Montag, 22. April 2019

Anlagestrategie Die Geld-Lawine

2. Teil: "Inflation nicht die einzige Gefahr"

"Inflation ist nun mal nicht die einzige Gefahr für Anleger"

Die Geldpolitiker in den Industriestaaten scheint der Preisauftrieb indes kaum zu stören. Die Europäische Zentralbank macht keine Anstalten, die Leitzinsen anzuheben. Und Greenspan hat den Fed-Satz zwar marginal erhöht. Doch die von Analysten und Medien lautstark begleitete Zinswende dürfte die Geldmenge kaum reduzieren. Der Grund: Schuldenmachen ist so billig wie zuletzt in den 70er Jahren. Und damals stieg die Teuerungsrate auf mehr als 10 Prozent.

Sicher ist sicher: Portefeuille mit hohem Inflationsschutz
Greenspans laxe Geldpolitik der vergangenen Jahre könnte einen ähnlichen Schub auslösen, befürchten Pessimisten à la Leuschel - auch in Europa. "Inflationsraten um 5 Prozent sind durchaus wieder möglich", glaubt Markus Ross, Vorstand der Frankfurter Vermögensverwaltung Ceros.

Wie sollten Anleger sich auf die Rückkehr der Inflation einstellen? Ross hat ein Musterportfolio zusammengestellt, das den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung trägt.

Aktien und Anleihen machen nur 40 Prozent im Depot aus. Bei Dividendentiteln setzt der Geldmanager auf so genannte Value-Fonds, die in unterbewertete Firmen mit soliden Erträgen investieren. Auf der Anleihenseite empfiehlt Ross Papiere, die auf weitere Zinserhöhungen allenfalls mit geringen Kursverlusten reagieren. Das sind zum einen so genannte Absolute-Return-Fonds, die auch Unternehmensanleihen kaufen, die sich unabhängig vom Zinszyklus entwickeln. Die zweite Option sind Bonds, deren Zinscoupons mit der Inflationsrate steigen.

Das Schwergewicht im Depot sind mit einem 45-Prozent-Anteil so genannte alternative Investments. Das sind Anlagen, die unabhängig vom Auf und Ab an den Börsen stabile Erträge versprechen. Dazu zählen offene Immobilienfonds, deren Mieteinnahmen langfristig mit der Inflation steigen. Außerdem Hedgefonds, die auch in fallenden Märkten Gewinne erzielen können.

Zum Renditeturbo in Ross' Musterdepot könnten sich Rohstoffe entwickeln. Die rasant wachsende Nachfrage der neuen Wirtschaftsmacht China könnte die Preise für Öl und Metalle auf neue Höchststände katapultieren.

Dennoch empfiehlt Anlagestratege Ross, nicht mehr als 15 Prozent des Vermögens in dieses Segment zu investieren. Zu groß erscheint ihm die Gefahr, dass die fragile Finanzindustrie und eine überhitzte Konjunktur in der Volksrepublik die Rohstoffmärkte in schwere Turbulenzen stürzen könnten. "Inflation", warnt Ross, "ist nun mal nicht die einzige Gefahr für Anleger."

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