwas, Wochen später in ähnlich konspirativer Runde in Gottlieb Daimlers Geburtsort Schorndorf: Falls sie scheitern, verlassen sie Daimler-Benz. Alle.

Die Verschwörer gewinnen den Machtkampf. Sie bleiben. Und steigen auf: Grube zum Chefstrategen und Cordes zum wichtigsten Problemlöser.

So fügt es sich, dass gut acht Jahre später, an einem sonnigen Julimorgen in Stuttgart, das Dossier Cordes vor den Aufsichtsräten des inzwischen zur DaimlerChrysler AG  gewachsenen Konzerns liegt: sein Lebenslauf im DIN-A4-Format.

Aus dem Porträtfoto sticht ein spitzes Kinn heraus; das Haar über dem schmalen Gesicht ist so geteilt, als könne sich Cordes (53) nicht zwischen Seiten- und Mittelscheitel entscheiden. Den Rest des Blatts nimmt seine Karriere ein, von den Anfängen als Assistent des Werkleiters im Werk Sindelfingen bis zur Gegenwart als Chef der Nutzfahrzeugsparte des Konzerns.

Wenig später ist Cordes bestellt. Am 1. Oktober hat er Jürgen Hubbert (65) als Chef der Mercedes Car Group abgelöst. Ausgerechnet Cordes: Der Mann, der Deutschlands erfolgreichsten Autobauer einst konzernintern herabstufte, soll ihn jetzt wieder ganz nach oben bringen. Hat er Erfolg, dann ist er der Favorit für die Nachfolge von Konzernchef Jürgen Schrempp (60).

Der Abwickler

Die Aufgabe ist kein Selbstgänger. Der Gewinn der Mercedes Car Group wird in diesem Jahr sinken, zum ersten Mal seit ihrer Gründung 1997. BMW  verkauft mehr Autos, Toyota  führt die Qualitätsstatistiken an, Ferrari siegt in der Formel 1 nach Belieben: Wohin man auch schaut, fast überall haben Konkurrenten den Stern von der Spitze verdrängt.

Wolfgang Bernhard (44) soll gar von einem "Sanierungsfall" gesprochen haben. Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre die langjährige Nummer zwei bei Chrysler heute Mercedes-Chef. Doch er machte sich frühzeitig unbeliebt, erst beim Betriebsrat, dann bei Hubbert, und als der nach dem Mitsubishi-Debakel angeschlagene Schrempp ihn fallen ließ, war Bernhard draußen - zwei Tage vor seinem Amtsantritt.

Ein Fall für Eckhard Cordes. Der Mann ist so etwas wie Jürgen Schrempps Nutzfahrzeug: Er schaufelte für seinen Chef das Milliardengrab AEG zu, er leitete die Fusionsverhandlungen mit Chrysler, er steuerte gemeinsam mit Manfred Bischoff den Militärbereich Dasa in den europäischen Verbund EADS, und er machte aus den verlustträchtigen Lastwagen, Transportern und Bussen des Konzerns Gewinnmaschinen. Aber ist Cordes, der Mann für alle Fälle, auch gut genug für das Herzstück des Konzerns? Kann er der Weltmarke zu neuem Glanz verhelfen? In seiner Karriere hat er gezeigt, wie er drängende Probleme löst.

I. Der Abwickler

Frankfurt, im Herbst 1995: Im 11. Stock des AEG-Hochhauses tobt ein Juristenstreit. Einer der traditionsreichsten deutschen Konzerne steht vor dem Aus, das ist beschlossene Sache. Jürgen Schrempp, neuer Chef des Mutterkonzerns Daimler-Benz, nimmt die dreistelligen Millionenverluste der Tochterfirma nicht länger hin. Eckhard Cordes, bis 1994 selbst als Chefcontroller zu AEG abgeordnet und jetzt Daimlers Topstratege, will Tochter und Mutter verschmelzen und die Einzelteile der AEG dann verkaufen.

Der AEG-Vorstand wehrt sich. Er hat Juristen vorgeschickt, und die lehnen Cordes' Plan ab. Zwei Stunden lang streiten die renommiertesten deutschen Gesellschaftsrechtler - bis es Cordes nicht länger im Sessel hält. "Ich habe ja Hochachtung vor dem hier versammelten juristischen Sachverstand", beginnt er seine Ausführung. "Aber es geht hier darum, ob 500 Millionen Mark an Wert geschaffen werden oder nicht."

