Finanzplanung Wollen Sie bis 80 arbeiten?

Altersvorsorge: Vom drohenden Kollaps des staatlichen Rentensystems sind besonders die Leistungsträger betroffen. Wer heute gut verdient, sollte sich schleunigst um die Finanzierung seines Ruhestands kümmern. manager magazin zeigt, wie Sie planen müssen.
Von Jonas Hetzer, Dietmar Palan und Ulric Papendick

Rein statistisch gesehen, sind wir im Alter alle pleite. Deshalb verschwendet Dirk Herbert, diplomierter Mathematiker, auch gar keine Zeit damit, Kreuzfahrtpläne zu schmieden oder Rosenzuchtratgeber zu lesen.

"Ich werde noch mit 70 oder 75 arbeiten - und wenn es sein muss, weit darüber hinaus", sagt der 45-jährige Unternehmensberater: "Die staatliche Rentenkasse ist leer, und ein Vermögen für den Ruhestand zusammenzusparen, wiegt mich nur in falscher Sicherheit."

Der Mann vertraut allein auf sich selbst. Seine düstere Vision entspringt dem nüchternen Kalkül eines an mathematischen Modellen geschulten Gehirns. "Jede Form der Altersvorsorge", fürchtet er, "ist zum Scheitern verurteilt, weil sich das Verhältnis von Berufstätigen zu Rentnern in den nächsten Jahrzehnten dramatisch ändern wird. Die Umverteilung durch den Staat funktioniert nicht mehr, weil zu wenige junge Leute da sind, um die Alten zu finanzieren."

Aber auch Aktien, Lebensversicherungen oder Immobilien spielen in Herberts Gedankenwelt keine Rolle. Er sieht die Märkte kollabieren, wenn die Masse der künftigen Rentner ihr angespartes Kapital in 30 Jahren versilbern will.

War dies die Begegnung mit einem einsamen Fatalisten? Oder behält der Mann am Ende Recht? Müssen die heute 30- bis 50-Jährigen wirklich arbeiten bis zum Umfallen?

So grausam es klingen mag: Etliches spricht dafür. Vor allem die rapide alternde Bevölkerung. Im Jahr 2050, so hat das Statistische Bundesamt errechnet, wird jeder Dritte in Deutschland über 60 Jahre alt sein. Während heute auf 100 Personen im so genannten erwerbsfähigen Alter (20 bis 59) noch 44 Rentner kommen, werden es dann 78 sein.

Einen derart radikalen Wandel kann ein Rentensystem, das davon lebt, dass die Jungen für die Alten zahlen, kaum bewältigen.

Die Konsequenz: Die Generation der Babyboomer, die ab 2020 ihre Arbeitsplätze räumt, wird nicht nur erheblich weniger Rente bekommen, sondern auch deutlich länger arbeiten müssen. Schon für einen Durchschnittsverdiener, der sein gesamtes Arbeitsleben in die Rentenkasse eingezahlt hat, sinkt das staatliche Altersgeld von heute 70 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens auf voraussichtlich gerade einmal 53 Prozent im Jahr 2040 - und das gibt es nicht wie heute mit Anfang 60, sondern frühestens mit 65.

Das Ergebnis der neuen Rentenpolitik

Noch härter trifft es die Leistungsträger, die schon wegen ihrer Studienzeiten in der Regel weniger in die Rentenkasse einzahlen. Wer 100.000 Euro und mehr im Jahr verdient, kann in Zukunft noch mit maximal 40 Prozent dessen rechnen, was er während seines Arbeitslebens verdient hatte.

manager magazin hat unabhängige Finanzfachleute gebeten, Wege aus der Rentenfalle zu suchen. Sie sollten aufzeigen, wie Gutverdienende ihren Lebensstandard im Alter sichern können, ohne bis zur Schmerzgrenze am Schreibtisch auszuharren.

Die Experten analysierten die Situation von Angestellten und Selbstständigen zwischen Anfang 30 und Anfang 50 in völlig unterschiedlichen Lebenslagen.

