Wertewandel Sind die Deutschen zu faul?

Die Bundesbürger arbeiten immer weniger. Der Rückzug in die Freizeitgesellschaft hat dramatische Auswirkungen - der Wohlstand bröckelt.

"Wir können alles schaffen/Genau wie die tollen/dressierten Affen/Wir müssen nur wollen .../Muss ich immer alles müssen, was ich kann/Eine Hand in den Sternen/Die andre im Hintern vom Vordermann/Das ist das Land der begrenzten Unmöglichkeiten ..."

Aus: "Müssen nur wollen" von der Popband "Wir sind Helden"


So klingt der Zeitgeist 2003: deprimiert und laut und lustvoll. Wochenlang war die Berliner Popband "Wir sind Helden" in den Top Ten der Verkaufslisten. "Die Reklamation" heißt ihre CD. Hymnen einer Generation, die das Gefühl hat, nicht gebraucht zu werden, und sich deshalb in Leistungsverweigerung und Konsumkritik flüchtet.

Der deutsche Blues hat sich festgesetzt in den Köpfen.

Eine "Neigung zum Selbstmitleid" beobachtet Florian Illies (32), dessen Buch "Generation Golf 2" die Frustration der einst so motivierten New-Economy-Generation beschreibt: "Plötzlich beginnen wir zu ahnen, dass wir das Beste vielleicht schon hinter uns haben."

Nicht nur die Jungen umwölken düstere Gefühle. Selbst ein knorriger Unternehmer wie Ex-Arbeitgeberpräsident Klaus Murmann (71) kann sich der deutschen Schwermut nicht entziehen: "Ich würde ambitionierten jungen Leuten sagen: Geht nach Amerika. Da könnt ihr euch besser entfalten als im überregulierten Deutschland." Die Diagnose: schwere kollektive Depression.

Ein Zustand, an dem auch erste Zeichen einer leichten Konjunkturbelebung wenig ändern.

Keine westeuropäische Nation blickt derart pessimistisch in die Zukunft. Nur 20 Prozent der Bundesbürger erwarten nach einer EU-weiten Umfrage, dass es ihnen in fünf Jahren besser gehen wird - in Italien, Großbritannien oder Schweden glaubt jeweils rund die Hälfte der Befragten an eine bessere Zukunft.

Die große Mehrheit der Deutschen hingegen ist froh, wenn sie das Erreichte halten kann. Und verhält sich entsprechend: zieht sich ins Private zurück, arbeitet weniger, schränkt sich ein.

Eine "schizophrene Mischung aus Autoritätsgläubigkeit und Anspruchsdenken", diagnostiziert der Münchener Wirtschaftspsychologe Dieter Frey bei seinen Mitbürgern. Statt selbst anzupacken, verharrten sie in einer passiven "freizeitorientierten Schonhaltung".

Die Folgen können aus den Statistiken abgelesen werden: Die Durchschnittsarbeitszeit ist auf einen historischen Tiefststand gesunken. Heute arbeiten die Beschäftigten knapp 250 Stunden - umgerechnet sechs 40-Stunden-Wochen jährlich - weniger als noch vor zwei Jahrzehnten.

Der Rückzug in die Freizeit- und Vorruhestandsgesellschaft hat dramatische Auswirkungen. Jede Volkswirtschaft wächst auf Dauer nur so schnell wie die Menge ihrer Produktionsfaktoren. Und das ultimative Produktionsmittel ist nun einmal der Mensch.

Der Wohlstand gerät in Gefahr

Der Wohlstand gerät in Gefahr

Nur wenn viele Leute mehr wollen - mehr Wohlstand, mehr Ansehen, mehr Macht, mehr Entfaltungsspielraum -, nur dann kann sich eine Nation dauerhaft auf einem ansteigenden Wachstumspfad halten.

Was passiert, wenn die kollektive Schaffenskraft erlahmt, lässt sich in Deutschland besichtigen: Anders als in fast allen anderen hoch entwickelten Ländern ging in den 90er Jahren der Arbeitseinsatz um durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr zurück, wie die Europäische Kommission vorrechnet. Parallel dazu brach das Wirtschaftswachstum ein.

