Geschäftswagen Autos cum laude

Welche Modelle eignen sich besonders gut für Führungskräfte? manager magazin hat deutsche Professoren befragt. Die Experten für Automobilwirtschaft nennen ihre persönlichen Favoriten - und geben recht ungewöhnliche Empfehlungen.

Das Überraschendste vorweg: In diesem Beitrag über die tauglichsten, pfiffigsten und sinnvollsten Geschäftswagen geht es weder um die Modelle der Mercedes-S-Klasse noch um die der neuen 7er-Serie von BMW.

Ausgerechnet jene Limousinen, die landläufig als "klassische" Managerkarossen gelten, tauchen in der Liste der Favoriten nicht auf, die manager magazin nach einer Umfrage unter Deutschlands prominentesten Auto-Professoren erstellt hat. Auch der Phaeton, Volkswagens Vorstoß in die automobile Oberklasse, wurde nicht nominiert.

Das erstaunliche Ergebnis bedeutet nicht, dass die Topmodelle aus Stuttgart, München und Wolfsburg zum Mittelmaß zählen. Im Gegenteil: Die großen Limousinen von Mercedes , BMW  und VW , da waren sich die Fachleute einig, verkörpern durchweg automobile Hochkultur.

Doch den honorigen Führungskraftfahrzeugen fehlt, auch hier urteilten die Fachleute einmütig, das entscheidende Quäntchen Originalität. Jene kaum definierbare Mischung aus Charme, Charakter und Charisma, die ein nüchternes Fortbewegungsmittel zum emotional besetzten Lieblingsauto macht, es über seinen bloßen Gebrauchswert hinaushebt, Sympathien schafft, Begeisterung und Leidenschaften wecken kann.

Genau diese Eigenschaften sind es, die den Geislinger BWL-Professor Willi Diez dazu bewogen haben, ein Modell als besten Geschäftswagen zu nominieren, das in puncto Image und Nützlichkeit geradezu einen Negativkontrast bildet zur Oberklasselimousine: einen Porsche 911.

manager magazin befragte prominente Automobil-Professoren (Maschinenbauer und Wirtschaftswissenschaftler), welcher Pkw ihr Lieblingswerkzeug ist, mit dem sich Führungskräfte Mobilität verschaffen. Welche Modelle einen ergonomischen Arbeitsplatz bieten - und zugleich ein Schmuckstück sind, mit dem jeder gern gesehen wird.

Der Blick aufs große Ganze

Der Blick aufs große Ganze

Es ging nicht um die akademische Analyse von technischen Details oder von Ausstattungsbesonderheiten. Vielmehr sollte der Blick aufs große Ganze gelenkt werden. Welches Auto wünschen sich die Experten für den dienstlichen Gebrauch?

Als grober Bewertungsrahmen dienten folgende Kriterien:

  • Nützlichkeit: Wie gut sind Fahrwerk, Federung, Schalldämpfung, Laufruhe, Sitze und andere Aspekte des Fahrkomforts? Wie groß sind Kofferraum und Innenabteil, wie funktionieren Telefon-Freisprechanlage oder DVD-Monitor


  • Sicherheit: Was gibt es an elektronischen Helfern zur aktiven Unfallvermeidung (ESP, Bremsassistent, automatischer Abstandshalter, Parkhilfe oder Reifendrucksensoren)? Welche Systeme schützen die Insassen bei einem Unfall (abgestuft zündende Airbags ringsum, Gurtstraffer, Knautschzonen und Überrollbügel)?


  • Modernität: Hat das Auto nicht nur den Schnickschnack, der heute zum Bequemlichkeitsstandard gehört (Cupholder, klimatisiertes Handschuhfach, Regensensor, automatischer Lichtdimmer im Innenraum), ist es darüber hinaus auch umweltfreundlich?


  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Welche unerlässlichen Ausstattungsdetails (automatisches Getriebe oder Klimaautomatik) sind bereits in der Basisausrüstung enthalten? Wie teuer ist das Auto wirklich, wenn alle nützlichen Extras mitbestellt werden? Welche Vorteile bietet es gegenüber den Wettbewerbern?
Nicht gefragt wurde nach der Motorleistung, nach Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigungswerten. Diese Größen, so schien es im Vorfeld, sind heute kein Thema mehr. Zumindest nicht in jener Klasse, in der die Kandidaten für die Liste der besten Geschäftswagen für Manager zu vermuten sind.

Prompt tauchte ein Wagen auf, mit dem niemand gerechnet haben dürfte: der Skoda Octavia Combi TDI - in einer Version, deren 1,9-Liter-Turbodiesel-Motor gerade mal 81 kW/ 110 PS leistet.

"Provozierende Individualität"

"Ausdruck provozierender Individualität"

Wolfgang Meinig von der Uni Bamberg, der den Octavia zum besten Geschäftswagen ernannte, lobt die "beachtliche Beschleunigung auch jenseits der 160 Stundenkilometer".

Obendrein, so der BWL-Professor, sei die Straßenlage des Kombis beim Spitzentempo von nahezu 200 Stundenkilometern tadellos. Weshalb Geschäftsleute, die den Skoda als Dienstwagen nutzten, "tagsüber sicher voran und abends schnell genug nach Hause" kämen.

