Forum Leserbriefe

Krieg gegen Anleger


Strafverfahren:

Staatsanwälte verfolgen Deutschlands Wirtschaftselite (mm 8/2003)

Das "Goldene Wort" des BDI-Präsidenten Rogowski, Topmanager sollten für sich nicht mehr tun als für die Mitarbeiter, Aktionäre und die Gesellschaft, ist im Grundsatz sicherlich richtig.

Im Kern seiner Aussage spielt er allerdings auf die von ihm geforderte Begrenzung von Topmanager-Bezügen an.

Solche Appelle - ob sinnvoll oder nicht - wären in jedem Fall glaubwürdiger, wären sie zu seiner aktiven Zeit als Top- manager erfolgt. Ganz abgesehen davon wird es meines Erachtens eine wirklich "herausfordernde" Vergütung für Topmanager erst dann geben, wenn diese auch eigenes Geld in das Unternehmen einbringen müssen.

Das unterscheidet nämlich einen Manager von einem Unternehmer, der nicht nur Chancen nutzt, sondern auch bereit sein muss, Risiken in Kauf zu nehmen.

Wolfgang E. Müller,
Pforzheim

Es bleibt unerwähnt, dass außer Staatsanwälten auch die Gerichte bereits in Ermittlungsverfahren eingeschaltet sein können: Durchsuchungen erfolgen sowohl beim Verdächtigen als auch bei Dritten in aller Regel auf der Grundlage eines vom Richter erlassenen Durchsuchungsbeschlusses. Solche Beschlüsse dienen gerade in Wirtschaftsstrafsachen der Sicherstellung von Beweismitteln. Es stellt eine außerordentlich fragwürdige Entwicklung dar, dass Gerichte die Verdachtsvoraussetzungen für derartige Beschlüsse zunehmend schnell bejahen und einen Beschluss rasch erlassen. Insofern sind für den Trend zu aggressiven Ermittlungen auch die Gerichte verantwortlich.

Wolfgang E. Müller,
Frankfurt/Main

Es wäre fatal jetzt zu versuchen, die Teile der Justiz, die sich noch um eine Aufarbeitung bemühen, als Sündenbock für die derzeitige miese Stimmung in der Wirtschaft und ihren Eliten verantwortlich zu machen. Den Krieg gegen arglose Anleger und Bürger Deutschlands haben andere Institutionen strategisch geplant und durchgeführt.

Die deutsche Wirtschafts- und die Politikelite hat kein Konjunkturproblem - sie hat völlig zu Recht ein massives Vertrauensproblem. Mit Vertuschen der Wirtschaftskriminalität oder Unter-den-Teppich-kehren ist dieses Vertrauen nicht zurückzugewinnen - ganz im Gegenteil.

Wenn es nicht bald gelingt, den Rechtsstaat glaubhaft wiederherzustellen, Betrogenen zu ihrem Recht zu verhelfen, die anarchischen politischen und ökonomischen Drahtzieher festzusetzen, geht dieses Land, seine Wirtschaft beschleunigt, den Bach herunter.

Wolfgang Regner,
per E-Mail

Ihr Bericht ist aus der Sicht Ihrer Zielgruppe, nämlich der betroffenen Manager und Verteidiger, verfasst worden und daher zwangsläufig einseitig.

Beispiel Mannesmann: Die Behauptung, die Vorwürfe gegen Mannesmann-Chef Klaus Esser & Co. änderten sich "nahezu alle paar Monate", ist frei erfunden. Dagegen wird die allen Redaktionen inzwischen vorliegende Anklageschrift nicht ausgewertet. So die inzwischen unbestrittene Tatsache, dass Professor Joachim Funk über eine neun Millionen Mark schwere Abfindung mit beschlossen hat, obwohl er als Aufsichtsratsvorsitzender nichts bekommen durfte. Das erforderliche Aufsichtsratsprotokoll wurde später einfach rückdatiert.

