Freitag, 22. November 2019

Luxuslimousinen Kolossale Karossen

Was taugen Maybach, Rolls-Royce Phantom und Bentley Arnage? Wer soll die dicken Schlitten kaufen, wer will damit gesehen werden?

John Pierpont Morgan, in Finanzkreisen bekannter unter dem Kürzel J. P., war ein Mann klarer Einschätzungen. "Wer mich fragt, was meine Jacht gekostet hat, der hat nicht genug Geld", pflegte der schwerreiche Banker und Besitzer des legendären Regattaseglers "Corsair" zu sagen. Ein souveräner Umgang mit Luxus, so J. P. Morgan, verbiete jeden Gedanken an den Preis.

 Teurer als jedes andere Serienautomobil: Der Maybach von DaimlerChrysler
Wolfgang Meier
Teurer als jedes andere Serienautomobil: Der Maybach von DaimlerChrysler
Ähnliche Verhältnisse herrschen auf dem Markt der Luxuslimousinen. Wer zum Beispiel einen Maybach kauft, der hat das Geld einfach übrig. Er überlegt allenfalls, ob er sich lieber ein Chalet im Engadin zulegt. Oder ein Wasserflugzeug für das Resort in der Karibik. Ein großer Maybach kostet, ausgestattet mit silbernen Champagnerkelchen, einer Hi-Fi-Anlage mit 21 Lautsprechern und anderen Hightech-Extras, knapp eine halbe Million Euro.

So teuer ist kein anderes Serienauto. Insofern, glaubt Stefan Diehl, bei DaimlerChrysler Sprecher für die Marke Maybach, habe das Gefährt keine automobilen Wettbewerber. Der Maybach konkurriere allenfalls mit anderen hochpreisigen Anschaffungen der Superreichen.

 PR-Getöse: Der Maybach vor dem Gebäude der New York Stock Exchange  Erlesene Zielgruppe: Wer einen Maybach kauft, der muss das Geld einfach übrig haben  Rollendes Wohnzimmer: Wer in einem Maybach fährt, der fühlt sich wie in einer bewegten Immobilie  Stolzer Preis: Ein großer Maybach kostet, ausgestattet mit silbernen Champagnerkelchen, einer Hi-Fi-Anlage mit 21 Lautsprechern und anderen Hightech-Extras, knapp eine halbe Million Euro

Showroom Maybach:
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Maybach: Die 6,16 Meter lange Großversion bewegt sich wie ein Raumgleiter - kursstabil und niemals schwankend. Die belüfteten Ledersessel dämpfen jede Vibration.
Über diese Aussage lässt sich trefflich streiten. Denn oberhalb der so genannten Oberklasse haben die Autokonzerne in den vergangenen Monaten ein neues Marktsegment geschaffen: das der Luxuslimousinen.

In dieser Klasse tummeln sich nicht nur die beiden Maybach-Modelle 57 und 62. Aus dem BMW-Konzern stößt der neue Rolls-Royce Phantom hinzu, VW steuert den Bentley Arnage bei. Doch die beiden Briten offerieren keine Pullman-Formate mit extra langem Radstand. Eine direkte Gegenüberstellung ist daher nur mit dem kürzeren Maybach 57 zulässig.

Amerika im Mittelpunkt: In welchen Regionen der Maybach vermarktet werden soll
Was bieten die Nobelkarossen? Lassen sich Rolls-Royce und Bentley, die im Vergleich zum PR-Getöse um den Maybach mit geradezu britischem Understatement vermarktet werden, überhaupt in eine Reihe stellen mit dem dicken Schlitten aus Sindelfingen?

Selbstverständlich. Es duftet überall nach edelstem Leder. Unter allen Motorhauben schnurren unglaublich kraftvolle und zugleich laufruhige Motoren; unterhalb von 200 Stundenkilometern lässt sich in allen Innenräumen problemlos ein Brief von Hand schreiben - wobei der Verfasser eher das Kratzen seiner Feder auf dem Büttenpapier hört als irgendein Geräusch von außen.

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