Porsche Cayenne Bruder Bleifuß

Der Porsche Cayenne ist beides: Sport- und Geländewagen. Doch sein Turbomotor schluckt enorm viel Sprit. mm-Testerin Katharina le Thierry, Deutschland-Chefin der Uhrenmarke Ebel, hatte dennoch Spaß.

Katharina le Thierry d'Ennequin (39) hält mit Einsichten nicht hinterm Berg: "Dies ist der Porsche für die Gattin", sagt die Nordeuropa-Geschäftsführerin der Nobeluhrenmarke Ebel, noch bevor sie sich auf den Hochsitz des Cayenne-Cockpits geschwungen hat.

Ein kurzer Blick über die Ein- und Ausstiegszonen vor Kindergärten und Grundschulen genüge, so die allein erziehende Mutter eines Sechsjährigen, und sie wisse, wer die derzeit so gefragten Allradkarossen der deutschen Nobelmarken tatsächlich nutze: "Die Ehefrauen der Manager, Chefärzte und Unternehmensberater, die sich die teuren Geländewagen als Spielzeug kaufen. Die dann aber keine Zeit zum Spielen haben."

In Wirklichkeit, so Katharina le Thierry, würden die so genannten Sport Utility Vehicles ("SUVs") hauptsächlich für Einkäufe benutzt, "fürs Kutschieren der Kinder in die Ballettstunde und für die Fahrt in den Tennisklub. Auf normalen Straßen."

Dennoch gefällt ihr der wuchtige Cayenne auf Anhieb: Sie mag die erhöhte Sitzposition des SUV, die ihr ein Gefühl von Souveränität gibt: "Im Stau wie im zügigen Dahingleiten."

Katharina le Thierry lobt auch die schwungvolle Linienführung der Cayenne Karosserie, die den Wagen von der Quaderform seiner Wettbewerber abhebt - und die großen Kühleröffnungen, die dem Wagen ein markantes Gesicht geben, sowie das edle Leder im Innenraum.

Keine Angst, sich schmutzig zu machen: Der Cayenne ist nicht nur ein edles Straßengefährt

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Wundervolle Aussichten: Im Gelände findet der Cayenne die Wege zu den schönsten Orten

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Heißes Gefährt in heißer Umgebung: Als echtes Multitalent findet der Cayenne auch in der Wüste seinen Weg

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Foto: Porsche
Sicher am Abgrund: Der Cayenne fährt sich, dank höchst kultivierten V-Acht-Motors, schnell und sicher wie ein Sportwagen

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Mit hochwertigen Materialien kennt sich die Managerin aus: Die Schweizer Uhrenmarke Ebel, seit 1999 ein Teil des LVMH-Konzerns, verkauft reinen Luxus. Die Klientel, so le Thierry, sei "großteils schmerzfrei" in Bezug auf die Preisgestaltung durchaus hilfreich bei Modellen, die bis zu 250.000 Euro kosten.

Entsprechend ungerührt bleibt die geschiedene Düsseldorferin (den französischen Familiennamen übernahm sie bei der Heirat) bei dem Gedanken an den ebenfalls sechsstelligen Verkaufspreis des Cayenne: "Wer eine Nobelmarke will, muss das auch bezahlen", sagt die erfahrene Marketingfrau, die bei sich selbst "ein beachtliches Porsche-Potenzial" erkennt: "Für den Klassiker, den 911er, und nur, wenn ich für den Alltag meinen Kombi behalten kann."

Lücken in der Luxuslinie

Lücken in der Luxuslinie

Als Dienstwagen fährt Katharina le Thierry einen Audi A 6 Avant quattro. Den hat sie sich als Turbodiesel bestellt: "Damit ich an der Ampel zügig beschleunigen kann - und auf längeren Strecken flott durchkomme." Auch den Cayenne fährt sie auf der leeren Autobahn von München nach Garmisch immer mit mehr als 200 Stundenkilometern.

Dabei bewundert sie den kernigkehligen, doch nicht zu lauten Motorsound ("typisch Porsche") - und stört sich an den enormen Windgeräuschen: "Man kann sich nicht unterhalten, ohne die Stimme zu heben."

In den Serpentinen der steilen Gebirgssträßchen zwischen Garmisch und Kochel schaltet Katharina le Thierry die Sechs-Gang-Automatik munter per Tiptronic - und lobt das Temperament, den durch alle Drehzahlbereiche gleichmäßigen Durchzug des 450-PS-Motors: "Der Cayenne fährt sich wie ein Sportwagen."

