Krawatten Mann knotet wieder

Schlips war out. Bei Aufsteigern ebenso wie bei Modemachern. Nun kehrt die Lust am Knoten zurück. Nach dem Rausch der New Economy halten sich Manager auch bei der Kleiderordnung wieder mehr an Altbewährtes. manager magazin bat die Chefs von Spitzenanbietern vor die Kamera. Ein Plädoyer für den Binder.

Ihr Leumund ist - leider, leider - nicht eben der Beste. Wie das so geht bei Begleiterinnen der leichteren Art, die jedem Kerl am Halse hängen. Kein Wunder, dass viele ihre Dienste nur noch im äußersten Ernstfall in Anspruch nehmen. Und immer mehr sich ihrer gern entledigen.

Wie staunten etwa die brav aufgeputzten Journalisten, als sie unlängst in einer Gesprächsrunde mit dem Vorstand der Telekom-Tochter T-Mobile von Marketingchef Nikesh Arora aufgefordert wurden, doch bitte ihre Krawatten abzulegen. Man selbst, so der Kommunikator unter Hinweis auf seine ebenfalls schmucklos erschienenen Vorstände, trage schließlich auch keine. Und in Britannien, Mutterland des guten Stils, obsiegte kürzlich ein Angestellter vor Gericht über den Krawattenzwang -"Männerdiskriminierung", so sein Monitum.

In der Tat, das Schmuckstück hat es nicht leicht in diesen Tagen. Nicht nur angestammte Träger, sondern auch ihre Erzeuger, die Modedesigner, verschmähen sie. Giorgio Armani oder Werner Baldessarini etwa - wer hätte die je mit einem Seidenfummel am Hals gesehen. Gabriele Strehle möchte Männer zum Verzicht darauf bewegen. Gianni Versace selig fragte gar höhnisch, was das Ding denn zur Reputation beitragen könne, wo doch inzwischen jeder Bandit so eines umgebunden habe.

Königspudel als Kragenzier: Andre Stutz, Inhaber des Züricher Seidensalons Fabric Frontline, begann mit seinen Schwestern Elsa und Maya vor 22 Jahren in einem Hinterhof das Geschäft mit erlesenen Wirkwaren - heute begehrt er bei den Schauen in Paris und Mailand

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Kühle Klassik: Dietmar Theiler führt das Bielefelder Modehaus Windsor. Sein Motto: "Coolness im Dresscode"

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Sinn für Styling: Christian von Daniels führt das Traditionshaus van Laack und setzt auf die Feinabstimmung von Krawatten- und Hemdenkollektion

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Halsschmuck: Lothar Reiff, kreativer Kopf bei Hugo Boss, glaubt an den modebewussten Mann, der sich elegant kleidet

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Die Stile der Chefs:
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Doch es gibt auch Zeichen der Hoffnung für den Schlips. Die leichtfüßige New Economy mit ihrem Hang zu T-Shirt und Turnschuh hat es davongeweht, das lockere Casual ist einer neuen Strenge in der Kleiderordnung gewichen, und die Jungaufsteiger, die den Flug durch die Turbulenzen heil überstanden haben, zieht es mittlerweile auch eher zum klassischen Herrenausstatter.

Die "Auferstehung einer Totgeglaubten" feierte freudig erregt bereits die "Neue Zürcher Zeitung", umstellt von Banken und Bankern, die den Krawattenverzicht ohnehin nie so recht mitgemacht haben. "Schluss mit leger", trompetete das Schweizer Blatt. "Die Krawatte meldet sich zurück, denn formelle Werte gewinnen in der Männermode wieder an Bedeutung."

"Eine Rückkehr zur Eleganz"

Zumindest milde Zuversicht findet sich auch in der Runde der Anbieter und Hersteller, die manager magazin zum Thema einvernommen hat.

"Auch wenn in der Tat derzeit viel von einer Krawattenkrise die Rede ist", so Peter Mohrmann, Deutschland-Statthalter der italienischen Nobelmarke Zegna, "wir können das nicht bestätigen." Der Modemanager rühmt sich blendender Abverkaufsquoten, ganz besonders beim Spitzenmodell "Napoli Couture" zum Preis von 125 Euro. "Wir gehen davon aus", prognostiziert Mohrmann, "dass die Casualisierung der Mode in Kürze abgelöst oder zumindest ergänzt wird durch eine Rückkehr zur Eleganz."

Mit Gelassenheit nimmt der Düsseldorfer Modedesigner Ignatious Joseph das Gezerre um den Schlips: "Es werden sich immer die Geister scheiden, ob man ihn trägt oder nicht", sagt der Mann aus Sri Lanka, gelernter Betriebswirt, Ex-Hotelmanager und mittlerweile vielfach gelobter Anbieter feiner Webwaren. Seit zwei Jahren vertreibt er seine Kreationen erfolgreich über den Einzelhandel. Und er ist sicher: "Ich werde meine Karriere mit der Krawatte fortsetzen."

Weniger tragen, gleichviel absetzen

Auch in den Traditionshäusern der deutschen Herrenausstatter-Branche - Windsor, van Laack, Boss - übt man sich in Zuversicht. "Obwohl tatsächlich immer seltener Krawatten getragen werden, verkauft unser Unternehmen auf gleich bleibend hohem Niveau", weiß etwa Lothar Reiff, Kreativ-Vormann bei Hugo Boss.

Hajo Ploenes, führender Spezialist aus der deutschen Seidenhochburg Krefeld und besorgt um den Absatz, will vor allem eines erreichen - dass es Spaß macht, den Seidenlatz zu tragen.

Damit das so bleibt, wird von wendigen Modemachern sogleich auch ein neuer Trend ausgerufen: Auf das luftigleichte monochrome Modell mit schlankem Knoten folgt nun - ein Schwenk von nahezu 180 Grad - das voluminös schwere Stück Stoff, am liebsten mit schwellendem Windsor unter dem weit gespreizten Hai-Kragen verknotet. Wer's nicht rechtzeitig merkt, sieht schnell alt aus.

Windsor-Geschäftsführer Dietmar Theiler bringt die Marktstrategie auf die elegante Formel: "Die noch vorhandenen Krawattenträger immer wieder aufs Neue mit schönen Designierungen begeistern".

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