Freitag, 19. April 2019

Anlagerecht Tricks - ganz üble Tricks

Richter reagieren zunehmend allergisch, wenn Finanzdienstleister ein falsches Spiel mit ihren Kunden treiben. manager magazin sagt, mit welchen Tricks schwarze Schafe der Geldbranche die Anleger ausplündern.

Gewöhnliche Maßstäbe erscheinen für Anno August Jagdfeld (57) irgendwie unpassend. Der Kölner Bauunternehmer und Fondsinitiator fühlte sich wohl schon zu Höherem berufen, als er noch schlichte Einkaufszentren und öde Büroklötze hochzog. So richtig ausgeprägt ist das Gefühl für die eigene Einzigartigkeit aber erst, seit Jagdfeld das Berliner Nobelhotel "Adlon" auferstehen ließ und dem Ostseebad Heiligendamm seinen Glanz zurückgab.

Anno August Jagdfeld, Inhaber der Kölner Fundus-Fonds-Gruppe
Besucher empfängt der Chef der Fundus-Gruppe nun im Gehabe und Gewand englischer Landedelleute, kutschiert sie auf sein Gut Vorder Bollhagen, fabuliert über die Gemeinsamkeiten seines Hofes mit dem Ökobetrieb des britischen Thronfolgers Prinz Charles. Damit die Botschaft ankommt, raunen die Hofschranzen anschließend ergriffen, dass Jagdfeld nun ja auch als einziger Deutscher Mitglied der althergebrachten Baustilen huldigenden Building Society des Prince of Wales sei.

Die Noblesse, mit der sich der selbst ernannte Schöngeist umgibt, reicht allerdings nicht bis zu den Leuten, die seine baulichen Extravaganzen finanzierten. Investoren scheinen Jagdfeld eher lästig, und so lässt er im Umgang mit ihnen bisweilen Stil und Klasse vermissen, die er sonst für sich in Anspruch nimmt.

Offenbar denkt der Fundus-Chef in erster Linie an sich - auch wenn am Ende seine Anleger dafür bezahlen müssen. So torpedierte er vor gut zwei Jahren die Verhandlungen mit einem Münchener Assekuranzmakler, der die Gebäude der Fundus-Fonds für etwa 500.000 Euro pro Jahr günstiger versichern wollte als der Fundus-Hausversicherer.

Gescheitert ist der Handel, der für die Fonds eine erhebliche Kostenentlastung und für die Anleger bessere Renditechancen bedeutet hätte, an den eigenwilligen Geschäftsgrundsätzen des Fundus-Chefs. Jagdfeld, ständig auf der Suche nach frischem Geld zur Finanzierung neuer Projekte, machte die Neuausschreibung der Policen offenbar davon abhängig, dass sich die Versicherer für die lukrativen Abschlüsse mit Kapitalspritzen für verschiedene Fundus-Fonds revanchieren. Die Gegenseite lehnte dankend ab.

Der geplatzte Deal, dessen Umstände Jagdfeld wohl am liebsten unter der Decke gehalten hätte, mag zu den exotischeren Vorkommnissen im deutschen Geldgewerbe zählen. Nichtsdestotrotz sind heimliche Geschäfte auf Kosten der Anleger weit verbreitet. Mehr noch: Sie sind zu einem gewissen Grad sogar fundamentaler Bestandteil des Geschäftsmodells von Banken, Versicherern, Finanzvertrieben und Fondsanbietern.

© manager magazin 7/2004
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