Editorial Zeichen gesetzt

"Führung muß man auch wollen", hat Alfred Herrhausen, der ehemalige Chef der Deutschen Bank, einmal für sich und seinesgleichen postuliert. Einer, der quasi täglich demonstriert, daß er führen will; einer, der nie einen Hehl aus seinem Führungsanspruch gemacht hat – das ist das Stuttgarter Kraftpaket Jürgen E. Schrempp.
Von Wolfgang Kaden

Kein anderer hat im ablaufenden Jahr die deutsche (und internationale) Unternehmensszene so beherrscht wie der Daimler-Chef. Der Zusammenschluß mit Chrysler ist von ihm eingefädelt und, bislang, hervorragend umgesetzt worden. Die Jury des manager magazins hat Schrempp daher zum "Manager des Jahres" 1998 gewählt.

Natürlich ist das Werk Daimler Chrysler noch unvollendet; Machtkämpfe und unterschiedliche Kulturen können den Zusammenschluß zum Flop machen. Doch in diesem Jahr 1998 hat Jürgen Schrempp wie kein anderer Unternehmenschef Zeichen gesetzt, mutig, visionär.

Und beispielgebend. Die Vorsichtigen und die Bedenkenträger, jene, die sich nur im Mainstream bewegen – sie sitzen immer noch allzu zahlreich in den Cockpits der Unternehmen. Die Auszeichnung "Manager des Jahres“ wird daher gerade denen zugedacht, die ausbrechen aus dem Eingeübten, dem Alltäglichen.

Erfolgsgarantien liefert die Wahl nicht. Allenfalls die Gewißheit, daß die mm-Jury, seit vier Jahren tätig, bislang eine glückliche Hand bewies. Jürgen Dormann (1995) hat, trotz vieler Mißhelligkeiten, gute Chancen, eine zukunftsfähige Hoechst AG zu formen; Henning Schulte-Noelle (1996) baut die Allianz weiter zielstrebig zum Weltkonzern aus. Und Robert Louis-Dreyfus (1997) hat, wie die Rangliste der 500 größten Börsenunternehmen ausweist (siehe Seite 244), Adidas noch weiter nach vorn gebracht.

Dormann, Schulte-Noelle, Louis-Dreyfus, Schrempp – jeder dieser vier besitzt die "strategische Besessenheit", die das Autorenduo Hamel/Prahalad einmal großen Unternehmerfiguren beimaß. Ja, es ist schon richtig, der Chef "kann ohne eine erstklassige Mannschaft nichts machen", wie Schrempp pflichtgemäß anmerkt. Aber wieviel besser stünden heute Unternehmen wie die Deutsche Bank, RWE oder Siemens da, alle fraglos mit guten Mannschaften bestückt, wenn rechtzeitig die richtigen Leute ins Steuerhaus gekommen wären? Am Ende hängt dann doch alles von einem ab. Gerade in Umbruchzeiten wie diesen.

PS: Der European Business Readership Survey 1998 hat manager magazin erneut bestätigt, der im deutschsprachigen Europa meistgelesene Wirtschaftstitel bei den Topentscheidern zu sein.

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