Dann wendet sich Cordes direkt an Michael Hoffmann-Becking, den Doyen der deutschen Wirtschaftsanwälte: "Nehmen Sie doch mal an, Sie wären kein Jurist. Würden Sie unserem Vorschlag dann folgen, ja oder nein?" Hoffmann-Becking bejaht. Beim nächsten Juristentreffen geht es nur noch um das Wie und nicht mehr um das Ob.

Der Unterhändler

Cordes werde in solchen Situationen schon mal ungeduldig, sagt einer, der oft mit ihm zusammenarbeitet: "Er ist der Typ Investmentbanker, no bullshit, no nonsense eben." Immer sehr schnell und direkt zum Punkt, soll das wohl heißen.

Auf die Besprechungen in Frankfurt folgt ein Kahlschlag, wie es ihn bis dahin in der deutschen Wirtschaftsgeschichte nicht gegeben hat. Nicht nur bei AEG, sondern im gesamten Daimler-Reich. In anderthalb Jahren verkauft oder schließt der Konzern 12 seiner 35 Divisionen. 15.000 Mitarbeiter verlieren ihren Job, 45.000 wechseln zu anderen Unternehmen. Stets als Planer und Stratege im Hintergrund: Eckhard Cordes.

II. Der Unterhändler

Frankfurt/Detroit, 5. Mai 1998: In zwei Tagen soll die Fusion der Weltöffentlichkeit präsentiert werden, aber noch immer ist ein entscheidender Punkt ungeklärt: der Name der neuen Firma. Chrysler-Chef Bob Eaton will Chrysler-Daimler-Benz, Schrempp besteht auf DaimlerChrysler. Der Deutsche droht am Telefon, den Deal platzen zu lassen. Wieder einmal ist Cordes gefordert. Er berät mit Chrysler-Finanzchef Gary Valade. Die beiden schließen einen Kuhhandel. Chrysler erhält ein zusätzliches Vorstandsmandat und lässt den Deutschen dafür beim Namen den Vortritt.

Doch Schrempp, gerade in Frankfurt, reagiert verärgert, als Cordes ihn anruft. Die Besetzung des Vorstands habe nichts mit dem Unternehmensnamen zu tun, er werde sich nicht erpressen lassen, poltert der Daimler-Chef. Nun wiederum ist Cordes wütend. "Ich mach' jetzt gar nichts mehr", brüllt er und knallt den Hörer auf die Gabel.

Am nächsten Morgen findet Cordes doch noch einen Weg: Chrysler gibt im Streit um den Namen nach und bittet - unabhängig davon - um einen zusätzlichen Vorstandsposten. So kann jeder sein Gesicht wahren.

Ähnlich wie im Fall Chrysler läuft es häufig im Team Schrempp. Der Chef hat eine Idee und entwickelt sie gemeinsam mit Cordes und Rüdiger Grube. Die beiden Strategen, unterstützt von einem kleinen Beraterteam, analysieren, präsentieren Handlungsalternativen und beginnen mit den Verhandlungen. So wissen andere Konzernvorstände wie Jürgen Hubbert und Finanzchef Manfred Gentz noch nichts über das Projekt Chrysler, als Cordes und Grube mit den US-Partnern längst über Details diskutieren. Vor allem Cordes und Schrempp sind ein eingespieltes Verhandlungsduo. Teilweise wirkt es fast, als trieben sie mit ihren Geschäftspartnern ein Spielchen der Art "guter Polizist, böser Polizist". Cordes ist der gute.

Der Sanierer

III. Der Sanierer

Stuttgart, November 2000: Als Cordes seinen Job als Nutzfahrzeugchef antritt, erwarten die Kollegen nicht viel Gutes. Der Neue gilt als Filetierer, als Mann für schwierige Deals - aber nicht als jemand, der sich mit Verkauf und Produktion schwerer Lastwagen auskennt. Da hilft es auch wenig, dass er eilends den Lkw-Führerschein macht.

Aber die Chance zur Bewährung kommt schneller als erwartet: Die US-Tochter Freightliner steht vor der Pleite.

Dort hat Frontmann Jim Hebe jahrelang für enorme Wachstumsraten gesorgt. Freightliner verleast die Lastwagen und garantiert den Kunden hohe Rücknahmepreise. Das geht gut, solange die Nachfrage steigt. Dann bricht im Jahr 2000 der Markt zusammen. Die Kunden bringen ihre Lastwagen nach Vertragsablauf zurück, und Hebe wird die gebrauchten Trucks nicht mehr los - schon gar nicht zu den hohen Garantiepreisen.

