Sonntag, 18. August 2019

Golf in Irland Abschlag zwischen Wind und Wasser

An der schroffen, mäandernden und dabei märchenhaft schönen Westküste der grünen Insel liegen die anspruchsvollsten Greens der Welt. Heftige Winde, knietiefe Roughs und hohe Dünen verheißen letzte Abenteuer.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Eddie Hackett von der kleinen Stadt Belmullet händeringend um Hilfe gebeten wurde. Die Bürger wollten Touristen in das weitläufige, vom Meer und Wind zerzauste Ödland im Nordwesten von Irland locken und sahen in dem renommiertesten Golfplatzarchitekten des Landes ihren Retter.

Lange Tradition: In den Dünen von Lahinch an Irlands Küste wird seit über 100 Jahren Golf gespielt
Hackett ging zwar schon auf die 80 zu, war aber dennoch bereit, sich der Sache anzunehmen.

Als der gläubige Katholik von einem ersten Spaziergang durch die Dünen zurückkehrte, wurde er ganz pathetisch: "Wenn der Herrgott jemals ein Gelände für einen Golfplatz aussuchen würde, dann dieses."

Hackett übernahm das Projekt und formte - honorarfrei - sein Vermächtnis aus den tiefen Mulden und sanften Kuppen, den Carne Golf Course. Er tat es unter einer Bedingung: "Niemand darf etwas verändern. Die Natur hat dazu tausende von Jahren gebraucht, ich will nicht, dass es von Bulldozern zerstört wird."

"An jeden einzelnen Schlag erinnern"

Der Platz von Carne ist nicht das einzige Naturereignis an Irlands schroffen Küsten mit ihren Dünenlandschaften, die im englischen "links" genannt werden und als das Urmilieu des Golfspiels gelten. Keine andere Region - nicht einmal das viel gepriesene Schottland - bietet eine solche Fülle von anspruchsvollen Plätzen direkt am Meer wie die grüne Insel.

Die besten haben jene spektakuläre Mischung aus hartnäckigen, böigen Winden mit Geschwindigkeiten von über 50 Stundenkilometern und einer herrlichen Sicht auf die Brandung und den Ozean. Sie besitzen schnelle Fairways und Grüns und knietiefe Roughs, die das Spiel zu einer körperlichen und mentalen Herausforderung machen.

Und sie erfüllen das Kriterium, das nach Meinung des ehemaligen British-Open-Siegers Greg Norman, des Architekten vom Course in Doonbeg, gute Plätze auszeichnet: Diese müssten so "abwechslungsreich" sein, "dass man sich lange noch an jeden einzelnen Schlag erinnert".

Bei dem hoch gelobten Kleinod unweit von Shannon war das gar nicht so leicht umzusetzen. Und zwar nicht, weil dem Australier Norman besorgte Umweltschützer ins Handwerk pfuschen wollten; sondern weil die riesige abgelegene Schafweide eine Unmenge an Variablen bot: "Wir hätten zehn verschiedene Layouts aus dem Gelände herausholen können", erinnert sich Norman. "Es war wirklich schwierig, sich auf eine Linie zu konzentrieren."

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