Die Bürger spüren es auf dem Konto. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank sind die Realeinkommen netto - also nach Abzug von Steuern, Abgaben und Inflation - über die 90er Jahre leicht gesunken. Kein Wunder: Wer weniger leistet, kann sich weniger leisten.

Trotz des unübersehbar bröckelnden Wohlstands ist nur eine Minderheit bereit, mehr zu arbeiten, um mehr Geld zu verdienen. Drei Viertel der Bundesbürger verzichten lieber auf zusätzlichen Verdienst, als an Wochenenden zu arbeiten; 93 Prozent wären auch nicht bereit, einen Teil ihres üppigen 30-Tage-Urlaubs abzugeben oder später in Rente zu gehen, so eine aktuelle Umfrage des BAT Freizeit-Forschungsinstituts.

"Wir jammern auf hohem Niveau", sagt Norbert Bensel, Personalvorstand der Bahn. "Es wird geredet, statt die Ärmel hochzukrempeln."

Was ist nur los mit den Deutschen? Früher wurden sie wegen ihres Fleißes und ihrer Disziplin verspottet. Und jetzt: ein Volk von Leistungsverweigerern, satt und träge? Sind die Deutschen faul geworden?

Die Bürger haben sich angepasst an eine arbeitswidrige Umwelt - an einen Sozialstaat, der Leistung kaum noch belohnt; an ein Wohlstandsniveau, das der Mehrheit immer noch ein bequemes Leben ermöglicht; an eine Ideologie, die ihnen jahrzehntelang einhämmerte, dass derjenige, der viel arbeitet, anderen die Jobs wegnimmt.

"Arbeit", sagt Klaus Murmann und lässt einen traurigen Blick in die Ferne schweifen, "steht nicht mehr im Zentrum unseres Seins."

In den 80er Jahren hat er als Arbeitgeberpräsident hinnehmen müssen, dass die IG Metall den Einstieg in die 35-Stunden-Woche durchsetzte. So schlimm wird es schon nicht kommen, dachte er damals: "Es herrschte der Glaube, wir könnten die Produktivität immer weiter steigern. Das würde die kürzeren Arbeitszeiten ausgleichen."

Aber es kam anders: Weil zurückgehende Arbeitszeiten und starre Regulierungen Investitionen hier zu Lande nicht mehr lohnend erscheinen lassen, wandert das Kapital aus. Die Unternehmen beziehen anderswo Quartier. Der bundesdeutsche Kapitalstock wächst praktisch nicht mehr, 2002 nur noch um 1,5 Prozent. In der Folge erlahmt der Produktivitätsfortschritt, die Wirtschaft insgesamt stagniert. Der Wohlstand gerät in Gefahr. Ein Teufelskreis.

Die Flucht der Unternehmen

Die Flucht der Unternehmen

Murmann zum Beispiel beschäftigt in seinem amerikanisch-dänisch-deutschen Konzern Sauer-Danfoss gerade noch 10 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland. Allein am ehemaligen Stammsitz Neumünster hat er 800 Jobs abgebaut und in die Slowakei verlagert. Dort wirtschafte es sich nicht nur billiger, sagt Murmann, bei den Slowaken stehe auch "noch die Arbeit eher im Zentrum des Seins" als hier zu Lande.

Das "materielle Sein", erkannte schon Karl Marx, "bestimmt das Bewusstsein". Und was bestimmt im heutigen Deutschland das materielle Sein? Zum großen Teil der Sozialstaat.

Es lohnt sich kaum noch, viel zu arbeiten. Die so genannte Grenzbelastung (Steuern und Abgaben, die auf jeden zusätzlich verdienten Euro fällig werden) ist in den 90er Jahren erheblich gestiegen - vor allem eine Folge der deutschen Einheit.

Alfred Boss, Fachmann für Finanzpolitik am Kieler Institut für Weltwirtschaft, hat die Grenzbelastung für verschiedene Einkommenshöhen kalkuliert: Ein Angestellter (verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern), der 1993 rund 2300 Euro brutto im Monat verdiente, musste damals von jedem zusätzlich verdienten Euro 49,5 Cent abgeben, 2002 waren es 60 Cent.

