Firmengründungen Vier Engel für Gründer

Beispielhaft für gelungene Patenschaften stehen diese vier Jungunternehmer und ihre Paten.

Brain:

Knapp 30 Beschäftigte hat das vor fünf Jahren gegründete Biotech-Unternehmen Brain. Aber kein Kaufmann ist unter ihnen. Sie haben ja Ulrich Putsch (61, vorn), den Inhaber von Keiper Recaro. "Das ist mein Sparringspartner", sagt Brain-Geschäftsführer Holger Zinke (35, l.). Ihn kann Zinke jederzeit um Rat fragen – und das ist auch nötig: "Wir haben alle Managementdefizite", gesteht Biologe Zinke ein. Das Coachen ist für Zinke viel wichtiger als das Geld, das Putsch in das junge Unternehmen eingebracht hat: Die Hälfte des Stammkapitals von 300 000 Mark hat Putsch übernommen, der durch einen zufälligen Kontakt auf Brain stieß. Er half in den Gründerjahren bei allen wichtigen Fragen – von der Finanzierung bis zum Fabrikneubau. Heute fährt er nur noch selten nach Zwingenberg. Brain ist schon flügge, und Putsch macht es "unheimlichen Spaß, die junge Firma wachsen zu sehen".

Gregor vom Scheidt (NxN)

NxN: Schon als Student gründete Gregor vom Scheidt (27, vorn l.) mit einem Partner die Firma NxN , die Software für Computerspiele entwickelt. Doch bald ging sein Kompagnon. Er war "mutterseelenallein", pumpte Geld bei seiner Mutter und "ruderte ziemlich". In der schwierigen Situation traf er am Rande des Münchner Business-Plan-Wettbewerbs Christian Schneider (49, vorn r.), der früher Berater war und selbst einige Unternehmen aufgebaut und geleitet hat. Schneider stieg im Herbst 1997 bei NxN ein – mit einem kleinen finanziellen, aber einem großen ideellen Engagement. Er half vom Scheidt bei der Erstellung der Preise und beim Aufbau des Marketings. Schneider saß mit am Tisch bei Personalgesprächen und Gehaltsverhandlungen. "Die Zeit mit Schneider ist für mich wahnsinnig viel wert, fast unbezahlbar", sagt vom Scheidt. Das Geschäft von NxN floriert inzwischen. Nächstes Ziel: der US-Markt.

Christoph Scholz (CS)

CS: Seine Erfindung brachte Christoph Scholz (46, r.) von einem zweijährigen Aufenthalt in Japan mit: eine Technologie, die Gase und Abfallprodukte bei der Chipproduktion unschädlich macht. Das war vor mehr als zehn Jahren. Scholz wollte die CS gründen und schnürte gerade sein Finanzierungspaket, da traf er bei einer Party in München Falk Strascheg (58, l.). Der hatte gerade erfolgreich sein selbstaufgebautes Unternehmen verkauft. "Aus Spaß an der Freude" stieg Strascheg mit einem Drittel bei CS ein, und er brachte seine ganze Erfahrung beim Unternehmensaufbau mit. Inzwischen ist CS längst am Markt etabliert, hat alle großen Chiphersteller als Kunden und macht mit seinen 30 Beschäftigten 17 Millionen Mark Umsatz. Ein Business Angel ist nicht mehr notwendig. Falk Strascheg verkaufte vor kurzem seinen Anteil an CS.

Christian Hogl/Friedrich Bimboese (Call A Bike)

Call A Bike: Kennengelernt haben sie sich im Internet: Christian Hogl (29, l.) und Friedrich Bimboese (58, r.). Informatiker Hogl hatte eine gute Idee: Fahrräder an mehreren Orten einer Großstadt zu deponieren, wo sie mit einem Chip ausgeliehen werden können. Er kratzte bei Verwandten knapp 100.000 Mark zusammen und gründete im Frühjahr 1997 zusammen mit Josef Gundel (M.) das Unternehmen Call A Bike. Doch Hogl brauchte mehr Geld und vor allem Rat. Er fand Bimboese, einen Ex-Manager, der von Hogl ("Ein ganz ausgeschlafenes Bürschchen") und seiner Idee ("Die paßt sehr gut in die Landschaft") begeistert war. Bimboese ging für Call A Bike erst einmal Geld sammeln, insgesamt fünf Millionen Mark sind als Startkapital nötig. Als erfahrener Manager bekam er leichter Kredite als Jungspund Hogl. Daneben half Bimboese mit Tips beim Unternehmensaufbau. Mit Erfolg: Im Frühjahr geht Call A Bike in München an den Start.

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