Cordes sagt den für die erste Januarwoche geplanten Skiurlaub in Lech am Arlberg ab. Stattdessen fliegt er nach Portland, in die Freightliner-Zentrale. Drei Viertel seiner Arbeitszeit wird er in den kommenden Monaten im Westen der USA verbringen. Dort erwarten den Deutschen Trucks im Überfluss. Die Parkplätze rund um das Gelände sind voll. Niemand weiß, wo die vielen Lkw hin sollen. Cordes wird vor der Freightliner-Führung deutlich: "Der nächste, der einen Deal mit Rückkaufgarantie abschließt, wird gefeuert."

Der Erste, den es trifft, ist der Chef persönlich: Hebe ist zwar bei Jürgen Schrempp angesichts des jahrelangen Erfolgs wohl gelitten. Aber Cordes ("Der muss weg") setzt sich durch. Er macht Rainer Schmückle zum neuen Chef, einen Finanzexperten, den er aus seiner Zeit beim Bahnunternehmen Adtranz kennt.

In Deutschland schätzen die Betriebsräte Cordes als Chef, der zwar Klartext redet, doch die Interessen der Arbeitnehmer nie aus den Augen verliert. In den USA greift er gnadenlos durch. Er schließt drei von sechs Freightliner-Werken, entlässt fast die Hälfte der 22.000 Mitarbeiter und nimmt denen, die bleiben, 10 Prozent ihres Lohns.

Parallel touren Schmückle, Vertriebschef Mark Lampert und Cordes von Großkunde zu Großkunde. Sie kommen als Bittsteller. "Wir stehen die Situation ohne eure Hilfe nicht durch", das ist ihre deprimierende Botschaft. Die Aktion hat Erfolg: 24 der 25 größten Kunden geben Nachlässe - obwohl sie auf ihren Verträgen bestehen könnten.

Bilanz nach zweieinhalb Jahren Sanierung: Seit 2003 erwirtschaftet Freightliner wieder Gewinn, 2004 will das Unternehmen rund 2000 Mitarbeiter einstellen.

Der umworbene Welt-Manager

IV. Der Umworbene

Deutschland, im Frühherbst 2002: Die Medien beschäftigen sich intensiv mit einer Personalie: Wer wird Nachfolger des Mitte Juli zurückgetretenen Telekom-Chefs Ron Sommer? Eine Reihe prominenter Namen wird genannt: Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, der bei Bertelsmann gescheiterte Thomas Middelhoff und auch Klaus Zumwinkel, die Nummer eins des Bonner Telekom-Nachbarn Deutsche Post AG.

Der Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dietrich Winkhaus und Interimschef Helmut Sihler favorisieren einen anderen: Eckhard Cordes. Der hat zwar keine Branchenkenntnis, aber es hat sich herumgesprochen, dass er gerade erfolgreich die Daimler-Nutzfahrzeugsparte saniert. "Der könnte auch Eon oder Siemens leiten", sagt einer, der ihn gut kennt. Oder eben die Telekom.

Cordes lehnt ab. Der in der Öffentlichkeit ausgetragene Auswahlprozess habe ihn wohl abgeschreckt, sagen Beteiligte.

V. Der Welt-Manager

Pfinztal-Söllingen, 31. August 2004: Es ist eine Art Abschiedstreffen, zu dem Nutzfahrzeugchef Eckhard Cordes seine Bereichsleiter ins Hotel "Villa Hammerschmiede" geladen hat. Zwei Tage reden sie abseits der Büros, entwickeln Visionen für die Zeit nach 2010. Und sie diskutieren über Cordes' Lieblingsprojekt: die kleine Welt AG, die er im Nutzfahrzeugbereich geschaffen hat. Eigentlich sollte das Konzept, über Markengrenzen hinweg global zusammenzuarbeiten, ja für den gesamten Konzern gelten. Bei den Pkw steht die Idee vor dem Scheitern, seit klar ist, dass man mit Mitsubishi danebengegriffen hat. Bei den Lastwagen sieht es besser aus.

Angestoßen hat er das Projekt vor anderthalb Jahren. Im "Schlosshotel Bühlerhöhe" im Schwarzwald sei Cordes "abends beim Wein ins Philosophieren gekommen", erzählt ein Bereichsleiter: über die Vorteile als Weltmarktführer, über Synergieeffekte und darüber, was möglich wäre, wenn man sich des Themas konsequenter annehmen würde.