Sogar bei Beschäftigten mit niedrigen Einkommen greift der Staat erbarmungslos zu: Ein lediger Alleinverdiener mit 1500 Euro Einkommen im Monat muss 60 Cent von jedem hart verdienten Extra-Euro abgeben.

Das staatliche Abgabensystem entkoppelt Leistung und Bezahlung weitgehend. Für immer mehr Menschen wird Freizeit nicht nur ideell, sondern auch finanziell attraktiv.

Schlimmer noch: Steigende Lohnkosten sorgen dafür, dass Leute mit geringer Produktivität kaum noch Chancen auf einen legalen Job haben.

Mit dem "materiellen Sein" im Sozialstaat hat sich auch das Bewusstsein verändert: Über die Jahrzehnte haben die Deutschen ein zwiespältiges Verhältnis zur Arbeit entwickelt.

Einerseits definieren sich die meisten Bürger nach wie vor über ihre Arbeit. Im Job knüpfen sie soziale Bindungen. Beschäftigte sind heute deutlich zufriedener mit ihrer Arbeit als noch Anfang der 80er Jahre, so eine Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach. Arbeit ist angenehmer geworden, körperlich weniger anstrengend, selbstbestimmter, erfüllender. Erwerbslose empfinden ihre Lage als großes Unglück.

Andererseits: Wer einen Job hat, möchte gern weniger arbeiten. Im Durchschnitt würden die Bürger lieber 30 als 40 Stunden pro Woche schaffen, wie eine Infratest-Studie herausfand.

Sogar hoch Qualifizierte geben sich mit einer 35-Stunden-Woche und entsprechend weniger Geld zufrieden. Ingenieure in der Metall- und Elektroindustrie beispielsweise unterliegen einer strikten Zeiterfassung. Überstunden werden abgebummelt.

Die Perversion der Ökonomie

Die Perversion der Ökonomie

Natürlich, es gibt auch die Supermotivierten, die ausstempeln, zurück an ihren Schreibtisch gehen und weiterarbeiten bis in die Nacht. Aber wehe, der Betriebsrat erfährt davon.

Potenziell hoch Produktive, diejenigen, die eine Gesellschaft voranbringen und Schwächere mitziehen - sie dürfen sich in Deutschland nicht entfalten. Die Perversion der Ökonomie.

Handwerkern und gewerblichen Industriebeschäftigten bleibt der Ausweg in die Illegalität. Und sie gehen ihn auch. Millionen entziehen sich den hohen Abgaben und machen nebenbei ein paar Euro "Otto Rehagel", wie Handwerker gern ihr internes Schwarzarbeitskürzel "O. R." ("Ohne Rechnung") übersetzen.

Fünf bis sechs Millionen Leute in der Bundesrepublik, schätzt der Linzer Ökonom Friedrich Schneider, besserten neben ihrer relativ kurzen regulären Arbeitszeit ihr Einkommen auf: "Das ist die Steuerrevolution des kleinen Mannes."

Der deutsche Steuerstaat polarisiert die Beschäftigung: Einige arbeiten viel und immer mehr, andere weniger oder überhaupt nicht. Problematisch ist, dass die Zahl der Vielarbeiter sinkt, die der Wenig- oder Nichtarbeiter steigt.

Die Trennlinie zwischen beiden Gruppen verläuft keineswegs gerade, sondern so unregelmäßig wie die individuellen Lebensentwürfe.

Ulrich Thelen (52) beispielsweise ist von der Seite der Viel- auf die Seite der Wenigarbeiter gewechselt. Als Teamleiter beim Chemiekonzern Bayer lief er jahrzehntelang auf Hochtouren: 50-Stunden-Wochen in der Firma, nie richtig abschalten, nicht abends, nicht am Wochenende.

"Als ich 50 wurde, habe ich ein Resümee gezogen", erzählt er. "Mir fiel auf, dass viele Dinge zu kurz kamen in meinem Leben, die für mich ganz wichtig sind." Yoga zum Beispiel oder das Engagement in seinem Volleyballklub im Bergischen Land.

