Jaguar XJ Das große Los

Der XJ ist Jaguars Topmodell. mm-Tester Günther Schneider, Vorstandssprecher der Nordwestdeutschen Klassenlotterie, fand sich in der Limousine bestens aufgehoben.

Ich steh' hier wie vor einem Hauptgewinn!" entfährt es Günther Schneider (46). Beim Anblick des neuen Jaguar XJ hat sich auf seinem Gesicht ein Lächeln ausgebreitet.

Schneider kennt sich aus mit Gewinnen: Als Sprecher des Vorstands der Nordwestdeutschen Klassenlotterie (NKL) wählt er die großen Prämien mit aus. Und er kennt das stolze, selige Glimmen in den Augen der Gewinner, wenn sie einen Sachpreis entgegennehmen dürfen, der ähnlichen Prestigewert hat wie ein Jaguar XJ.

"Ein prachtvolles Auto", bekräftigt Günther Schneider seine impulsive Reaktion - und lobt die edle Linienführung der Jaguar-Karosserie. Die ist komplett aus dem Leichtmetall Aluminium gefertigt - was die in dieser Klasse dringend benötigten Gewichtsvorteile bringt.

Dennoch zeigen die winzigen Fugen zwischen den einzelnen Bauteilen keine Unregelmäßigkeit - was Schneider auf hohe Verarbeitungsqualität schließen lässt: "Offenbar hat Jaguar von den deutschen Karosseriebauern gelernt", folgert der Manager, der viele Branchen kennt. Vor seinem Posten bei der NKL war Schneider Führungskraft bei Fielmann, bei BP und bei der Hamburg-Mannheimer Versicherung.

Die Innenausstattung des XJ bietet aristokratischen Luxus: Am Armaturenbrett sind große Flächen mit Wurzelholz verkleidet. Das Lenkrad aus demselben Material schmiegt sich herrlich in die Handflächen. Das Polsterleder duftet würzig.

Auch für die Anzeigen und Bedienungselemente hat Günther Schneider Lob übrig: Für die Rundinstrumente mit klarem, dezent-modernem Design wie für die Schalter auf der Mittelkonsole, die den Navigator, die Klimaautomatik und das Radio steuern. "Kein elektronischer Schnickschnack", erkennt der nüchterne Hanseat."

"Ein marginales Problem"

Der Testausflug mit dem Jaguar XJ führt von der Hamburger NKL-Zentrale ins holsteinische Umland. Die Region ist Günther Schneider vertraut: Er fährt gern spazieren - was ihn auch öfter in diese Gegend führt. Doch Muße heißt für ihn nicht trödeln: Seinen BMW 530 bewegt er mit Vorliebe sportlich, vor allem auf Landstraßen.

Auf der Autobahn ist Schneider jedoch selten mit mehr als 200 Stundenkilometern unterwegs. Seine Erfahrung: "Die Verkehrsdichte gibt ein höheres Tempo kaum her."

Um so mehr erstaunt ihn, wie leichtfüßig der Jaguar in diese Geschwindigkeitszone beschleunigt. Die Acht-Zylinder-Maschine schnurrt gleichmäßig, die Sechs-Gang-Automatik sorgt für optimales Drehmoment.

Außerdem gefällt Schneider, wie sicher und komfortabel sich das Fahren bei Tempo 230 anfühlt: Die Lenkung des XJ bleibt völlig ruhig, weder der Motor noch die breiten Reifen entwickeln störende Geräusche.

Nur beim Tachostand 200 pfeift der Fahrtwind am linken Außenspiegel - was jedoch jenseits von Tempo 220 wieder aufhört: "Ein marginales Problem", befindet der Lotteriemanager.

Am Ziel der Ausfahrt, im Park des "Schlosshotels Tremsbüttel", überprüft Günther Schneider letzte Details: Etwa die Sitze im Fond ("... komfortabel und doch mit genug Halt ...") sowie den Kofferraum: "Zu flach". Das Reserverad und die Batterie, beide unter der Ladefläche platziert, beanspruchen zu viel Raum.

Dennoch kann sich der Lotteriemanager für den Jaguar XJ begeistern. So überlegt er laut, ob das Topmodell womöglich als Großgewinn bei der NKL taugen könnte. Wo doch die Kunden der Klassenlotterie deutlich bürgerlicher sind als etwa die von Lotto & Toto oder die der Fernsehlotterie. Könnte hier eine britische Nobellimousine passen?

Am Ende siegen die Zweifel: Was denken die Nachbarn, wenn plötzlich ein großer Jaguar vorm Reihenhaus steht? "Die riechen den Braten - und pumpen den glücklichen Gewinner prompt an."

Das will Günther Schneider seinen Kunden dann doch nicht zumuten.

manager-magazin-Fazit

manager-magazin-Fazit: Nick-Automatik

Der neue XJ war überfällig - als Beweis, dass Ford (die Marke Jaguar ist im Konzern Teil der "Premier Automotive Group") modernste Technik mit den Qualitätsstandards der automobilen Oberklasse verbinden kann.

Das war nicht immer so: Noch das Vorgängermodell des XJ galt als störanfällig, gewöhnungsbedürftig und britisch-eigenwillig. Jedenfalls nicht als so verlässlich und ausgereift, dass es hier zu Lande als Wettbewerber etwa zur Mercedes-S-Klasse ernst genommen wurde.

Insofern ist das Konzept des neuen XJ stimmig: Das Fahrwerk ist solide, der Aufbau gediegen. Doch bei der Zähmung der Wildkatze blieb auch ein gut Teil ihres Temperaments auf der Strecke. Etwa die einstige Jaguar-Domäne, die Zwölf-Zylinder-Maschine. Das neue Flaggschiff gibt es nur mit sechs und acht Zylindern.

Obendrein zeigte zumindest der mm-Testwagen noch Material- und Verarbeitungsschwächen: So setzte eines Morgens ein Blinker aus - um abends wieder tadellos zu funktionieren. Auch der elektrische Tankdeckelverschluss versagte. Der Navigator wies abstruseste Wege - einmal ordnete er sogar Umkehr an. Der Regensensor ließ hin und wieder den Wischer über eine knochentrockene Scheibe kratzen.

Nach einigen Tagen im Testbetrieb flatterte die Motorhaube jenseits von Tempo 200 in ihrer Verankerung. Dieses beunruhigende Bild wurde dann durch einen wackelnden Außenspiegel verstärkt.

Und das Automatikgetriebe erwies sich längerem Stop-and-go als nicht gewachsen. Das Hochschalten in niederen Gangstufen ließ die Insassen jedes Mal heftig nicken.


Technik: Fünfsitzige Limousine mit Hinterradantrieb; V8-Zylinder-Motor mit 190 KW/258 PS aus 3555 ccm; Sechs-Gang-Automatik.

Fahrwerte: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,6 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit 242 km/h.

Verbrauch: 10,7 Liter Super auf 100 km (EU-Norm: 7,7 bis 15,9 Liter).

Grundpreis (XJ 3.5): 65.500 Euro.

Serienausstattung (Auswahl): Selbstregulierende Luftfederung, dynamische Stabilitätskontrolle, elektronische Parkbremse, Parkassistent hinten, Bremsassistent, Multifunktionslenkrad.

Sonderausstattung (Auswahl): Xenon-Scheinwerfer (960 Euro), heizbares Lenkrad aus Walnusswurzelholz (1210 Euro), Ledersportsitze (1530 Euro), Navigator (2820 Euro).

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