Das Vorhaben ist schwierig. Möglichst viele gemeinsame Teile zu fertigen, das bedeutet auch viel zentrale Planung - und für die Spartenchefs weniger Macht. Cordes sieht Ärger voraus. Also bindet er die Kollegen von Anfang an in das Projekt ein. Er gibt zwar die Strategie vor. Die Details lässt er jedoch von Lkw-Chef Klaus Maier, Freightliner-Chef Rainer Schmückle und dem für die Motoren zuständigen Gerald Weber ausarbeiten.

Mister Mercedes

Das Ergebnis ist eine komplett neue Organisation: Weber ist seit Anfang 2004 der zentrale Planer für Nutzfahrzeuge, seine 6500 Mitarbeiter lenken Entwicklung, Einkauf und Produktionsplanung für fast die komplette Sparte. Mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr soll das bringen.

"Wir haben uns ganz schön die Köpfe eingeschlagen", erzählt einer der Beteiligten über die Diskussionsrunden. "Da wird auch Cordes schon mal emotional und brüllt." Jetzt läuft das Projekt, wenn auch etwas rumpelig. Drei bis vier Jahre dürfte es noch dauern, bis alles funktioniert - und nicht zwei Jahre, wie ursprünglich gedacht.

Bei ihrem Treffen in der "Villa Hammerschmiede" diskutieren die Bereichsleiter die strittigen Punkte der neuen Organisation. Auch ein Gast ist dabei. Cordes hat seinen Nachfolger Andreas Renschler (45) mitgebracht, den bisherigen Smart-Chef.

VI. Mister Mercedes

Erst einmal genau hinschauen und zuhören. So hat Eckhard Cordes bei den Nutzfahrzeugen begonnen. So wird er auch bei Mercedes starten: "Der Chef wird dafür bezahlt, dass er die größten Probleme angeht", hat Cordes einmal gesagt, "und nicht dafür, dass er sich um Dinge kümmert, die ohne ihn funktionieren." Eingreifen wird er nur, wo es nötig ist. Aber dort konsequent.

Seit zehn Jahren gehört Cordes zu den engsten Mitarbeitern des Konzernchefs. Aber er hat sich bei seinem Aufstieg geistige Unabhängigkeit von Schrempp bewahrt. Wie jeden Manager treibt ihn das Streben nach Erfolg. Gierig, selbstsüchtig wirkt er dabei nicht.

Bei Mercedes trifft Cordes auf eine andere Kultur als bei den Truckern, auf eine komplexe, autoritäre Führungsstruktur, auf Manager, die Ideen von außen gern blockieren. Chef Jürgen Hubbert hatte sich bis zuletzt eine gewisse Selbstständigkeit erhalten, auch gegenüber dem im Konzern übermächtigen Jürgen Schrempp.

"Der ließ sich in viele Dinge nicht hineinreden", sagt ein früherer Vorstand. Cordes, fürchten viele bei Mercedes, werde diese Distanz als enger Vertrauter Schrempps nicht wahren.

Hubbert hat eine Truppe um sich geschart, der vor allem eines heilig ist: die Marke Mercedes. Während es die Nutzfahrzeugchefs mit rustikalen Großkunden zu tun haben, die sich für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis entscheiden, geht es bei Mercedes stärker um Design, Marketing, ja um Emotionen - und um den Anspruch, die beste Automarke der Welt zu sein.

Auf der Kippe

In der Realität rutscht die Marke gerade ab. Cordes muss das umkehren, vor allem, was die Qualität angeht. 2005 kommen neue Versionen der M- und S-Klasse. Modelle, die noch unter Hubbert entwickelt wurden. Wenn Cordes es schafft, die Qualität in den Griff zu bekommen, wird er den Ruhm ernten. Gibt es allerdings ein neues Qualitätsdebakel wie bei der aktuellen E-Klasse, muss er das verantworten.

Sein Handlungsspielraum ist begrenzt. Vieles ist festgezurrt für die nächsten Jahre. So bringt die jüngste Tarifeinigung Mercedes zwar eine jährliche Ersparnis von knapp 500 Millionen Euro, der Belegschaft aber eine Jobgarantie bis 2012; die Führungskräfte verzichten dabei auf 10 Prozent ihres Gehalts.

