Chrysler Crossfire Das Kraft-Ei

Sexy Sound, super Maschine, gelungenes Design - nur das Innenleben könnte besser sein, befindet Uwe Franke, einst Chef von Aral Deutschland und heute Vormann der Mutter Deutsche BP, über den Sportcoupé Chrysler Crossfire.

"Auf dieses Auto wird der Fahrer angesprochen", sagt Uwe Franke (55), als er den kirschroten Chrysler Crossfire auf dem Parkplatz der Aral-Firmenzentrale in Bochum entdeckt. Es ist Freitagabend, als Vorstandsvorsitzender des größten Mineralölkonzerns in Deutschland hat Franke eine anstrengende Woche hinter sich - und eine Testfahrt mit dem metallic lackierten Flitzer vor sich.

Das auffällige Sportcoupé ist genau der richtige Wagen für ein Fahrspaß-Wochenende. Der Crossfire setzt die Kampagne zur Markenprofilierung fort, die Chrysler mit dem Modell PT Cruiser begonnen hat - und soll der Daimler-Tochter zahlungskräftige, dynamische Kunden bringen.

In den Vereinigten Staaten hat das Konzept Erfolg: Dort verkauft sich der Crossfire als Kombination aus bewährter Mercedes-Technik (Antrieb, Fahrwerk und das gesamte Innenleben stammen von der unlängst ausgelaufenen SLK-Baureihe) und gewagtem US-Design mit Retro-Anklängen.

Tester Franke bewundert als Erstes den großen Kofferraum, der sich unter der schmalen Heckklappe auftut. Zwar hat das Gepäckabteil eine unregelmäßige Trichterform und ist somit für große Koffer nicht unbedingt geeignet.

Die Reisetasche des Managers, sein Aktenkoffer und der obligatorische Laptop kommen jedoch so problemlos unter, dass Franke sofort überschlägt: "Selbst das üppige Gepäck meiner Frau würde hier noch problemlos dazupassen." Die zwei Passagiere, resümiert er, für die der Sportwagen zugelassen ist, finden im Crossfire genug Platz.

Marken-Kombi: Der Chrysler Crossfire ist eine Verbindung aus bewährter Mercedes-Technik (Antrieb, Fahrwerk und das gesamte Innenleben stammen von der unlängst ausgelaufenen SLK-Baureihe) und gewagtem US-Design mit Retro-Anklängen.

Marken-Kombi: Der Chrysler Crossfire ist eine Verbindung aus bewährter Mercedes-Technik (Antrieb, Fahrwerk und das gesamte Innenleben stammen von der unlängst ausgelaufenen SLK-Baureihe) und gewagtem US-Design mit Retro-Anklängen.

Hoher Aufmerksamkeitswert: Die großen Räder und die breiten Reifen vom Concept Car dominieren das Profil - selbst wenn der Chrysler Crossfire nur auf dem Parkplatz steht.

Hoher Aufmerksamkeitswert: Die großen Räder und die breiten Reifen vom Concept Car dominieren das Profil - selbst wenn der Chrysler Crossfire nur auf dem Parkplatz steht.

Bullige Schnauze: Der Kühlergrill stellt das neue Gesicht der Marke Chrysler dar und präsentiert selbstbewusst das verchromte Chrysler-Flügelemblem (Wing Badge).

Bullige Schnauze: Der Kühlergrill stellt das neue Gesicht der Marke Chrysler dar und präsentiert selbstbewusst das verchromte Chrysler-Flügelemblem (Wing Badge).

Kraftmeier-Design: Den einen gefällt die markige Sportwagenform mit der langen Motorhaube und dem runden, schnittigen Coupé-Heck. Andere empfinden das Design des Chrysler Crossfire als überfrachtet.

Kraftmeier-Design: Den einen gefällt die markige Sportwagenform mit der langen Motorhaube und dem runden, schnittigen Coupé-Heck. Andere empfinden das Design des Chrysler Crossfire als überfrachtet.


Showroom "Chrysler Crossfire":
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Dann begutachtet Franke die Karosserie des neuen Chrysler. Er schmunzelt über die "Kiemen", also die großen Luftschlitze an der Flanke, über die dicken Chromeinfassungen etwa an der Frontscheibe und über die protzig-klobigen Doppel-Endrohre des Auspuffs: "Ganz schön dick aufgetragen", brummt der Hanseat.

Doch insgesamt findet er das Design gelungen. Vor allem die Kombination aus langer Sportwagenhaube und rundem Heck: Dadurch, sagt Uwe Franke, wirke der Crossfire "wie ein Kraft-Ei".

Satter Sound "klingt sexy"

Die Prognose des BP-Chefs über den Aufmerksamkeitswert des schillernden Testwagens bestätigt sich beim Stopp an einer Bochumer Aral-Großtankstelle. Franke hat gerade noch Zeit, sich beim Pächter nach dem Gang der Geschäfte zu erkundigen, schon ist er umringt von Neugierigen, die ihn nach technischen Details und nach dem Fahrgefühl des auffälligen Gefährts fragen. "Das muss ich jetzt alles rauskriegen", antwortet er lächelnd, bevor er sich hinters Steuer klemmt und den Crossfire durchs Autobahngewirr des Ruhrgebiets Richtung Hamburg lenkt.

Gut zwei Jahren lang, seit der Fusion der Aral- und BP-Tankstellenkette in Deutschland, pendelte Franke zwischen seiner Heimat Hamburg und dem Dienstsitz Bochum. So oft wie möglich mit dem Zug, aber häufig auch mit dem Auto. Auf dem Trip ins Wochenende oder zurück saß der Aral-Manager und jetzige Deutsche-BP-Chef dann selbst hinterm Steuer seines Dienstwagens, eines Audi A8.

