Managergehälter "Zusatzlohn ohne Leistung"

Ernst&Young-Berater Jens Maßmann über falsche Anreize und neue Trends in der Vorstandsbezahlung
Von Jonas Hetzer und Ulric Papendick

mm:

Weltweit fahren viele Konzerne die Aktienoptionsprogramme für ihre Topmanager zurück. Hat der Börsenwert als Maßstab für die Bezahlung von Vorständen ausgedient?

Maßmann: Es ist in der Tat erstaunlich, dass auf einmal kaum noch jemand an Aktienoptionen als Form der Vorstandsvergütung glauben will. Eigentlich wären die Optionen gerade in Zeiten niedriger Kurse eine große Chance, Manager zu neuen Höchstleistungen anzuspornen.

mm: Warum dann jetzt der plötzliche Rückzieher?

Maßmann: Drei Jahre Baisse haben dafür gesorgt, dass viele Vorstände robustere Vergütungsinstrumente suchen. Die Wertschätzung von Aktienoptionen ist vergleichsweise gesunken. Das macht es für die Unternehmen sehr teuer, ein Optionsprogramm zu konstruieren, das die Spitzenmanager auch zufrieden stellt. Hinzu kommt noch, dass die Pakete nach den internationalen Bilanzierungsregeln künftig als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung zu verbuchen sind.

mm: Also geht die Ära der dicken Optionspakete zu Ende?

Maßmann: Die Struktur der Vorstandsvergütung wird sich stark verändern. Viele Optionsprogramme der Vergangenheit haben ihr Ziel, nämlich die Vorstände zu einer Steigerung des Firmenwerts anzuspornen, kaum erfüllt. Sie waren entweder so kompliziert, dass sie keiner verstanden hat. Oder sie haben den Führungskräften einen Zusatzlohn verschafft, ohne dass dies einer besonderen Managementleistung bedurfte. Neu aufgelegte Programme werden deshalb viel zielgerichteter ausgestaltet sein.

mm: Was heißt das konkret?

Maßmann: Optionen werden nicht mehr breit unter mehreren Führungsebenen gestreut, sondern auf das Topmanagement konzentriert. Außerdem wird die Ausübung der Scheine wesentlich stärker mit dem Erreichen bestimmter Kennzahlen verknüpft. Eine Alternative kann auch eine Kombination von Optionen und Aktienzuteilung sein. Generell geht der Trend dahin, Topmanager über Aktien stärker an ihrem Unternehmen zu beteiligen.

mm: Schön und gut, aber wie kann verhindert werden, dass auch die neuen Aktienzuteilungen an die Vorstände allzu üppig ausfallen?

Maßmann: Das geht nur mit wirklich unabhängigen und kompetenten Aufsichtsräten, die die Interessen der Aktionäre konsequent durchsetzen. In Großbritannien beispielsweise lassen viele Kontrolleure mittlerweile von externen Gutachtern prüfen, ob die Aktien- und Optionsprogramme des Vorstands angemessen sind.

Mehr lesen über