Aktien Wertewandel im Depot

Den Börsen schwinden die Auftriebskräfte. Vorsicht ist angesagt. manager magazin erklärt, welche Titel eine stabile Wertentwicklung versprechen.

Erinnern Sie sich an Robert Shiller? Genau, jener Professor, der Anfang 2000 gerade rechtzeitig zum Platzen der Aktienblase ein Buch mit dem Titel "Irrationaler Überschwang" geschrieben und damit den Börsenblues der Jahrtausendwende vorweggenommen hatte.

Mittlerweile ist es ein wenig still geworden um den Hochschullehrer - nachdem die Kurse im vergangenen März in eine Einbahnstraße nach oben eingebogen sind. Seither haben die Bluechips des EuroStoxx 50  um über 50 Prozent zugelegt, der Dow Jones  verbesserte sich um mehr als 30 Prozent, die US-Technologiebörse Nasdaq  schaffte rund 50 Prozent. Und die Kurse der im MDax  versammelten deutschen Midcaps schossen gar um über 90 Prozent nach oben.

Ausgerechnet jetzt gefällt sich Shiller wieder in seiner Rolle als Kassandra: "Die Leute schätzen das Risiko fallender Kurse im Moment als vernachlässigbar ein." Gut möglich, dass der Wirtschaftsforscher, für den steigender Optimismus stets ein Alarmsignal gewesen ist, mit seiner Skepsis erneut Recht behält.

Die Anzeichen, dass die Auftriebskräfte der vergangenen Monate nachlassen, mehren sich jedenfalls.

In Europa korrigieren Volkswirte ihre Wachstumsprognosen bereits nach unten. In den USA laufen die Steueranreize aus, mit denen Präsident Bush die Kapitalmärkte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erfolgreich reanimierte.

Zeit für Vorsicht

Es wird offenbar Zeit, ein wenig vorsichtiger zu werden an den Börsen und sich auf Werte zu konzentrieren, die während der Aufholjagd des vergangenen Jahres etwas in Vergessenheit gerieten: solide Bluechips mit konstanter Gewinnentwicklung und stabilen Dividenden.

"Wer jetzt einsteigen will, sollte sich an Konzerne mit robusten und von wirtschaftlichen Schwankungen weitgehend unabhängigen Geschäftsmodellen halten", sagt der Vermögensverwalter Georg Thilenius: "Solche Firmen finden sich vor allem im Gesundheitssektor und in der Konsumgüterindustrie."

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Charts: L'Oréal, Essilor, Altana und Nivea
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Sicherheit spielt beim Anlagekalkül des Stuttgarter Finanzprofis eine wichtige Rolle. Das Management müsse erfahren und eingespielt, die Produktpalette hochwertig, die Marken müssten stark und ausbaufähig sein. Firmen, die diesen Ansprüchen genügten, schnitten in Wirtschaftsflauten meist deutlich besser ab als konjunktursensible Maschinenbauer oder Hightech-Anbieter.

Entscheidend für die Aktienauswahl ist aber ein anderer Faktor: Thilenius sucht nach Firmen, die es zehn Jahre oder länger geschafft haben, ihre Gewinne jährlich im Schnitt um 15 bis 20 Prozent zu steigern.

"Stabile Ertragssteigerungen wurden in der Vergangenheit meist auch durch eine stabile Kursentwicklung belohnt", sagt der Vermögensverwalter: "Und sie bieten einen guten Indikator für die künftige Performance des Unternehmens."

Fünf Aktien hat Thilenius aus Europas Vorzeigekonzernen für manager magazin herausgefiltert:

  • das zum Einflussbereich der Quandt-Familie gehörende Pharmaunternehmen Altana ,


  • den Nivea-Konzern Beiersdorf ,


  • den Brillen- und Kontaktlinsen-Spezialisten Essilor ,


  • das französische Schönheitsimperium L'Oréal  sowie


  • den Schweizer Nahrungsmittel-Multi Nestlé .

Defensive Auswahl

Die Leistungsbilanz dieser Auswahl ist beeindruckend. Seit 1993 steigerte selbst das schwächste Mitglied des Quintetts, Nestlé, seinen Gewinn je Aktie um 110 Prozent. Star-Performer Altana schaffte in der gleichen Zeit 690 Prozent.

Kontinuität und Stärke: Welche Aktien der Vermögensverwalter Georg Thilenius jetzt empfiehlt
Unternehmen Branche ISIN* KGV** Kurs***
Altana (D) Chemie/Pharma (Kurswerte anzeigen) 18,4 49,43
Beiersdorf (D) Konsumgüter (Kurswerte anzeigen) 24,5 96,05
Essilor (F) Optik (Kurswerte anzeigen) 25,0 53,65
L'Oréal (F) Konsumgüter (Kurswerte anzeigen) 26,1 65,65
Nestlé (CH) Nahrungsmittel (Kurswerte anzeigen) 19,5 220
* Internationale Wertpapierkennung; ** Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für 2004 geschätzten Gewinne; *** in Euro.
Stand: 30.06.2004 Quelle: Thomson Financial, Datastream

Die Börse hat diese Dynamik ordentlich honoriert. Seit Anfang 1993 kletterte der Nestlé-Kurs trotz zwischenzeitlicher Börsenkrisen um rund 225 Prozent, das Altana-Papier legte um atemberaubende 630 Prozent zu. Und es spricht einiges dafür, dass sich die Erfolgsgeschichten noch eine Weile fortsetzen lassen.

Bei Altana etwa trieb Konzernlenker Nikolaus Schweickart das Wachstum des Pharmaspezialisten bislang vor allem mit seinem einzigen Megaseller voran, dem Magenmittel Pantoprazol. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Zwei Asthmapräparate hat das Unternehmen in der Pipeline - beiden geben Analysten gute Chancen, die Blockbuster-Grenze von einer Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr zu durchbrechen.

Eines aber müssen sich Anleger klar machen: Schnelles Geld ist mit diesen konservativen und defensiven Titeln kaum zu machen. Sie verlieren zwar in Abschwungphasen deutlich weniger als etwa schwankungsanfällige Chiphersteller. Gleichzeitig aber reagieren sie deutlich behäbiger, wenn die Börse nach dem Ende einer Baisse wieder anspringt.

Wer mit soliden und weniger riskanten Unternehmen Geld verdienen will, braucht zwei Dinge: Geduld und Durchhaltevermögen.

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