Ein drängendes Personalproblem ist ebenfalls schon vor Cordes' Antritt gelöst. Hans-Joachim Schöpf (61), der mächtige Chef der Entwicklungsabteilung, ist Ende Juli ausgeschieden, ein Jahr früher als vorgesehen.

Der Mann gilt als genialer Techniker. In seiner Abteilung errichtete er jedoch so eine Art Schreckensregime. Untergebene beschreiben das Betriebsklima mit dem Kürzel "AvS" ("Angst vor Schöpf"). Thomas Weber (50), Konzernvorstand für Forschung, hat Schöpfs Aufgaben mit übernommen.

Viele bei Mercedes fragen sich, ob Cordes sie nur als weitere Etappe auf seinem Weg ganz nach oben sieht. Er hat gute Chancen, die Nachfolge seines Mentors Schrempp anzutreten. Dessen Vertrag als Daimler-Chef läuft bis 2008, über einen vorzeitigen Rücktritt schon in zwei Jahren wird im Konzern jedoch bereits heftig spekuliert.

Cordes' altes Büro in Untertürkheim wirkt nüchtern wie eine Zwischenstation, gereinigt von allem Persönlichen. Die Wand zwischen Besucherecke und Schreibtisch ziert ein Glasregal mit Souvenirs aus 27 Jahren bei Daimler: eine Dodge Viper zum Beispiel als Erinnerung an die Fusionsverhandlungen mit Chrysler, ein Renntruck, den ihm Nutzfahrzeugkollegen als Antrittsgeschenk überreichten, und zwei Kleinlaster, die Mercedes-Lehrlinge in Brasilien und der Türkei für ihn gebaut haben.

Ganz oben ist noch ein Bord frei: Platz für die Zukunft.

Was Eckhard Cordes anpacken muss

Was Eckhard Cordes anpacken muss

Negativtrend: Egal ob Qualität oder Absatz - die Konkurrenz zieht an Mercedes vorbei

1. Qualität: Weiter Abstand im Mängel-Ranking



2. Die Marke: Rufschädigung

Erst mal kommt in der Formel 1 Ferrari. Dann lange nichts. McLaren-Mercedes ist nur im Mittelfeld der Konstrukteurswertung. Auch die Marke Mercedes hat Rost angesetzt. Toyota hat den Stern als wertvollste Automarke der Welt abgelöst.


3. Profitabilität: Höhere Renditen bei Toyota und Honda

Umsatzrendite in Prozent

Umsatzrendite in Prozent

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operativer Gewinn pro Fahrzeug

operativer Gewinn pro Fahrzeug

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Umsatz pro Fahrzeug

Umsatz pro Fahrzeug

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Umsatzrendite

operativer
Gewinn

Umsatz


4. Absatz: BMW hat überholt

Zahl der verkauften Autos in den ersten acht Monaten 2003 und 2004

Zahl der verkauften Autos in den ersten acht Monaten 2003

Zahl der verkauften Autos in den ersten acht Monaten 2003

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Zahl der verkauften Autos in den ersten acht Monaten 2004

Zahl der verkauften Autos in den ersten acht Monaten 2004

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1.1.2003 bis 30.8.2003
1.1.2004 bis 30.8.2004

Bewährungsprobe Mercedes

Bewährungsprobe Mercedes: Im Kampf um die Konzernspitze sind Eckhard Cordes und Dieter Zetsche die Favoriten für die Schrempp-Nachfolge

Der Förderer: Schon als Jürgen Schrempp 1995 die Daimler-Spitze übernahm, gehörte Eckhard Cordes zum engsten Kreis um den Chef. Mit dem heutigen Strategievorstand Rüdiger Grube organisierte er die wichtigsten Deals. Im Jahr 2000 machte Schrempp Cordes zum Nutzfahrzeug-, jetzt zum Mercedes-Chef. Schrempps Vertrag läuft bis 2008, ein früheres Ausscheiden wäre keine Überraschung.

Der Kontrahent: Der eine leitet Chrysler, der andere Mercedes. Wer die besseren Ergebnisse präsentiert, kann Vorstandschef werden: Chrysler-Boss Dieter Zetsche dürfte Cordes' Hauptrivale sein, wenn es um die Daimler-Spitze geht. Derzeit präsentiert Zetsche gute Zahlen. Aber er hat bei der Mitsubishi-Entscheidung im April die Front gegen Schrempp angeführt. Helfen wird ihm das nicht gerade.

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