Testament Das Vermächtnis

Wie Lidl-Patriarch Dieter Schwarz für die Zeit nach seinem Tod vorsorgt
Von Steffen Klusmann und Petra Schlitt

Die Gegenwart:

Vor vier Jahren hat sich Dieter Schwarz aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und sein Unternehmen neu strukturiert. Die beiden Teilfirmen Lidl und Kaufland wurden in Stiftungen eingebracht.

Indirekt hat Schwarz aber nach wie vor Zugriff auf sein Imperium. Den Großteil des Immobilienbesitzes versteckt der Milliardär in einer Parallelgesellschaft, die ihm allein gehört. So bleibt offen, ob die Bilanzen der Vertriebstöchter via vergünstigte Mieten unter Marktpreis - vor allem bei teuren Innenstadtlagen - schöngerechnet werden.

Die Zukunft: Die Immobilien von Lidl und Kaufland, die bisher noch in einer eigenständigen Gesellschaft (SIV) gebündelt sind, gehen zu 100 Prozent in den Besitz der Stiftungen über.

Die Erträge aus dem Filialgeschäft fließen an die "Dieter Schwarz gemeinnützige Stiftung", die sich selbst gehören wird. Die Kaufland- und Lidl-Stiftungen werden zu Holdinggesellschaften mit der Rechtsform einer GmbH.

Damit kann niemand mehr unbefugt eingreifen, und das Geld verbleibt im Unternehmen. Der starke Mann bei der Treuhand KG, der obersten operativen Einheit, wird Klaus Gehrig. Er wird dort einer der beiden persönlich haftenden Komplementäre.


Verdis Erzfeind

Wie Schwarz Betriebsräte aus seinem Konzern fern hält

Erster Versuch: Auf der Liste der ärgsten Feinde steht Dieter Schwarz bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ganz oben. Der Handelskonzern gilt dort als "bewusst geschaffenes Nirvana".

Bis auf einige Lidl-Lager gibt es in der Lidl & Schwarz-Gruppe keine Arbeitnehmervertreter. Betriebsratswahlen werden boykottiert, indem das Unternehmen Namenslisten der Angestellten unter Verschluss hält. Bei Mitarbeiterversammlungen tauchen Lidl-Manager zur Abschreckung gleich im Rudel auf. Notfalls splittet Schwarz eine Gesellschaft einfach in viele kleinere auf, um eine Wahl zu verhindern.

Neuer Plan: Die Gewerkschafter geben nicht auf. "Es kann doch nicht sein, dass ein Milliardenkonzern so intransparent ist", heißt es bei Verdi. "Da muss etwas passieren."

Seit Monaten arbeiten Juristen an der Erstellung eines detaillierten Konzern-Organigramms. Akribisch sammeln sie Amtsgerichtsmeldungen und versuchen so, das Geflecht aus 400 bis 500 GmbH nachzuzeichnen.

Die Fleißarbeit soll eine Basis für Gespräche mit Lidl bilden. Treffen mit Gewerkschaftern lehnte Dieter Schwarz bisher kategorisch ab. Er lässt ausrichten, er sei nicht mehr zuständig.

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