Samstag, 18. Januar 2020

Kreativ-Index 2004 Absolute Spitze

Deutschlands beste Werbeagentur des Jahres heißt Jung von Matt, Titelverteidiger Springer & Jacoby ist entthront. Richtige Freude will bei Jean-Remy von Matt aber nicht aufkommen: Die Werbekonjunktur ist immer noch flau.

Jean-Remy von Matt (51), einer von zwei Leitern der Hamburger Werbefirma Jung von Matt (JvM), wird in Momenten des Wohlbefindens stets von einem leichten, offenkundig aber nur der Bescheidenheit geschuldeten Wirrsinn ergriffen. Auch dieses Mal.

 Extrem gut gebaut: DDB wirbt mit kindlichem Witz für den VW Polo
DDB
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Der Vorstoß seiner Agentur an die Spitze des "manager-magazin-Kreativ-Index" (siehe "Ranking: Die Top-30-Agenturen"), hört man interessiert, sei "mehr Zufall als Absicht" und habe "weniger mit unserer Leistung zu tun als mit der Tatsache, dass es bei unseren Wettbewerbern einige Veränderungen gab".

Das ist einerseits ja gut und schön, andererseits aber auch ganz egal: Man ist halt so gut, wie es der Gegner gerade noch zulässt - und der zeigte in diesem Jahr einen gewissen Verschleiß der schöpferischen Kräfte.

Springer & Jacoby (S&J), seit geraumen Zeiten der Spitzenvertreter der gehobenen Werbeunterhaltung, gab den ersten Platz auffallend deutlich preis. Die S&J-Führungsequipe gesteht: "Der Zweite ist der erste Verlierer", jagt aber sogleich die Drohung in die Branchenluft, man beabsichtige nicht, "in Zukunft Verlierer zu sein".

Etwas durcheinander schüttelte es auch die folgenden Plätze: Aus dem Nichts auf den fünften Platz schoss die Agentur Kolle Rebbe; eine ähnliche Surprise gelang den bislang völlig unauffällig operierenden Kleinagenturen Atelier Markgraph und Nordpol auf den Plätzen sieben beziehungsweise neun.

 Kommt der Mensch nicht zur Kirche: Dann lässt Jung von Matt die Kirche zum Menschen kommen. Das aufblasbare Gotteshaus wurde an alltäglichen Orten aufgestellt. Dieses Jahr setzt sich Jung von Matt erstmals an die Spitze des mm-Rankings und heimste mit der Kampagne für die Evangelische Kirche unter anderem Gold beim Clio 2004 und Silber beim ADC Deutschland ein.  Hamburger der besonderen Art: Vorjahressieger Springer & Jacoby legen Brot aufs Brot und erreichen den zweiten Platz im mm-Kreativ-Index 2004. Mit der Kampagne für "Dat Backhus" gewann die Agentur unter anderem dreimal Gold in Cannes 2003.  Bitte brechen Sie jetzt: Mit der Kampagne "Fliegen zum Taxipreis" verteidigt Scholz & Friends den dritten Platz im mm-Ranking der kreativsten Werber. Mit der Kampagne für den Billigflieger Hapag-Lloyd Express gewann die Berliner Agentur neben anderen Preisen Silber beim ADC 2004 und Bronze beim Clio 2004.
 Unvergessliche Bilder: In dem von Ogilvy & Mather gestalteten Buch ist jedem der 75 Kurzbefehle für Word und QuarkXPress ein Bild zugeordnet, um dem Leser das Erinnern zu erleichtern. Mit "Mausetod" gewann die viertplazierte Frankfurter Agentur unter anderem Silber beim ADC Deutschland und einen Merit Award bei The One Show.  Information als Atemschutz: Zum Relaunch der "Frankfurter Rundschau" gestaltete Kolle Rebbe eine Kampagne. Die Agentur gewann damit unter anderem zweimal Silber und zweimal Bronze beim ADC Deutschland und war Finalist beim Clio. Im mm-Ranking sind die Hamburger Werber wieder auf Platz fünf zu finden, nachdem sie im Vorjahr auf Platz 27 abgerutscht waren.  Globalisiertes Gaming: Über das Internet können Playstation-Fans aus der ganzen Welt dank "Network Gaming" miteinander daddeln. Das illustrierte die Plakatkampagne von TBWA, die dafür beim ADC 2004 mit einem Nagel ausgezeichnet wurde. Die Düsseldorfer Agentur klettert im mm-Kreativ-Index vom zehnten auf den sechsten Platz.

Top-Kampagnen I: Bitte klicken Sie einfach
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Aus den Ergebnissen des aktuellen mm-Index lässt sich, wie jedes Jahr, auch ein therapeutischer Nutzwert ziehen: Schlechter zu werden ist überhaupt nicht schwer, solange man es selbst nicht mitkriegt. Und: Man ist selten so gut, wie man sich fühlt.

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© manager magazin 7/2004
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