Samstag, 25. Mai 2019

Uhr-Manufakturen Unruh-Stifter

5. Teil: Die Kehrseite der Medaille

Hier heuerte Halter bei der hoch renommierten THA (Techniques Horlogères Appliqués) an. Wenige Jahre darauf eröffnete er sein eigenes Atelier, benannt nach dem Uhrmacher des Franzosen-Königs Ludwig XVI., Janvier. Seitdem eilt er von Erfolg zu Erfolg.

 Dynamisch: Das Zentral-Tourbillon ...
Ralf Baumgarten
Dynamisch: Das Zentral-Tourbillon ...
Der bleibt einem anderen Akademiekollegen derzeit versagt. Franck Muller, Jahrgang 1958, in der Bruderschaft groß geworden und schnell zum Uhrmacher der Schönen und Reichen in aller Welt avanciert, produziert momentan vor allem negative Schlagzeilen und seltsame Gerüchte.

Seit ihn sein Kompagnon Vartan Sirmakes im November vergangenen Jahres - angeblich - aus der gemeinsamen Manufaktur Watchland im Genfer Vorort Genthod hinausgedrängt hat, überziehen sich beide mit Gerichtsverfahren und Beschuldigungen in den eidgenössischen Medien.

Zum Ungemach der gesamten Uhrenbranche. Denn es geht in dem Streit nicht nur um Eigentumsrechte am Unternehmen, sondern - angeblich - auch um Schwarzproduktion oder gar Fälschung kostbarer Uhren. Gift für den Ruf der guten Schweizer Werke.

... des Schweizers Beat Haldimann
Ralf Baumgarten
... des Schweizers Beat Haldimann
Und so hat sich ein ganz Großer der Branche, Jean-Claude Biver, Vorstandsmann der Swatch-Gruppe und ehedem Blancpain-Chef, eine Auszeit im Unternehmen genommen, um seinem alten Freund Franck Muller wieder auf die Beine zu helfen. Ohne Hintergedanken, wie Swatch-Chef Nick Hayek versichert, schon gar nicht der Beginn einer freundlichen Übernahme von Watchland.

Schnelle Karriere, großes Geld, Ruhm und Ehre, aber auch Neid und Missgunst - das alles kann einem blühen als Uhrmacher der Akademie. Der Verlockungen harren viele auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten, und das Glücksrad dreht sich im Stundentakt, wer wüsste das besser als der Horologe.

Man muss widerstehen können, weiß Volker Vyskocil aus Kaldenkirchen.

"Ganz gefährlich", sagt er, "ist es, als Deutscher auf den deutschen Uhrenbau zu verfallen, wie er im sächsischen Glashütte praktiziert wird." Immer wieder glichen seine ersten Entwürfe dem großen Vorbild aus Sachsen, erzählt er.

Es folgten schlaflose Nächte, hirnmarterndes Ringen. "Erst nach drei Monaten Kampf habe ich mich davon getrennt. Schließlich wollte ich kein Plagiat bauen."

Eineinhalb Jahre hat ihn die Entwicklung der "V-30/45-01-A" gekostet, sein Auto hat er aufgegeben, sich eingeschränkt, wo nur möglich, ein Opfergang für eine Uhr.

Seine Partnerin weiß so viel Leidenschaft zu schätzen: "Jedes Mal, wenn ich ihn küsse", bekennt sie in einer Liebeserklärung, "beginnt hinter seinem geistigen Auge eine kleine Feder zu schwingen."

© manager magazin 6/2004
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