Fünf Modelle für jede Lebenslage

Am leichtesten hatten sie es bei Werner Huber (44) aus München. Der Mann hatte schon an alles gedacht. Nach der Geburt seiner ersten Tochter vor zehn Jahren wollte der Lebensmittelingenieur nichts mehr dem Zufall überlassen. Als Erstes sicherte der leitende Angestellte eines großen Markenartiklers die wichtigsten Risiken ab. Eine Berufsunfähigkeitspolice und eine Risikolebensversicherung sorgen dafür, dass die Familie finanziell über die Runden kommt, sollte Huber etwas zustoßen.

Das vor einigen Jahren gekaufte Haus am Stadtrand von München hat er mit so viel Spielraum finanziert, dass genügend Geld übrig bleibt, um mit international ausgerichteten Aktienfonds weiter Kapital anzusammeln. Trotz zwischenzeitlicher Kursverluste hat Huber ein ausreichend großes Polster angespart, um aller Voraussicht nach mit 60 aufhören zu können.

"Ein versierter Anleger, der die richtigen Fragen stellt", lobt Tom Friess, Chef des Münchener Finanzberaters VZ Vermögenszentrum, der für manager magazin die Situation der Familie Huber analysierte.

Blüm: "Die Renten sind sischä"

Der Regelfall ist das nicht. Die wenigsten gehen derart zielsicher mit ihrem Geld für das Alter um. Zwei Drittel der Deutschen wollen ihren Lebensabend aus der staatlichen Rente finanzieren, das ergab eine aktuelle Umfrage der Allensbach-Meinungsforscher. Dabei wissen 94 Prozent der Befragten nicht, wie hoch - oder besser gesagt wie niedrig - ihre gesetzlichen Altersbezüge ausfallen werden.

Kein Wunder angesichts einer Rentenpolitik, die vor allem Verwirrung stiftet. Erst behauptete die Regierung über Jahre hinweg, die Renten seien "sischä" (O-Ton Norbert Blüm) - um dann nach einer halbherzigen Reform den Bürgern eine ebenso komplizierte wie unattraktive private "Riester-Rente" anzudienen. Ein Produkt, das nach den Erfahrungen von Peter Hanus (56), Vorstandssprecher des Hamburger Versicherers Neue Leben, ein "totaler Reinfall" ist - sprich: nahezu unverkäuflich.

"Die Politik bevormundet die Bürger, anstatt ihnen selbst die Wahl und Ausgestaltung ihrer privaten Vorsorge zu überlassen", klagt Claus-Michael Dill (50), Deutschland-Chef des Versicherungskonzerns Axa. Statt die Förderung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge radikal zu vereinfachen, verfolge die Bundesregierung "den Ansatz einer völligen Überregulierung".

Schlimmer noch, die Regierenden, gleich welcher Couleur, sorgen noch nicht einmal dafür, dass das nötige Basiswissen für den Aufbau einer Altersvorsorge verbreitet wird. Die Schulen ignorieren das Thema nahezu flächendeckend.

Die Folge: Selbst der Umgang mit elementaren Formen der Geldanlage ist vielen Bundesbürgern fremd. Aktionäre, so das Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Commerzbank-Studie, gelten als Zocker. Wer sich intensiv mit Geld beschäftigt, wird als oberflächlich und moralisch fragwürdig verachtet.

"Die benötigten Summen sind enorm"

"Die Deutschen", konstatiert der Mannheimer Wirtschaftsprofessor Axel Börsch-Supan, "sind finanzielle Analphabeten." Und das gilt nicht nur für die breite Masse: "Gerade diejenigen, die gut verdienen, nehmen sich in der Regel zu wenig Zeit für ihre privaten Geldangelegenheiten", sagt Finanzplaner Friess.

Detlef Sieverdingbeck (36) etwa. "Wir wollten erst einmal einen gewissen Lebensstandard erreichen", sagt der ehemalige Journalist, der heute in der Unternehmenskommunikation eines bayerischen Industriekonzerns arbeitet. Urlaub, Auto, Wohnungseinrichtung, die Babyausstattung für die Zwillinge. "Für mich", sagt Sieverdingbeck, "hat das Thema Rente immer nur eine Nebenrolle gespielt."

