Nissan 350 Z Reif für die Piste

Der 350 Z ist fast so schnell und kernig wie ein Rennwagen. Er besetzt ein Marktsegment, in dem Nissan noch keinen Nimbus hat. Hochschulmanager Stephan Jansen, der den Japaner für manager magazin getestet hat, lobt das Wagnis.

Stephan Jansen (32) lässt es sich nicht ausreden: "Das Z ist das Zeichen, das mich mit diesem Auto verbindet", sagt der Hochschulmanager lachend und deutet auf das große Emblem, das den Überrollbügel im Kofferraum des japanischen Sportwagens ziert: "Für mich ist jedes Z ein Hinweis auf die Zeppelin University."

Jansen ist Präsident der jungen Privathochschule in Friedrichshafen. Er soll den neuen Nissan 350 Z testen - der so heißt, weil er einen Hubraum von rund 3500 Kubikzentimetern hat. Und weil seit dem legendären 240 Z aus den 60er Jahren alle kernigen Sportwagen des japanischen Herstellers diesen Buchstaben als Typenbezeichnung tragen.

Der Testort Köln lag für Jansen quasi auf dem Weg zur Arbeit, denn er pendelt zwischen zwei beruflichen Wirkungsstätten: Neben seinem Job als Hochschulmanager am Bodensee kümmert sich Jansen auch um den Aufbau der Cosinex GmbH, eines Softwareunternehmens für E-Government. Die Firma hat Jansen während seiner Zeit als Forscher und Lehrer an der Privatuniversität Witten-Herdecke gegründet.

Starke Leistung: Der Nissan 350 Z wird von einem in klassischer Front-/Mittelmotorbauweise positionierten, längs eingebauten V6-Motor mit 3,5 Liter Hubraum, vier Ventilen pro Zylinder und einer Leistung von 206 kW/280 PS angetrieben ...

Starke Leistung: Der Nissan 350 Z wird von einem in klassischer Front-/Mittelmotorbauweise positionierten, längs eingebauten V6-Motor mit 3,5 Liter Hubraum, vier Ventilen pro Zylinder und einer Leistung von 206 kW/280 PS angetrieben ...

Schikanös: Die Fernbedienung der Zentralverriegelung sperrt zwar die Schlösser mit einem Knopfdruck. Zum Öffnen beider Türen braucht es jedoch gewöhnungsbedürftige zwei Klicks.

Schikanös: Die Fernbedienung der Zentralverriegelung sperrt zwar die Schlösser mit einem Knopfdruck. Zum Öffnen beider Türen braucht es jedoch gewöhnungsbedürftige zwei Klicks.

ESP serienmäßig: In der Europa-Version des 350 Z ist ESP serienmäßig an Bord.

ESP serienmäßig: In der Europa-Version des 350 Z ist ESP serienmäßig an Bord.

Perfekt abgestimmt: Die Kraft gelangt über ein manuelles Sechsganggetriebe und eine einteilige Kardanwelle aus Kohlefaserverbundmaterial an die Hinterräder. Dort sorgen ein Sperrdifferenzial mit begrenztem Schlupf und eine elektronische Traktionskontrolle für Grip.

Perfekt abgestimmt: Die Kraft gelangt über ein manuelles Sechsganggetriebe und eine einteilige Kardanwelle aus Kohlefaserverbundmaterial an die Hinterräder. Dort sorgen ein Sperrdifferenzial mit begrenztem Schlupf und eine elektronische Traktionskontrolle für Grip.


Showroom "Nissan 350 Z":
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Testfahrer Jansen begutachtet als Erstes den Nissan von außen: "Die Karosserie lehnt sich an das klassische Profil des Porsche 911 an", urteilt er: "Ein eindeutiges Benchmark."

