Google Dreikampf im Web

Das Online-Unternehmen, 1998 von Larry Page und Sergey Brin gegründet, gilt als Maschine zum Gelddrucken. Doch mächtige Angreifer gefährden das Wachstum der Suchmaschine - der Börsengang ist erst mal abgesagt.
Von Claus G. Schmalholz

Welche Ereignisse die Menschen in aller Welt am meisten bewegen, war jahrtausendelang nicht herauszubekommen. Seit die Internetsuchmaschine Google existiert, gibt es endlich Antworten.

Jeden Tag bearbeitet das Programm 200 Millionen Abfragen, die meistgesuchten Begriffe stehen in der "Google-Zeitgeist"-Liste. Ganz oben rangierten bislang die Terroranschläge des 11. September 2001. Am 1. Februar 2004 geschah nun im Reliant Stadion von Houston etwas, das die Menschen noch stärker interessierte.

In der Pause des Super Bowl, des Endspiels der US-Football-Liga NFL, trat Popsängerin Janet Jackson (37) auf. Als Gesangspartner Justin Timberlake (21) ihr allzu heftig ans Bustier griff, passierte das Malheur: Miss Jacksons rechte Brust wurde entblößt.

Der Vorfall geriet zum Skandal, über den Millionen Menschen Genaueres wissen wollten. Die Suchbegriffe "Janet Jackson" und "Super Bowl" setzten sich an die Spitze der Google-Hitliste.

Das Online-Unternehmen, 1998 von Larry Page (31) und Sergey Brin (30) gegründet, hat derlei Publicity längst nicht mehr nötig. Binnen sechs Jahren etablierte sich die Firma als unangefochtener Marktführer.

Umso gespannter warteten Google-Fans und Finanzexperten darauf, ob das Unternehmen tatsächlich im April 2004 an die Börse gehen würde, wie seit Monaten kolportiert wurde.

Massiver juristischer Ärger

Google gilt als Maschine zum Gelddrucken, die bis zu 20 Milliarden Dollar wert sein könnte. Mit rund 1000 Mitarbeitern macht Google einen geschätzten Jahresumsatz von 500 Millionen bis eine Milliarde US-Dollar. Der Gewinn soll zwischen 150 und 300 Millionen Dollar liegen.

Doch nun sah Google-CEO Eric Schmidt (48) sich genötigt, den Spekulationen ein Ende zu bereiten: Für einen Börsengang seien die Marktbedingungen derzeit nicht ideal.

Google-Nutzer in aller Welt waren enttäuscht: Worauf will Schmidt denn noch warten? Eine Erklärung für sein Zögern bieten zwei Effekte, die das weitere Wachstum des Unternehmens durchaus infrage stellen. Google droht heftige Konkurrenz von den Firmen Yahoo  und Microsoft  sowie massiver juristischer Ärger.

Das US-amerikanische Unternehmen American Blind and Wallpaper Factory hat Google verklagt. Der Einrichtungsspezialist möchte dem Internetportal untersagen lassen, seinen Namen als Suchwort zu verwenden. Die Anzeigenkunden von Google können Schlüsselwörter, so genannte Adwords, angeben. Wenn Nutzer diese Begriffe eingeben, tauchen neben den Suchergebnissen die entsprechenden Inserate auf.

Viele Firmen geben als Adwords auch die Markennamen von Konkurrenten an. Genau das will American-Blind-Chef Steve Katzman Google verbieten lassen - schließlich gebe er jährlich Millionen Dollar für die Pflege seiner Marken aus. Schon im Oktober hatte ein französisches Gericht Google zu 70.000 Euro Strafe verurteilt und dem Unternehmen untersagt, Markennamen als Schlüsselwörter zu verwenden.

Die Geldstrafe ist leicht zu verkraften; das Verbot jedoch zielt ins Mark von Google, weil die Firma mit diesem Geschäft den Großteil ihres Umsatzes erwirtschaftet.

Gefährliche Konkurrenz

Noch viel größer ist die Gefahr, die Google im Kern bedroht, in der Suchmaschinentechnologie. Die beiden Erzkonkurrenten Yahoo und Microsoft haben offiziell angekündigt, Google den Platz an der Spitze streitig zu machen. Beide Unternehmen wollen noch in diesem Jahr verbesserte eigene Suchmaschinen lancieren.

Wie ernst es Yahoo mit dieser Ankündigung meint, zeigen der Kauf des Suchtechnologie-Anbieters Inktomi für 235 Millionen US-Dollar und der Erwerb von Overture für 1,6 Milliarden US-Dollar. Die Firma ist darauf spezialisiert, Werbeanzeigen über Suchmaschinen zu vermarkten - genau das ist Googles wichtigste Erlösquelle.

Mit dem Milliardendeal bekam Yahoo auch die Suchmaschinen Altavista und Alltheweb. Laut Yahoo-Deutschland-Chef Franz Dillitzer sicherte sich seine Firma damit auch die patentrechtlich geschützten Algorithmen der Suchvorgänge. So besitzt Yahoo nun alle neben Google weltweit bedeutenden Lieferanten von Internet-Suchtechnologie.

Gefahr droht auch von Microsoft. Der Gigant aus Redmond zieht derzeit seine besten Entwickler aus aller Welt zusammen, um Google schon bald Paroli bieten zu können.

Mit einer als Kompliment verkleideten Drohung kündigte Microsoft-Mitgründer Bill Gates kürzlich den Angriff an. Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos sprach er den Google-Entwicklern seine Anerkennung für die hochintelligente Gestaltung ihrer Suchtechnologie aus, um dann ebenso freundlich hinzuzufügen: "Aber wir werden euch kriegen."

Wenn Gates merkt, dass Google nicht schnell genug einzuholen ist, greift er vielleicht zum letzten Mittel: den Wettbewerber einfach zu kaufen.

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