Donnerstag, 23. Mai 2019

Hall of Fame 1999 - Laudatio Wolfgang Clement über Rudolf Miele und Peter Zinkann

Sie haben das Unternehmen - wie ihre Vorfahren - auf bewundernswerte Weise stets gemeinsam durch die Fährnisse des Jahrhunderts geführt.

Die Versuche zu umschreiben, was einen erfolgreichen Unternehmer ausmacht, sind Legion: Risikoträger und Gestalter, Pionier und Innovator. Ich brauche nur an Josef Schumpeter zu erinnern, der darüber schon vor bald 90 Jahren geschrieben hat.

Doch bleiben solche Versuche der Beschreibung eigenartig blutleer, wenn man sie mit den Bildern aktiver Unternehmer vergleicht, die das manager magazin bei uns oder "Fortune" in den USA in ihre Hall of Fame aufnehmen. Viele Unternehmer stehen als Person nur selten im Rampenlicht, ganz anders als ihre Produkte. Ich will deshalb einen Kunstgriff wagen und versuchen, den beiden heute ausgezeichneten Persönlichkeiten gerecht zu werden, indem ich den Namen Miele buchstabiere.

Miele, da steht das "M" für mich in erster Linie natürlich für Marke. Miele ist, wie unsere britischen Nachbarn das so treffend sagen, im besten Sinne des Wortes ein Householdname. Ein Name, mit dem Generationen groß geworden sind und jetzt und weiterhin groß werden. Aus dem Familiennamen und dem Familienunternehmen Miele die Marke Miele gemacht zu haben, das ist eines der großen Verdienste der beiden Laureaten.

Eine Marke ist wie ein ständiges Versprechen, das es einzuhalten gilt. Bei Miele steht die Marke für hohe und höchste Standards. Und zwar innerbetrieblich als auch im Markt.

Nebenbei bemerkt: Mein Wirtschaftsminister fährt, wie er mir gerade gestanden hat, heute noch ein Miele-Fahrrad aus dem Jahre 1947. Das spricht nicht für seine Bereitschaft, den Markt zu beleben, aber sehr wohl für die Beständigkeit des Unternehmens.

Mit dem "I" in Miele verbinde ich zwei Begriffe, Innovation und Integrität. Innovation ist integraler Bestandteil des Erfolgs von Miele. An der Spitze der technischen Entwicklung, bemüht um herausragende Qualität, das ist das Versprechen, auf das die Kundinnen und Kunden von Miele vertrauen können.

Sie dürfen auch darauf vertrauen, daß Miele in Umweltfragen auf Innovation und Exzellenz setzt. Der Umweltbericht der Firma ist ein Aushängeschild des Unternehmens. Die elf Grundsätze der Umweltpolitik, auf die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeschworen sind, lassen sich als Anspruch in zwei Worten zusammenfassen: immer besser.

Das erste "E" von Miele steht für Engagement oder schlicht für Einsatz, unermüdlichen Einsatz. Einsatz für den Erhalt des Unternehmens, Einsatz für die Zufriedenheit der Kunden, Einsatz für die Umwelt und die Produktsicherheit. Aber auch für den Einsatz von zukunftsweisenden Strategien. Zum Beispiel im logistischen Bereich.

Ich wage die Behauptung: Wenn alle Unternehmen in Deutschland sich an dem logistischen Konzept des Unternehmens Miele ein Beispiel nähmen, dann hätten wir die Verkehrsprobleme in Deutschland, in und um Frankfurt oder Köln in kürzester Zeit gelöst. Immerhin beliefert das ostwestfälische Unternehmen heute die ganze Welt, werden enorme Zuwächse vor allem im Ausland erwirtschaftet.

Die traditionelle Zurückhaltung in der Veröffentlichung von Ertragszahlen gehört auch zum Markenzeichen des Hauses Miele. Aber diese Zurückhaltung korrespondiert mit einer seltenen und aus meiner Sicht sehr angenehmen Eigenschaft. Ich meine damit die Tatsache, daß das Unternehmen notwendige Investitionen, auch in dreistelliger Millionenhöhe, aus eigener Kraft finanzieren kann. Das ist, wie ich insbesondere aus der Perspektive öffentlicher Hände bestätigen kann, beneidenswert. Und ich empfehle es ausdrücklich zur Nachahmung.

Das "L" bei Miele steht für ein großes Wort, nämlich Lebensleistung. Die Herren Rudolf Miele und Peter Zinkann haben in ihrem bisherigen Leben wirklich Großes geleistet, das sie beruhigt in die Hände ihrer Nachkommen und Nachfolger legen können, damit das Staffelholz in ihrem Familienunternehmen bleiben kann.

Der letzte Buchstabe im Wort Miele ist das "E" wie Erfolg. Erfolg ist immer eine Folge von harter Arbeit, von Leidenschaft und Tatkraft, von Unternehmergeist und der Lust auf Neues, die Folge auch von Gemeinschaftssinn.

Beispielhaft will ich jetzt nur zwei bahnbrechende technische Innovationen erwähnen, die unseren Alltag und den unserer Vorfahren nachhaltig positiv verändert haben.

Da war einmal im Jahr 1934 der Waschkessel mit Wärmerückgewinnung, eine Folge des Pioniergeistes der damaligen Zeit. Und es waren im Jahr 1978 die ersten durch Mikrocomputer gesteuerten Waschautomaten, Geschirrspüler und Wäschetrockner.

Möge das Familienunternehmen Miele auch weiterhin zu den besten und vortrefflichsten Botschaftern der Bundesrepublik Deutschland und natürlich Nordrhein-Westfalens zählen. In unserer Tradition wünsche ich den Herren Miele und Zinkann ein herzliches Glückauf.

Wolfgang Clement

© manager magazin 7/1999
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