Verständlich - und doch zeigt die Analyse des Düsseldorfer Finanzplaners Markus Becker, wie schnell sich gewaltige Lücken in der Alterssicherung auftun. "Wichtige Risiken wie eine mögliche Berufsunfähigkeit des allein verdienenden Familienvaters sind nicht ausreichend abgesichert", warnt Becker.

Die bisherige Vorsorge reicht zudem bei weitem nicht aus. Sieverdingbeck käme im Alter auf höchstens 50 Prozent seines jetzigen Einkommens. 75 Prozent bräuchte er, um seinen Lebensstandard einigermaßen halten zu können.

"Die benötigten Summen sind bei vielen in der Tat enorm", sagt Becker, Vorstand der Düsseldorfer Finanzplanungsgesellschaft Mercurion. Das zeigt ein einfaches Beispiel: Um wenigstens 70 Prozent des Nettoarbeitseinkommens zu sichern (das heutige Rentenniveau), muss ein Anfang 30-Jähriger nach Berechnungen des Essener Finanzwissenschaftlers Reinhold Schnabel mehr als 10 Prozent seines Bruttoeinkommens für den Ruhestand sparen. In Zahlen ausgedrückt: Wer 100.000 Euro brutto im Jahr verdient, müsste jeden Monat 850 Euro zurückzulegen - und zwar ab sofort.

Nur jeder Siebte setzt noch auf den Staat

Der neue Porsche, die größere Wohnung oder der Shoppingtrip nach New York sind dann plötzlich nicht mehr drin - das schreckt ab. "Altersvorsorge ist ein echtes Antiprodukt", beschreibt Jochen Sturtzkopf, Vorstand des Hamburger Finanzdienstleisters Loyas, seine Erfahrungen, "Konsumverzicht wollen viele nicht hinnehmen."

An mangelnder Einsicht liegt das nicht. Nur noch jeder siebte Bundesbürger zwischen 25 und 40 rechnet mit einer zufrieden stellenden staatlichen Rente, hat die Allianz Lebensversicherung unlängst in einer Umfrage herausgefunden. "Das Bewusstsein, dass sich jeder selbst um seine Altersvorsorge kümmern muss, wächst", sagt Allianz-Leben-Chef Gerhard Rupprecht.

So viel hat Jan Schröder, Experte für die Finanzbranche bei einer Unternehmensberatung in Wiesbaden, jedenfalls verstanden. "Ich rechne mit einer Rente in Höhe des Sozialhilfesatzes", fasst der 31-Jährige seine eher nüchterne Erwartungshaltung zusammen. Obwohl erst seit drei Jahren im Job, legt Schröder bereits heute rund 15 Prozent seines Nettoeinkommens an - hauptsächlich in fondsgebundenen Lebensversicherungen.

Ob das reicht, weiß der studierte Politikwissenschaftler nicht. Schröders Dilemma gleicht dem der meisten Deutschen: Obwohl die Bereitschaft und die finanziellen Möglichkeiten zur eigenständigen Vorsorge da sind, fehlt vielen ein schlüssiges Gesamtkonzept. Man kauft hier ein paar Aktien, schließt dort eine Lebensversicherung oder ein Steuersparmodell ab und hofft, dass es irgendwie so hinkommt.

"Dass die verschiedenen Formen der Vorsorge oft überhaupt nicht zusammenpassen, wird dabei völlig vernachlässigt", sagt Mercurion-Vorstand Becker. Gerade Spitzenverdienern empfehlen Anlageexperten deshalb eine detaillierte Finanzplanung.

Wege aus der Rentenfalle

Dazu gehört die Bestandsaufnahme aller Verbindlichkeiten und Vermögenspositionen, aller Einnahmen und Ausgaben sowie eine Analyse der persönlichen Ziele für den Ruhestand. Die einzelnen Bausteine des Vermögensaufbaus müssen aufeinander abgestimmt werden.

