Sicherheitstraining Die Mutprobe

Wer im Auto einen kriminellen Angriff abwehren muss, braucht gute Reflexe. In Spezialkursen lernen Chauffeure und Selbstfahrer das beherzte Zupacken.

Zum ersten Mal ernst wird es am Samstagnachmittag. Am Morgen haben die Kursteilnehmer ein herkömmliches Fahrsicherheitstraining absolviert: Vollbremsungen auf trockener und nasser Fahrbahn, einem Hindernis ausweichen, wedeln und driften auf rutschigem Grund.

Jetzt sollen sie zeigen, was sie gelernt haben. Bei einer Situation, in der die Bedrohung nicht durch die Verkehrs- oder Witterungsverhältnisse entsteht. Sondern durch einen Überfall oder einen Anschlag.

Die Übung heißt "Fluchtwende" und geht so: Im Rückwärtsgang mit Vollgas aus einem imaginären Hinterhalt herausfahren - etwa aus einer Garagenzufahrt, in der plötzlich Angreifer aus einem Versteck springen.

Bei erster sich bietender Gelegenheit gilt es dann, das Lenkrad herumzureißen. Dabei sofort auskuppeln und auf die Bremse steigen. Wer's beherrscht, der schlägt jetzt mit quietschenden Reifen einen Haken von 180 Grad und kommt mit dem Wagen so zu stehen, dass er vorwärts davonfahren kann, abermals mit Vollgas. Fort von den Übeltätern.

Die Fluchtwende ist nur die Einstimmung für die besonderen Teile des Landmann-Trainings. An zehn Wochenenden pro Jahr bringt die junge Firma Personenschützern aus der privaten Wirtschaft, Vorstandschauffeuren und selbst fahrenden Führungskräften auf einem Trainings-Parcours im Hunsrück bei, wie sie hinterm Steuer kriminelle Übergriffe abwehren, Gefahrensituationen meistern.

Der schlimmste Feind, das erfahren die Kursteilnehmer schnell, sind die eigenen Skrupel. Wem beim Lenken, Bremsen und Gasgeben die Chuzpe fehlt, der hat bei überraschenden Attacken kaum eine Chance. Weshalb die Übungsleiter vor allem die Traute ihrer Schützlinge trainieren.

"Unser Ziel ist die Beherrschung"

Zum Beispiel beim so genannten Formationsfahren, dem Höhepunkt des ersten Kurstages: Ziel ist hier, das Fahren als Eskorte zu lernen. In der Praxis wird das wichtig, wenn zum Beispiel eine Cheflimousine mit anderen Autos aus einer Gefahrensituation herausgelotst werden soll.

Das verlangt blitzschnelle Entscheidungen, scharfe Reaktionen und präzise Manöver - unter höchstem Stress. Nach 20 Minuten Formationsfahren steigen auch die Routiniers unter den Teilnehmern mit roten Gesichtern und japsendem Atem aus den Wagen. Die Anfänger sind völlig fertig.

"Unser Ziel ist nicht das Schnellfahren", sagt Kursleiter Wolfgang Bente, "sondern die Beherrschung gefährlicher Situationen." Die lässt sich freilich bei höheren Geschwindigkeiten leichter auf die Probe stellen als bei niedrigen.

Am zweiten Tag trainieren die Teilnehmer deshalb noch einmal das Lenken bei gleichzeitigem Bremsen auf rutschigem Untergrund und aus hohen Geschwindigkeiten. Sie üben einen schnellen Slalomkurs und lernen den Elchtest - um schließlich vom Lehrer in einer wilden Verfolgungsfahrt abermals durch alle Hindernisse gejagt zu werden.

Hier zeigt sich, wer unter Druck die Nerven behält - und deshalb besser Auto fährt. "Kriminelle Gefahren abwehren kann nur, wer den Kopf frei hat", sagt Markus Cloer, Gründer und Geschäftsführer von Landmann-Training. Das setzt voraus, dass der Pilot alle Anforderungen ganz selbstverständlich beherrscht - wie im Reflex.

Das Konzept des Kopf-Freimachens kommt auch bei Kopfarbeitern an: Immer mehr Chefs schicken nicht nur ihre Fahrer, sondern machen selbst mit. Den Pudding-Dynasten August Oetker hat das Landmann-Training zum Beispiel so überzeugt, dass er seinen Söhnen einen Kurs spendierte.

Schnell auswaschender Lerneffekt

Der Lerneffekt wäscht jedoch schnell aus. Die Landmann Trainer empfehlen daher regelmäßige Auffrischungskurse oder Programme für Fortgeschrittene. Bei denen lernen die Teilnehmer zum Beispiel, wie sie ein Abdrängen von der Fahrbahn abwehren: indem sie den Angreifer gezielt anrempeln und selbst von der Straße schubsen.

Eine Praxis, die sich nur mit den präparierten ramponierten Trainingsfahrzeugen üben lässt.

Für echte Könner bietet Landmann-Training auch Kurse auf der Nordschleife des Nürburgrings an. In der "Grünen Hölle" der alten Rennstrecke, so versichern die Veranstalter, herrschen extreme Straßenverhältnisse. Und für extremes Tempo garantieren die Ausbilder. Die wollen schon im nächsten Jahr ein eigenes Team ins 24-Stunden-Rennen auf den Nürburgring schicken.


Service

Basiskurs: "Risikominimierende Fahrerfortbildung" (auch für selbst fahrende Führungskräfte) auf der Fahrtechnik-Anlage Hunsrück (beim Flughafen Hahn/Kastellaun).

Dauer: Freitagabend bis Sonntag.

Teilnehmergebühr: 1334 Euro (inklusive Hotelunterkunft und Verpflegung).

Sonderseminar Nürburgring Nordschleife: Kursdauer ein Tag. Teilnehmergebühr: 1682 Euro.

Termine über: Landmann-Training, Bonner Talweg 68, 53113 Bonn; Tel.: 02 28/2 42 99 17.


Volkswagen und Mercedes bieten ebenfalls Cheffahrer-Trainings an. Ziel ist hier jedoch weniger das Proben eines Ernstfalls und die Abwehr krimineller Angriffe, sondern der Umgang mit den Luxuslimousinen der jeweiligen Marke. Informationen über: www.volkswagen-events.de  bzw. über www.mercedesbenz.de/fahrprogramme-pkw .

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