Dienstag, 15. Oktober 2019

Frische Uhren Was die Stunde schlägt

Fliegeruhren, Taucheruhren - und die Wende zur klassisch-schlichten Anzuguhr für den Abend. manager magazin zeigt die Trends und Innovationen der Messen in Basel und Genf.

"Größer, teurer und nur wenige schöne Innovationen", maulte stilbewusst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im vergangenen Jahr noch über das Angebot, das den Liebhabern kostbarer Uhren auf den großen Frühjahrsmessen der Zeitnehmerzunft in Basel und Genf geboten wurde. "Vor allem auffällig" seien die Neuerungen ausgefallen.

Jubelstück für Luftfahrer: Zum 100. Geburtstag der Fliegerei bringt Breitling den Chronometer "Montbrillant 1903" heraus, dessen zweifarbiges Zifferblatt sogar die klassischen Logarithmen-Skalen des berühmten kreisförmigen Rechenschiebers zur Ermittlung von Flugdaten zeigt
In der Tat waren etliche Modelle für den (armstarken) Herrn zu schwerem Gerät mit Zifferblattdurchmessern von sagenhaften 44 und 46 Millimetern angewachsen - als gelte es eine Sehschwäche auszugleichen oder eine Hantel zu ersetzen.

Auch an allerlei zierendem Beiwerk war nicht gespart, die kraftstrotzende Persönlichkeit des Trägers zu unterstreichen.

Die frohgemute Üppigkeit, so scheint es, ist in diesem Jahr auf dem Rückzug. In den großzügigen Hallen an den Ufern des Rheins und des Lac Léman, Schaustätten der internationalen Haute Horlogerie, sprießt statt ihrer allenthalben - noch als zartes Pflänzchen zwar - eine neue noble Schlichtheit.

Neben dem lauthals bunten Zifferblatt mit fetten Zahlen das klassisch perlmuttglänzende Gesicht mit schlanken Zeigern. Neben wuchtigen Stahlgehäusen schwebeleichte Fassungen in zurückhaltend-eleganter Formensprache.

 Luxussportuhr: Der Aquagraph von TAG Heuer soll als Unterwasser-Zeitnehmer dem professionellen Taucher auch noch in 500 Metern Tiefe treue Dienste leisten  wie jetzt die "Grande Seconde" von Jaquet Droz  Rückseite mit Räderwerk: Nur 500 Exemplare gibt es von der neuen "Reverso Platinum Number Two" aus dem Haus Jaeger-LeCoultre, die mit kostbaren Komplikationen wie einem Minuten-Tourbillon, Weltzeituhr und ewigem Kalender geschmückt ist  Zeitfenster im Quadrat: Eine neue Version seines ewigen Kalenders mit Anzeigen für Wochentag, Monat und die Mondphase stellt der Genfer Uhrmacher Roger Dubuis vor

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Der Grund des geheimnisvollen Bildwechsels: Ein neuer Trend macht von sich reden, die Wiederkehr der feinen Uhr für den Abend, auf Neudeutsch Dress Watch geheißen.

Hinter dieser Rückkehr zu Bewährtem steckt der nahe liegende, wiewohl oft missachtete Gedanke, dass die Taucheruhr sicher zum Tauchen, die Fliegeruhr sehr wohl für die Lüfte und die Marineuhr exzellent für den Segelsport geeignet ist. Dass diese Zeitmaschinen zu Smoking und Soirée aber eher eine unglückliche Figur machen. Und deshalb eine flache, kultivierte, wenn möglich goldene Hülle für das eher kleine mechanische Werk her muss.

Wie sie etwa die neue "Cellinium" aus dem Hause Rolex bietet, die - schwarzes Zifferblatt und kleine Sekunde - ihr kostbares Inneres gar in einer Platinbehausung verbirgt. Oder die "Grande Seconde" des Herstellers Jaquet Droz aus der Swatch Group, deren nüchternes elfenbeinfarbenes Doppelzifferblatt auf Taschenuhren zurückgeht; chinesische Mandarine und indische Maharadschas haben so etwas einst getragen.

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