So die dubiosen Umstände, unter denen Esser seine "Anerkennungs-Prämie" von 32 Millionen Mark erhalten hat. Übrigens wurde die von Ihnen erwähnte, schon vor der Fusion gewährte Zusage für lebenslangen Fahrer, Sekretärin etc. bereits wenige Wochen später mit vier Millionen abgefunden - ist das etwa üblich?

Prof. Dr. Mark Binz,
Stuttgart

Patente Produkte

Interview: Der Unternehmer und Wissenschaftler August-Wilhelm Scheer über Missstände in der Forschungsförderung (mm 8/2003) 

Ob, und wenn ja, welche Integrationsfiguren Technologieprojekte nach vorn bringen können, ist eher eine nachrangig zu klärende Frage. Zuerst einmal braucht es Ziele, zum Beispiel, mit welchen patenten Produkten sich die hiesigen Unternehmen auf den Märkten dieser Welt positionieren wollen, können und sollten.

Unsere politische Elite zumindest hat weder erkennbare Pläne, geschweige Visionen, deren Umsetzungen auch künftige Generationen ernähren - zumindest sind diese nicht öffentlich. Und seitens der Wirtschaft? Auch die muss sich fragen lassen, wie es denn überhaupt so weit kommen konnte, dass unser gesellschaftliches Fundament Technologie zusehends und erkennbar erodiert?

Findet sich überhaupt eine ausreichende Zahl prominenter Förderer, die eben nicht dadurch prominent geworden sind, weil sie selbst Teil eines dieser von Scheer als unheilvoll bezeichneten Netzwerke sind oder waren? Und: Selbst wenn sich genügend freie, unbefleckte, altruistische, standortverbundene Durchblicker als tatkräftig bereit erklären, wer definiert dann zum Beispiel, wo die Trennlinie zwischen zukunftssichernden und eher nicht förderungswürdigen Forschungsprojekten zu verlaufen hat?

Noch weiter reichend ist die Frage, ob national initiierte und getragene Entwicklungsengagements überhaupt noch in die europäische Zeitrechnung passen. Grundlagenforschung und Hightech-Entwicklungen verschlingen Milliarden. Wer entscheidet, welche EU-Partner sich um welche Aufgaben kümmern (dürfen)? Ebenso spannend: Wer regelt, dass die Stifter des geistigen Saatgutes von den Früchten erfolgreicher Entwicklungen einen gerechten Teil abbekommen?

Klaus Dieter Hennecke,
Olpe

Beteiligung am Kursrisiko

Aktienoptionen: Die Unternehmen suchen alternative Vergütungsmodelle (mm 9/2003)

In Ihrem Artikel über den aktuellen Umgang von Unternehmen mit Aktienoptionen als Teil der Vergütung ist Ihnen bei der Darstellung über SGL Carbon ein Fehler unterlaufen. Unser Unternehmen hat nicht, wie von Ihnen berichtet, auf Grund schlechter Kursentwicklung und der damit verbundenen gesunkenen finanziellen Attraktivität von Aktienoptionen das Matching-Share-Programm eingeführt.

Richtig ist, dass SGL Carbon sich bereits im April 1999 von der Hauptversammlung die Einführung des von Ihnen richtig beschriebenen Programms genehmigen ließ. Damit soll das Management Aktien des eigenen Unternehmens erwerben und somit direkt am Kursrisiko beteiligt werden. SGL Carbon hat damit frühzeitig ein Vergütungsmodell eingeführt, dass zum einen die Managementleistung fördert und zum anderen jedoch die heute aktuelle Kritik der Finanzmärkte an den Aktienoptionsprogrammen ("Selbstbedienung ohne Risiko") bereits vorweggenommen hatte. Der Kurs der SGL-Carbon-Aktie geriet erst im Rahmen des Platzens der New-Economy-Blase Anfang 2000 mit in den Strudel der Abwertung sämtlicher Finanzmärkte weltweit.

Stefan Wortmann,
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit SGL Carbon AG

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