Danach hält sich Jansen jedoch mit Vergleichen zurück - er hält sich nicht für einen Spezialisten für den aktuellen Automarkt. Normalerweise sitzt er nur selten hinter dem Lenkrad, findet Auto fahren "total unproduktiv". Er genieße sein Leben lieber "in vollen Zügen", spottet der temperamentvolle Ökonom über sein Standardverkehrsmittel, die Bahn.

Am Bodensee steigt Jansen vorzugsweise aufs Fahrrad, um sich fortzubewegen. Nur am Wochenende holt er sein Karmann-Ghia-Coupé aus der Garage, einen liebevoll gepflegten Oldtimer mit einem 30-PS-Boxermotor.

Sonor-souveränes Geblubber

Umso deutlicher registriert der Wissenschaftsmanager das sonor-souveräne Geblubber, das sich beim Start des V-Sechs-Zylinder-Motors im Innenraum des Nissan ausbreitet. "Eine Topleistung der Klangdesigner", lobt Jansen mit leicht ironischem Unterton. Auf alle Fälle, ergänzt er, ein modernerer Sound als das Klingeln und Rasseln des VW-Boxermotors in seinem Karmann Ghia.

Beim Weg aus der Kölner Innenstadt versagt der Navigator des Nissan im Einbahnstraßengewirr des rechtsrheinischen Stadtteils Deutz. "In einem neuen Hightech-Modell darf so etwas nicht mehr passieren", kritisiert der mm-Tester.

Dafür versöhnen ihn die Sportwagenqualitäten des 350 Z: Bei Ampelstarts sprintet der Nissan allen davon, auf der Autobahn fährt er sich mit Tempo 200 so mühelos wie ein Golf mit 120. Und wenn ein vorwitziger Transporter ausschert, ohne den heranbrausenden Japaner zu beachten, dann packen dessen Brembo-Bremsen kräftig zu.

Auf den gewundenen Sträßchen im Bergischen Land wagt sich Stephan Jansen in den Grenzbereich: Er jagt den Nissan durch jede Kehre, bis das ESP eingreift. Doch das Assistenzsystem regelt erst spät ab, bei sehr hohen Kurvengeschwindigkeiten - obwohl der Asphalt an diesem Tag feucht ist. Für Jansen ein Zeichen für optimal verteilte Achslasten, für sehr neutrales Fahrverhalten.

Spargang: Während die ersten fünf Gänge betont kurz übersetzt sind, ist die sechste Fahrstufe für verbrauchssparende Schnellfahrten auf langen Autobahnpassagen ausgelegt.

Spargang: Während die ersten fünf Gänge betont kurz übersetzt sind, ist die sechste Fahrstufe für verbrauchssparende Schnellfahrten auf langen Autobahnpassagen ausgelegt.

Zupackend: Goldene Bremssättel signalisieren maximale Verzögerunsleistung

Zupackend: Goldene Bremssättel signalisieren maximale Verzögerunsleistung

Windschnittig: Veränderte Kanäle am Unterboden leiten gezielt Luft zum Differenzial, das mit zusätzlichen Kühlrippen versehen ist. Ein "Aero Kit" mit Spoilern und speziell geformtem Unterboden (Diffusor) senkt den cw-Wert auf 0,29 und reduziert den Auftrieb selbst bei schneller Autobahnfahrt.

Windschnittig: Veränderte Kanäle am Unterboden leiten gezielt Luft zum Differenzial, das mit zusätzlichen Kühlrippen versehen ist. Ein "Aero Kit" mit Spoilern und speziell geformtem Unterboden (Diffusor) senkt den cw-Wert auf 0,29 und reduziert den Auftrieb selbst bei schneller Autobahnfahrt.


Showroom "Nissan 350 Z":
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Obendrein, so bemerkt er, sei das Fahrwerk perfekt abgestimmt: kein Wanken, kein Schwanken und kein Nachwippen, dennoch angenehm gedämpft. Die Auswirkungen der Schlaglöcher dringen zwar bis zu den Insassen durch, bringen den Nissan jedoch nicht aus der Bahn.