Vor allem lobt sie, wie weich sich der Turbo zuschaltet: "Ohne Verzögerung und ohne Rückstoß." Allerdings wundert sie sich, dass der Verbrauch, wie der Bordcomputer anzeigt, permanent bei über 20 Liter je 100 Kilometer liegt: "Das ist eindeutig zu viel, passt nicht in unsere Zeit von Umweltschutz und Ressourcenschonung."

Insgesamt zeigt sich Katharina le Thierry beeindruckt von der Behändigkeit des 2,3-Tonners, der sich trotz seines hochbeinigen Fahrwerks und seiner anabolisch anmutenden Reifenwalzen leicht und agil durch die engen Kurven jagen lässt.

Beim Aussteigen vor der LVMH-Villa im Münchener Westen fallen der Spezialistin für wertbeständige Mikromechanik dann noch einige Lücken auf in der Luxuslinie des größten Porsche-Modells: Die silbrige Plastikabdeckung vor den Schaltern der Klimaautomatik, der Knopf zur Bedienung der Lendenstütze im Sitz, vor allem aber die Typografie des Tachos und das Design des Hauptinstruments erscheinen Katharina le Thierry "plempig". Auf hochdeutsch: billig.

Da, kritisiert die Managerin, lasse der Cayenne doch die gemeinsame Plattform mit dem neuen Volkswagen-SUV Touareg erkennen - als unstandesgemäße Verwandtschaft.

Einen Ausflug in unwegsames Gelände hat Katharina le Thierry übrigens mit Absicht unterlassen. "Dort fahre ich auch sonst nicht hin", sagt sie nüchtern. "Was sollte ich dort?"

manager-magazin-Fazit

manager-magazin-Fazit: Entweichende Winde

Der Cayenne bestätigt die alte Regel: Porsche polarisiert. Geliebt wird das neue Topmodell wegen seines drehfreudigen und zugleich höchst kultivierten V-Acht-Motors. Oder wegen der computergesteuerten Luftfederung, die jedes Wanken oder Nicken souverän unterbindet.

Auch wegen der Bremsen, die den 2,3-Tonner selbst aus 266 Stundenkilometern sanft und zugleich sicher abfangen. Oder wegen der Scheinwerfer, die beim Kurvenfahren um die Ecke leuchten.

Doch zugleich enttäuscht der Cayenne auch eingeschworene Porsche-Fans. Etwa durch den skandalösen Verbrauch des Turbomotors: beim mm-Test auf der Autobahn über 25 Liter je 100 Kilometer. Durch die viel zu harte Fahrwerkabstimmung.

Nur im "Komfort"-Modus ist die Dämpfung einigermaßen erträglich. Und durch unzuverlässige Komponenten: Beim mm-Testwagen setzte immer wieder das Radio aus.

Früher, als Porsche kleine, leichte Sportwagen baute, drangen beim Abstellen sexy Geräusche aus dem Inneren: Der Boxermotor, von der schieren Bewegung erhitzt wie ein Vollbluthengst, knisterte beim Abkühlen scharf und verheißungsvoll unter der Heckklappe.

Heute baut Porsche den großen, übergewichtigen Cayenne für ebensolche Käufer im US-Markt. Auch der Cayenne gibt beim Abstellen bisweilen Geräusche von sich: Dann lässt die pneumatische Federung Luft ab. Es klingt matt und satt und unappetitlich - wie entweichende Darmwinde.


Technik: Fünfsitzige, allradgetriebene Geländelimousine; V-Acht-Zylinder-Turbomotor mit 331 kW/450 PS aus 4511 ccm. Sechs-Stufen-Automatik (inklusive Kriechgang) mit Tiptronic.

Fahrwerte: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,6 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit 266 km/h.

Verbrauch: 15,7 Liter je 100 Kilometer (EU-Norm); mm-Testverbrauch: durchschnittlich 22,8 Liter je 100 Kilometer.

Grundpreis: 99.876 Euro.

Serienausstattung (Auswahl): Einparkhilfe, ESP, Tempomat, Lederausstattung, Leichtmetallräder, Xenonlicht, Bose-Soundsystem, Navigator.

Sonderausstattung (Auswahl): Elektrisches Schiebedach (1090 Euro), Reifendruck-Kontrollsystem (592 Euro), 20-Zoll-Räder (1717 Euro).

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