Dazu gehört auch, sich so gut wie möglich gegen das Risiko abzusichern, dass Börsenkurse und Immobilienpreise einbrechen. Denn nach 2030 könnte die ältere Generation ihr angespartes Vermögen abstoßen, um die Rente zu finanzieren. Vor allem auf den Aktienmärkten berge dieser Verkaufsdruck die Gefahr eines regelrechten "Asset Meltdown" (Vermögensschmelze), fürchten Experten. Mit global investierenden Aktienfonds, die ihr Kapital unter anderem in Schwellenmärkten wie Asien oder Osteuropa investieren, kann die Gefahr eines solchen Kurseinbruchs abgefangen werden.

Das Kalkül hinter dieser Strategie: In Ländern wie China oder Indien wird die demografische Struktur auch in einigen Jahrzehnten deutlich gesünder sein als in den stark alternden heutigen Industrienationen. Das dürfte den Effekt einer Vermögensschmelze bereits deutlich abmildern.

Alles schön und gut, bloß: Eine derart umfassende Beratung bietet hier zu Lande kaum jemand an. Banker und Versicherungsvertreter funktionieren meist im Gleichschritt mit den von der Zentrale vorgegebenen Verkaufszielen. Sie haben weder die Zeit noch die nötige Unabhängigkeit für eine gründliche Beratung.

Für Spitzenverdiener und Vermögende kann sich deshalb die Investition in einen professionellen Finanzplaner lohnen. Gegen Honorar erstellt er seinen Kunden erst einmal ein ausführliches Konzept - im zweiten Schritt stellt er ihnen dann die nötigen Produkte zusammen.

Im Idealfall läuft es so wie bei Michael Weigert. Der Kreativchef der Hamburger Werbeagentur Weigert Pirouz Wolf hat zwar ein ausgezeichnetes Gespür für flotte Sprüche. Die preisgekrönte Ikea-Werbung "Wohnst du noch oder lebst du schon?" war unter anderem Weigerts Idee. "In Gelddingen aber", gibt der Marketingprofi freimütig zu, "fehlt mir der grüne Daumen."

Entsprechende Mühe hatte Weigerts Finanzberater Jochen Sturtzkopf, den Werber vom Kauf einer Eigentumswohnung in der Hamburger City abzuhalten. "Finanziell wäre das kein Problem gewesen, es hätte aber überhaupt nicht zu seiner Lebensplanung gepasst", sagt Sturtzkopf. Die Wohnung mitten in der Stadt, mit einem winzigen Garten, wäre Weigert bald zu klein geworden. Sturtzkopfs Rat: Weiter zur Miete wohnen und auf bessere Gelegenheiten warten.

Genau das hat Weigert schließlich gemacht. Heute baut der Familienvater ein Haus am Hamburger Stadtrand - und finanziert es so, dass genügend Kapital bleibt, um fürs Alter vorzusorgen. Seinem Ziel, sich mit Mitte 50 aus der Führung seiner Werbeagentur zu verabschieden, ist Weigert damit ein gutes Stück näher gekommen.

Wenigstens einer, der der Rentenfalle entkommen ist.

Typ 1 - Das Vermögen optimieren

Das Vermögen optimieren

Typ 1: Leitender Angestellter, Mitte 40, Jahreseinkommen rund 150.000 Euro

Fall: Werner Huber (44) aus München arbeitet als Projektkoordinator bei einem internationalen Markenartikelkonzern. Der verheiratete Familienvater (drei Kinder im Alter von sechs bis zehn) kümmert sich seit etwa zehn Jahren intensiv um das Thema Altersvorsorge. Den überwiegenden Teil des Familienvermögens hat er in Aktienfonds investiert. Das vor zwei Jahren erworbene Haus in einem Münchener Vorort wurde größtenteils kreditfinanziert. Huber möchte mit 60 aus dem Berufsleben ausscheiden können.