Am Ende des Bergrennens gibt die Hinterachse jedoch ein leises Quietschen von sich: "Eine Aufgabe für Nissans Qualitätsmanagement", sagt der Ökonom trocken.

Äußerst positiv überrascht ist der Professor, als er am Ende der Probefahrt den Basispreis des Testwagens erfährt: Nur 33.500 Euro. Der Porsche Boxster S kostet etwa 16.000 Euro mehr. Hat aber weniger Motorleistung und nur zwei kleine, unpraktische Kofferräume. In den 350 Z passen dagegen zwei Golftaschen - trotz des großen Überrollbügels mitten im Kofferraum.

"Der Nissan", zieht Stephan Jansen Bilanz, "ist somit ein Schnäppchen. Und ein prima Auto für jene neue Generation von Sportwagenfahrern, die sich ihre Autos nicht mehr nach dem Status einer Marke aussucht."

Und erlöse uns von dem Bügel

manager-magazin-Fazit: Und erlöse uns von dem Bügel

Im Cockpit des Nissan 350 Z gibt es keine Ablagen. Das Handschuhfach, so verrät die Bedienungsanleitung, findet sich hinter der Rückenlehne des Beifahrersitzes. Die lässt sich jedoch vom linken Platz aus nicht bewegen.

Braucht der Fahrer des jüngsten Playmobils der Nippon Inc. also etwas aus dem Handschuhfach, muss er aussteigen und auf die andere Seite des Autos gehen - um von dort aus die Rückenlehne vorzuklappen.

Das wiederum gelingt nur, wenn die Beifahrertür nicht verschlossen ist: Die Fernbedienung der Zentralverriegelung sperrt zwar die Schlösser mit einem Knopfdruck. Zum Öffnen beider Einstiege braucht es jedoch zwei Klicks - was leicht vergessen wird, vor allem, wenn der Fahrer allein unterwegs ist.

Also außen herum zurück auf die linke Autoseite, den Schlüssel aus dem Zündschloss holen und dann die rechte Tür öffnen. Jetzt lässt sich der Beifahrersitz vorschieben, die Lehne umklappen, der Zugriff aufs Handschuhfach ist endlich frei.

Wem solche Umständlichkeiten nichts ausmachen, wer sich zudem mit einem riesigen Überrollbügel mitten im Kofferraum, mit einem hakeligen Rückwärtsgang, einem idiotisch programmierten Navigationssystem und ähnlichen Konstruktionsmacken abfindet, der hat im Nissan 350 Z einen echten Sportwagen zu einem sensationell günstigen Preis. Unterhalb der 250 Stundenkilometer - die Elektronik nimmt dann das Gas weg - halten die Fahrleistungen und das Fahrgefühl fast jedem Vergleich stand. Auch dem mit Modellen der Edelmarken, die ein Mehrfaches kosten.


Technik: Zweisitziges, heckgetriebenes Sportcoupé mit V-Sechs-Zylinder-Motor; 206 kW/280 PS aus 3498 ccm; Sechs- Gang-Getriebe.

Fahrwerte: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,9 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (abgeregelt).

Verbrauch: 11,1 Liter/100 km (ECE-Norm: 8,6 bis 15,4 Liter Superplus).

Grundpreis: 33.500 Euro.

Serienausstattung (Auswahl): ESP, Xenonscheinwerfer, Bremsassistent, Brembo-Bremsen, Bordcomputer, Klimaautomatik, Sidebags, seitliche Kopf-Airbags, Leichtmetallräder, Scheinwerfer-Reinigungsanlage; Heckscheibenwischer, programmierbare Gangwechselanzeige.

Sonderausstattung: Premiumpaket (Lederausstattung, elektrisch verstellbare Sitze, Sitzheizung, Tempomat im Lenkrad integriert), Bose-Soundsystem mit 240 Watt (2400 Euro), Metalliclackierung (490 Euro), Navigator (2199 Euro), Einparkhilfe (269 Euro), Einstiegsleisten (129 Euro).

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