Seit zwei Jahren arbeitet Thelen nur noch drei Tage pro Woche. Seine Bezüge haben sich brutto auf 60 Prozent reduziert. Was übrig bleibt, reicht ihm. Haus und Auto sind abbezahlt, weitere Verpflichtungen hat der Junggeselle nicht: "Konsum ist nicht alles." Seinem Arbeitgeber ist Thelens Entscheidung hochwillkommen. Im Juni hat Bayer eine große Teilzeitoffensive gestartet. Wer will, soll seine Arbeitszeit reduzieren dürfen. Das Angebot gilt ausdrücklich auch für Fach- und Führungskräfte.

Bayer, sagt Human-Resources-Leiter Jan Peters, müsse "mit den Personalkosten herunter". Das Ziel: Lieber die Leute mit ihrem Know-how im Betrieb halten, als weitere Arbeitsplätze abbauen.

Ein Beschäftigter möchte mehr Zeit, ein Unternehmen möchte sparen - was soll daran schlecht sein?

Die Alterung der Gesellschaft

Die Alterung der Gesellschaft

Im Einzelfall nichts. Um kurzfristige Auslastungsschwankungen zu überbrücken, sind Arbeitszeitverkürzungen ein sinnvolles Instrument. Als gesamtwirtschaftlicher Langzeittrend hingegen ist die Arbeitszeitverkürzung gefährlich. Die Wirtschaft insgesamt wird weniger leistungsfähig, es gibt weniger Jobs, gerade für Randgruppen des Arbeitsmarktes.

Inzwischen bleibt die Mehrzahl der Bundesbürger vom Produktionsprozess ausgegrenzt. Nur 37 Prozent der Älteren (55 bis 64 Jahre) arbeiten noch, nur gut die Hälfte der gering Qualifizierten, nur 59 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter.

38 Millionen Erwerbstätige ernähren 44 Millionen Erwerbslose. Ein Verhältnis, das sich durch die Alterung der Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten dramatisch verschlechtern wird. Es sei denn, mehr Deutsche arbeiten wieder mehr.

Viele der hochgradig Leistungsbereiten sind hochgradig verunsichert. Wo sind sie geblieben - all die "High Potentials", die noch vor drei, vier Jahren dem neuen Arbeitsethos der New Economy huldigten?

Diejenigen, die noch einen Job haben, sitzen bei den verbliebenen Internet-Läden, Software- und Consulting-Firmen, bei Biotech-Unternehmen und Investmentbanken herum und sind ernüchtert. Ob im vormals Swinging Frankfurt, bei den schicken Hinterhofagenturen in Hamburg und Berlin oder im bayerischen Bio-Valley von Martinsried - Missmut ist eingekehrt in der einstigen Spaßökonomie.

"Die meisten kommen nicht damit zurecht, dass dieser ganze Reichtum an ihnen vorbeigegangen ist", sagt Klaus Zuber (48), ehedem Finanzvorstand der börsennotierten E-Commerce-Firma DCI. "Um das zu verarbeiten, muss man viel autogenes Training machen."

Zuber ist im März bei DCI ausgeschieden. Nach wie vor plant der Ex-Finanzvorstand sein Leben in Quartalen. Zunächst hat er drei Monate "Chill-out-Periode" eingelegt: Luft holen nach den Turbojahren, nach Börsengang, Übernahmen im Ausland und den folgenden traurigen Spar- und Entlassungswellen. Er ist viel Rad gefahren, hat versucht, mit den Erfolgen und den Enttäuschungen ins Reine zu kommen.

Inzwischen ist Zuber im zweiten Quartal angelangt, seiner persönlichen "Restrukturierungsphase", wie er das nennt. Er frischt alte Kontakte auf, arbeitet ein, zwei Tage die Woche bei einem Wirtschaftsprüfer und hofft, dass er bald als Finanzvorstand eines Mittelständlers einen Börsengang vorbereiten kann. Sofort sei er bereit, wieder mit Vollgas zu arbeiten, sagt Zuber.

So geht es vielen aus der New-Economy-Generation: Ausgebremst von Tempo 200 auf 0, warten sie auf ein Signal, dass es wieder losgeht.

Die Generation der 30- bis 45-Jährigen ist womöglich Deutschlands einzige Chance. Sie sind die letzten kopfstarken Jahrgänge. Nach ihnen beginnt die große demografische Zeitenwende, die in den kommenden Jahrzehnten die Bundesrepublik vor noch weit schwerwiegendere wirtschaftliche Probleme stellen wird.