Analyse: Alle wichtigen Risiken (Berufsunfähigkeit, Todesfall) sind abgesichert. Auch für die Kinder hat Huber Aktiensparpläne angelegt. Das vor kurzem gekaufte Haus führt zwar zu einer relativ hohen Verschuldung, die jedoch gut aus dem monatlichen Familien-Nettoeinkommen von rund 8000 Euro bedient werden kann. Da die Hypothekenzinsen unterschiedlich lange festgeschrieben sind, bleibt genug Flexibilität für vorzeitige Tilgungen. Die internationalen Aktienfonds sorgen für eine gute Risikostreuung. "Eine vorbildliche Vorsorge", sagt Tom Friess vom VZ Vermögenszentrum in München.

Empfehlung: Huber sollte wie bisher monatlich rund 1000 Euro für die private Altersvorsorge in Aktienfonds investieren, jedoch die Mischung durch Anlagen in künftigen Wachstumsregionen wie Asien verbessern. In den nächsten Jahren sollten Teile des Kapitals in sichere Anlageformen (zum Beispiel festverzinsliche) umgeschichtet werden.

Typ 2 - Sparen statt konsumieren

Sparen statt konsumieren

Typ 2: Angestellter, Mitte 30, Jahreseinkommen um die 100.000 Euro

Fall: Detlef Sieverdingbeck (36) wohnt mit seiner Frau und den vierjährigen Zwillingen in einem gemieteten Einfamilienhaus in der Nähe von Schweinfurt. Der ehemalige Journalist arbeitet in der Kommunikationsabteilung eines Industriekonzerns. Bislang gibt die Familie das Einkommen von rund 4000 Euro für Lebenshaltung, Miete, Urlaub et cetera aus. Sieverdingbeck möchte finanziell in der Lage sein, mit 60 aus dem Job auszuscheiden, und ist auch bereit, etwas dafür zu tun.

Analyse: Als Journalist hatte Detlef Sieverdingbeck eine Versicherung über das berufsständische Versorgungswerk abgeschlossen, die er mit rund 260 Euro im Monat weiterführt. In der Police ist ein Schutz gegen Berufsunfähigkeit (BU) enthalten. Zusätzlich fließen 200 Euro im Monat in verschiedene Sparverträge.

Empfehlung: Um die wichtigsten Risiken abzufangen und den Lebensstandard im Alter zu sichern, müssen sich die Sieverdingbecks einschränken, sagt der Düsseldorfer Finanzplaner Markus Becker von Mercurion. Der Schutz gegen BU und Todesfall reicht nicht aus, die bestehenden Versicherungen müssen erweitert werden. Kostenpunkt: rund 300 Euro monatlich. Ungefähr die gleiche Summe sollte darüber hinaus fürs Alter angelegt werden, je zur Hälfte in Festverzinsliche und Aktienfonds. Konsequenz: Die Familie müsste fast ein Viertel ihres verfügbaren Einkommens für Versicherung und Vorsorge aufwenden.

Typ 3 - Finanzpolster anlegen

Finanzpolster anlegen

Typ 3: Berufseinsteiger, Anfang 30, Jahreseinkommen bis 50.000 Euro

Fall: Jan Schröder arbeitet als Analyst für die Finanzbranche bei einer Unternehmensberatung in Wiesbaden. Der 31-Jährige verdient brutto gut 40.000 Euro im Jahr, ist ledig, hat keine Kinder und wohnt zurzeit in einer Mietwohnung. Obwohl erst wenige Jahre im Job, ist ihm das Thema Altersvorsorge sehr wichtig. Schröder legt rund 15 Prozent seines Nettogehalts für später zurück. In einigen Jahren will er eine Wohnung kaufen, in der er auch im Alter wohnen möchte.

Analyse: Schröder tut fast zu viel des Guten. Er spart jeden Monat so viel fürs Alter, dass er nahezu keine kurzfristigen finanziellen Reserven hat. Den Schutz gegen Berufsunfähigkeit (BU) hat er zudem mit einer Fondspolice gekoppelt - eine wenig flexible Variante.

Empfehlung: Schröder sollte erst einmal ein Polster für eventuell nötige Anschaffungen aufbauen, rät Jo Wewer vom Münsteraner Finanzmakler PMA. Bevor er Kapital für die Eigentumswohnung anspart, ist es zudem sinnvoll, einen bestehenden hoch verzinsten Autokredit zurückzuzahlen. Die fondsgebundenen Lebensversicherungen müssen überprüft werden, ob die Fonds das Kapital international breit streuen; der BU-Schutz kann von den Policen getrennt werden.