Insgesamt, bilanziert Marktforscher Meinig, imponiere ihm an dem biederen Skoda der "Ausdruck provozierender Individualität". Der Octavia setze sich wohltuend ab von den "hoch gezüchteten, imageträchtigen und in der Leistung ausgereizten Superfahrzeugen", die sich im alltäglichen Einsatz als Geschäftswagen allzu rasch verschlissen.

Das sieht BWL-Professor Willi Diez ganz anders. Der temperamentvolle Schwabe findet: Wer als Unternehmer Dynamik und Leistungsbereitschaft ausstrahlen will, der braucht auch den entsprechenden Dienstwagen - eben einen Porsche 911.

"Unser Chef, das ist ein ganzer Kerl!"

Einwände gegen die Praxistauglichkeit des Sportwagens bügelt Diez ab: "Was Manager ernsthaft zu arbeiten haben", so der ehemalige Assistent von Mercedes-Chef Helmut Werner, "das können sie im 911er problemlos bewältigen: Telefonate, einfaches Aktenstudium, Diktate."

Der Porsche, meint Diez, lasse sich auch von einem Chauffeur lenken: "Zwei Erwachsene finden üppig Platz. Und auf die umgeklappten Rücksitze passen jede Menge Aktenordner."

Das Image eines 911ers (Diez selbst nutzt als Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft einen Carrera 4 S als Dienstwagen) sei zudem "sehr sozialverträglich". Die Oberklasselimousinen signalisierten vor allem Status und Prestige. Beim Porsche 911 hingegen könnten sich die Mitarbeiter sagen: "Unser Chef, das ist ein ganzer Kerl!" Weshalb der Marktforscher den Sportwagen jedem mittelständischen Unternehmer wärmstens als Dienstfahrzeug empfiehlt.

Ferdinand Dudenhöffer vertritt dagegen eine geradezu nüchterne Sichtweise. Der Direktor des Center Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen nominierte das Modell 320 CDI Elegance aus der Mercedes-E-Klasse.

"Eine ideale Kombination"

"Eine ideale Kombination für Führungskräfte"

Das bietet für Dudenhöffer die größte Schnittmenge aus innovativer Technik (Bremsassistent, Common-Rail-Turbodiesel-Motor der zweiten Generation), aus hoher Wertbeständigkeit, Solidität und Seriosität: "Eine ideale Kombination für die angepeilte Zielgruppe." Nur der Rußpartikelfilter, ein wichtiger Faktor für die Umweltfreundlichkeit, fehlt. Doch will Mercedes nach der nächsten Modellrenovierung Filter als Extra anbieten.

Am schwersten bei der Auswahl seines Lieblingsmobils machte es sich Henning Wallentowitz, Leiter des Instituts für Kraftfahrwesen an der Technischen Hochschule Aachen. Aus dem Angebot aktueller Serien-Pkw überzeugte den Maschinenbau-Professor kein einziges Modell.

So hat der Ingenieur selbst ein Konzept entwickelt zur Optimierung handelsüblicher Oberklasselimousinen. Besonders wichtig für Wallentowitz waren gut gefederte Einzelsitze im Fond: "Damit Führungskräfte dort leicht und gut lesbar mit der Hand schreiben können."

Obendrein sieht Wallentowitz' Entwurf vor, dass sich der Beifahrersessel um 180 Grad drehen lässt. Der Manager im Fond könnte die Sitzfläche dann leicht zum Hochlegen der Füße nutzen; in Kombination mit einem weit verstellbaren Einzelsitz entstünde eine nahezu vollwertige Liege. Videoschirme für die hinten sitzenden Fahrgäste sollten dann aus der Decke heruntergeklappt werden.

"Ein klasse Auto ohne Allüren"

Freilich verlangt eine derart umgestaltete Innenarchitektur neue Sicherheitssysteme. So müsste der Arbeitstisch im Fond, der in der Tür verankert sein sollte, im Fall einer Kollision schnell weggeklappt werden. Etwa von einer Technik, die auch die Airbags auslöst. Auch die Sicherheitsgurte müssten anders aufgehängt werden - um auch liegende Passagiere zu schützen.

Für manager magazin hat Wallentowitz Teile seines Konzepts probehalber umgesetzt - in einem BMW 750 der alten Baureihe mit langem Radstand.

Warum hat er für seine Studie nicht wenigstens ein Modell der neuen 7er-Serie verwendet? "Der neue 7er ist ein technisch exzellentes Auto", beteuert der Professor, "doch ich kann mich mit seinem Äußeren nicht anfreunden." Auch die übrigen von mm befragten Fachleute meinten, das Design des großen BMW sei missglückt.

Nur eine der üblichen Cheflimousinen konnte die mm-Experten überzeugen: der neue Audi A8. Wolfgang Schulhoff, Kuratoriums-Vorsitzender an der Hochschule im sächsischen Mittweida und Präsident der Handwerkskammer Rheinland, hat das Topmodell aus Ingolstadt nominiert, weil er in dem A8 "ein klasse Auto ohne Allüren" sieht, das "zugleich dem unternehmerischen Anspruch nach Seriosität gerecht wird". Eben das perfekte Dienstauto.

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