Beim Fahren des Crossfire gefällt ihm am meisten der satte Sound des Sechs-Zylinder-Motors. Den haben die Chrysler-Ingenieure deutlich angefettet im Vergleich zu den braven Mercedes-Limousinen und Coupés, in die die Maschine normalerweise eingebaut wird. "Klingt sexy", sagt Franke und tritt aufs Gas.

Bei Tempo 220, findet er, spurt der Crossfire noch immer ruhig und souverän auf der Autobahn. Schnelle Spurwechsel verzeiht er rasch, die Lenkung bleibt stabil, die Dämpfung, so Franke, sei straff. Allerdings auch die Federung - was in Kombination mit den einfachen Sportsitzen zu einer spürbaren Belastung im Rücken führt. "Hier macht sich das Fehlen einer Lordosestütze bemerkbar", stellt der Manager sachkundig fest.

Satter Sound: Den Klang des Sechs-Zylinder-Motors haben die Chrysler-Ingenieure deutlich angefettet im Vergleich zu den braven Mercedes-Limousinen und -Coupés, in welche in die Maschine normalerweise eingebaut wird.

Satter Sound: Den Klang des Sechs-Zylinder-Motors haben die Chrysler-Ingenieure deutlich angefettet im Vergleich zu den braven Mercedes-Limousinen und -Coupés, in welche in die Maschine normalerweise eingebaut wird.

Nicht gerade edel: Die Mittelkonsole des Crossfire ist mit metallisch glänzendem Plastik verkleidet.

Nicht gerade edel: Die Mittelkonsole des Crossfire ist mit metallisch glänzendem Plastik verkleidet.

Foto: Manfred Witt


Showroom "Chrysler Crossfire":
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Auch die Innenausstattung schneidet bei Frankes Testfahrt weniger gut ab. "Die wirkt billig", befindet er barsch. Die Plastikverkleidungen und einfachen Schalter passten zwar zu dem günstigen Preisniveau des Sportwagens. Doch er wünscht sich edle Gestaltungsextras wie Holz und mehr Leder gegen Aufpreis - was Chrysler derzeit nicht vorsieht.

Beim Auftanken am Ende der "Testfahrt ins Wochenende" zieht Marketingspezialist Franke dennoch eine positive Bilanz. "Der Crossfire könnte ein postmoderner Klassiker werden", sagt er: "Eine markante, eigenwillige Form plus bewährte Technik. Mir fällt nichts ein, was an diesem Konzept falsch sein könnte."

Das erzählt Franke prompt auch allen Neugierigen, die ihn an der Zapfsäule abermals auf den Sportwagen ansprechen. "Hab ich's nicht gesagt?" fragt er lachend, "die Fahrer dieses Kraft-Eis bleiben nirgends lange allein."

Direktimport aus Las Vegas?

manager-magazin Fazit: Direktimport aus Las Vegas?

Allein durch sein Äußeres könnte der Crossfire zu einer Ikone des US-Sportwagenbaus werden - etwa in der Tradition des Ford Mustang.

Und damit auch ein Zeichen von gutem wie von schlechtem Geschmack: Den einen gefällt die markige Sportwagenform mit der langen Motorhaube und dem runden, schnittigen Coupé-Heck. Andere empfinden das Kraftmeier-Design als überfrachtet - was durch die Lackfarbtöne und durch stark glitzernde Metalliceffekte zusätzlich verstärkt wird. Der kirschrote mm-Testwagen sah jedenfalls aus wie ein Direktimport aus Las Vegas.

Wer drinnen sitzt, bekommt von der Außenwelt wenig mit. Die schmalen Scheiben sind eher Sehschlitze; als Wartender unter einer hoch hängenden Ampel wird der Fahrer zu absurden Verrenkungen gezwungen.

Solider als im Mustang ist jedoch die Technik: In Chryslers neuem Sportwagen tun bewährte Mercedes-Teile aus dem gerade erst ausgelaufenen SLK-Modell Dienst. Etwa (gegen Aufpreis) die komfortable Fünf-Gang-Automatik - ein Zugeständnis an den amerikanischen Publikumsgeschmack.

Die Sechs-Zylinder-Maschine liefert hinreichend Leistung und respektable Fahrleistungen - doch keinen spektakulären Antritt.

Wer sich in den schwäbischen Limousinen- und Coupé-Modellen der späten 90er Jahre auskennt, der kann auch einen nagelneuen Crossfire blind bedienen: Dieselben Schalter sitzen an denselben Stellen.

Allerdings fehlen Ablageflächen: Selbst eine flache Aktentasche muss mühsam von außen im Kofferraum verstaut werden; ein Durchreichen aus dem Cockpit des Zweisitzers ist nicht möglich. Und beim Schließen klingt die Heckklappe dann nicht etwa satt und solide, sondern schäbig und billig.


Technik: Zweisitziges, heckgetriebenes Sportcoupé mit V-Sechs-Zylinder-Motor; 160 kW/218 PS aus 3199 ccm; Sechs-Gang-Getriebe.

Fahrwerte: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,9 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.

Verbrauch: 10,4 Liter/100 km (EU-Norm: 7,6 bis 15,4 Liter Superplus).

Grundpreis: 37.200 Euro.

Serienausstattung (Auswahl): ESP, Tempomat, Bordcomputer, elektronischer Bremsassistent, Klimaanlage, Lederausstattung, Leichtmetallräder, Xenonlicht, Sitzheizung.

Sonderausstattung: Metalliclackierung (480 Euro); Fünf-Gang-Automatik (1400 Euro), Navigator (1550 Euro).

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