Rückkehr zu alten Tugenden?

Rückkehr zu alten Tugenden?

Immerhin: Ganz allmählich scheint ins Bewusstsein zu sickern, dass der Rückzug aus der Arbeitswelt den Wohlstand gefährdet.

Bei den Umfragen des BAT-Instituts steigt erstmals seit Jahrzehnten die Zahl derjenigen, die wieder bereit sind, mehr zu arbeiten - auch wenn sie noch eine verschwindend kleine Minderheit sind.

Eine "stärkere Leistungsorientierung, gerade bei Jungakademikern", ortet Gerd Gerdes, Personalchef von Airbus in Bremen. In den vergangenen drei Jahren, Spätfolge der New Economy, habe sich das Klima gewandelt: "Gelegentlich herrscht eine anregende und engagierte Atmosphäre, wie bei 'Jugend forscht'."

Post-Chef Klaus Zumwinkel lässt mehr arbeiten. Vor wenigen Wochen vereinbarte er mit der Gewerkschaft Verdi: Die Postler müssen künftig auf zwei Feiertage, den 24. und den 31. Dezember, verzichten; die 38,5-Stunden-Woche wird beibehalten; und wer möchte, kann seine Arbeitszeit individuell auf 48 Stunden pro Woche erhöhen - bei entsprechendem Mehrverdienst.

Mit der zusätzlichen Arbeitsleistung will Zumwinkel die Post wachsen lassen. Der Umsatz soll steigen, neue Geschäftsfelder sollen erschlossen werden. "Es ist meine tiefste Überzeugung", sagt Zumwinkel, "dass ein Unternehmen, eine Branche oder eine Volkswirtschaft nur vorankommt, wenn mehr gearbeitet wird."

Die Dortmunder Harpen AG, eine rasch wachsende RWE-Tochter, will ab 2004 die Wochenarbeitszeit von 38 auf 39 Stunden ausdehnen - und dafür den Beschäftigten den Lohn um 3,9 Prozent erhöhen. Bei den Kollegen sei das Ansinnen der Geschäftsführung durchaus willkommen, sagt der Betriebsratsvorsitzende Uwe Sypllie: "Die Abgabenbelastung steigt, und wenn man sieht, was alles noch kommen könnte - da möchten viele Kollegen lieber mehr arbeiten und verdienen."

Allmählich scheint sich etwas zu ändern im Land. Ein bisschen zumindest. Late-Night-Star Harald Schmidt sendet jetzt an fünf statt vier Abenden pro Woche ("aus Liebe zu Deutschland"). In den neuen Ländern scheiterte der Metaller-Streik für die 35-Stunden-Woche, weil die Belegschaften nicht mitzogen.

Ist das die Trendwende? Die Rückkehr zu alten Tugenden? Das Aufbäumen im "Land der begrenzten Unmöglichkeiten", wie die Popgruppe "Wir sind Helden" höhnt? Möglich. Wir müssen nur wollen.


Die Wohlstandstreiber

Analyse: Was Volkswirtschaften gedeihen lässt

Drei Faktoren bestimmen, wie schnell eine Wirtschaft auf Dauer expandieren kann: wie viel gearbeitet wird, wie viel Kapital investiert wird und wie produktiv Arbeit und Kapital eingesetzt werden (technischer Fortschritt).

Die Grafik zeigt, in welchem Ausmaß diese drei Faktoren jeweils das "Potenzialwachstum" bestimmt haben - wie viele Prozentpunkte sie also zum Wachstum des Produktionspotenzials beigetragen haben.

In Deutschland trägt der Arbeitseinsatz (graue Kurve) seit zehn Jahren kaum noch zum Wachstum bei. Parallel schrumpfte der Produktivitätszuwachs (blau), schließlich auch der Zuwachs an Investitionen (schwarz). Ein Teufelskreis.

Im gleichen Zeitraum trieb in der EU insgesamt ein ansehnlicher Beschäftigungsaufbau das Wachstum an. In den USA sorgte ein Investitions- und Produktivitätsschub für Dynamik.

US-Forscher: "Deutsche Champions im Nichtarbeiten" Freizeit-Studie: Wie wir uns künftig verlustieren


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