Typ 4 - Fixkosten zurückfahren

Fixkosten zurückfahren

Typ 4: Manager, Mitte 50, Jahreseinkommen um die 100.000 Euro

Fall: Der Bereichsleiter (53) eines großen Hamburger Versandhändlers verdient brutto rund 100.000 Euro im Jahr. Er ist verheiratet, seine Frau versorgt den Haushalt. Die beiden Kinder sind 25 und 27 Jahre alt. Der Sohn hat bereits eigenen Nachwuchs, die Tochter studiert noch und wird mit 1000 Euro im Monat unterstützt. Die Familie wohnt in einem Ende der 70er Jahre gekauften Haus; die Zinsen für die Restschuld von rund 80.000 Euro sind bis Mitte 2005 festgeschrieben. Rund 100.000 Euro Vermögen sind in Aktienfonds (40 Prozent) und Anleihen (60 Prozent) angelegt. Ziel: den Ruhestand ab 65 zu sichern, das Haus den Kindern zu vererben.

Analyse: Wichtige Risiken wie Berufsunfähigkeit und Tod des Familienvaters sind ausreichend abgedeckt. Um den Lebensstandard im Alter zu sichern, muss aber gezielt weiteres Kapital angespart werden.

Empfehlung: Unbedingt die Fixkosten zurückfahren, raten die Finanzplaner der Hamburger Firma Sineus. Ein Wechsel der Krankenkasse und einiger Versicherungspolicen spart mindestens 50 Euro im Monat ein. Der Immobilienkredit sollte nach Ablauf der Zinsfestschreibung getilgt, das frei werdende Einkommen in risikoarme Investments (Rentenfonds) angelegt werden. Auch das nach dem Ende des Studiums der Tochter zusätzlich verfügbare Geld muss in die Altersvorsorge investiert werden. Die Aktienfonds sollten sukzessive durch sichere Anlagen ersetzt werden.

Typ 5 - Auf Flexibilität achten

Auf Flexibilität achten

Typ 5: Unternehmer, Mitte 40, Jahreseinkommen ab 200.000 Euro

Fall: Michael Weigert (44) ist Mitgründer und Kreativchef der Werbeagentur Weigert Pirouz Wolf. Er lebt mit seiner Lebenspartnerin Andrea Dahler (37) und Sohn Lenny (2) in einer Hamburger Altbauwohnung zur Miete. Das Paar baut zurzeit ein Haus am Hamburger Stadtrand. Geschätzte Kosten: 650.000 Euro. Weigerts Ziel: mit Mitte 50 die operative Leitung der Agentur abgeben zu können.

Analyse: Ein Großteil seines Jahresgehalts von rund 200.000 Euro erhält Michael Weigert erfolgsabhängig; Zins- und Tilgungszahlungen der Baufinanzierung müssen daher flexibel sein. "Daneben muss er verfügbares Kapital in den Vermögensaufbau investieren und die Absicherung der Familie verbessern", sagt Jochen Sturtzkopf vom Hamburger Finanzdienstleister Loyas.

Empfehlung: Weigert bringt 100.000 Euro - die Hälfte seines Vermögens - in die Immobilienfinanzierung ein, der Rest wird als Kredit aufgenommen. Die Zinsen für einzelne Tranchen sind unterschiedlich lange festgeschrieben, mit einem Recht auf Sondertilgung. Das Paar schließt Risikolebensversicherungen über jeweils eine halbe Million Euro ab, Weigert erhöht seine Berufsunfähigkeitsrente auf 5000 Euro monatlich. Die andere Hälfte des Vermögens wird in gebrauchte Lebenspolicen investiert (Rendite: rund 9 Prozent im Jahr). Außerdem muss er jährlich rund 30.000 Euro in Aktien- und Rentenfonds investieren, um sein Ziel zu erreichen.

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