Frische Uhren Was die Stunde schlägt

Fliegeruhren, Taucheruhren - und die Wende zur klassisch-schlichten Anzuguhr für den Abend. manager magazin zeigt die Trends und Innovationen der Messen in Basel und Genf.
Von Hanno Pittner und Klaus Ahrens

"Größer, teurer und nur wenige schöne Innovationen", maulte stilbewusst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im vergangenen Jahr noch über das Angebot, das den Liebhabern kostbarer Uhren auf den großen Frühjahrsmessen der Zeitnehmerzunft in Basel und Genf geboten wurde. "Vor allem auffällig" seien die Neuerungen ausgefallen.

In der Tat waren etliche Modelle für den (armstarken) Herrn zu schwerem Gerät mit Zifferblattdurchmessern von sagenhaften 44 und 46 Millimetern angewachsen - als gelte es eine Sehschwäche auszugleichen oder eine Hantel zu ersetzen.

Auch an allerlei zierendem Beiwerk war nicht gespart, die kraftstrotzende Persönlichkeit des Trägers zu unterstreichen.

Die frohgemute Üppigkeit, so scheint es, ist in diesem Jahr auf dem Rückzug. In den großzügigen Hallen an den Ufern des Rheins und des Lac Léman, Schaustätten der internationalen Haute Horlogerie, sprießt statt ihrer allenthalben - noch als zartes Pflänzchen zwar - eine neue noble Schlichtheit.

Neben dem lauthals bunten Zifferblatt mit fetten Zahlen das klassisch perlmuttglänzende Gesicht mit schlanken Zeigern. Neben wuchtigen Stahlgehäusen schwebeleichte Fassungen in zurückhaltend-eleganter Formensprache.

Luxussportuhr: Der Aquagraph von TAG Heuer soll als Unterwasser-Zeitnehmer dem professionellen Taucher auch noch in 500 Metern Tiefe treue Dienste leisten

Luxussportuhr: Der Aquagraph von TAG Heuer soll als Unterwasser-Zeitnehmer dem professionellen Taucher auch noch in 500 Metern Tiefe treue Dienste leisten

Rückseite mit Räderwerk: Nur 500 Exemplare gibt es von der neuen "Reverso Platinum Number Two" aus dem Haus Jaeger-LeCoultre, die mit kostbaren Komplikationen wie einem Minuten-Tourbillon, Weltzeituhr und ewigem Kalender geschmückt ist

Rückseite mit Räderwerk: Nur 500 Exemplare gibt es von der neuen "Reverso Platinum Number Two" aus dem Haus Jaeger-LeCoultre, die mit kostbaren Komplikationen wie einem Minuten-Tourbillon, Weltzeituhr und ewigem Kalender geschmückt ist

Zeitfenster im Quadrat: Eine neue Version seines ewigen Kalenders mit Anzeigen für Wochentag, Monat und die Mondphase stellt der Genfer Uhrmacher Roger Dubuis vor

Zeitfenster im Quadrat: Eine neue Version seines ewigen Kalenders mit Anzeigen für Wochentag, Monat und die Mondphase stellt der Genfer Uhrmacher Roger Dubuis vor


Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Der Grund des geheimnisvollen Bildwechsels: Ein neuer Trend macht von sich reden, die Wiederkehr der feinen Uhr für den Abend, auf Neudeutsch Dress Watch geheißen.

Hinter dieser Rückkehr zu Bewährtem steckt der nahe liegende, wiewohl oft missachtete Gedanke, dass die Taucheruhr sicher zum Tauchen, die Fliegeruhr sehr wohl für die Lüfte und die Marineuhr exzellent für den Segelsport geeignet ist. Dass diese Zeitmaschinen zu Smoking und Soirée aber eher eine unglückliche Figur machen. Und deshalb eine flache, kultivierte, wenn möglich goldene Hülle für das eher kleine mechanische Werk her muss.

Wie sie etwa die neue "Cellinium" aus dem Hause Rolex bietet, die - schwarzes Zifferblatt und kleine Sekunde - ihr kostbares Inneres gar in einer Platinbehausung verbirgt. Oder die "Grande Seconde" des Herstellers Jaquet Droz aus der Swatch Group, deren nüchternes elfenbeinfarbenes Doppelzifferblatt auf Taschenuhren zurückgeht; chinesische Mandarine und indische Maharadschas haben so etwas einst getragen.

Die Jagd nach Komplikationen

Die Jagd nach Komplikationen

Außer der Neigung zu solcherlei Neoklassik regiert immer noch die Jagd nach neuen Komplikationen das Angebot, insbesondere das der Schweizer Aussteller. So brilliert Patek Philippe aus Genf mit einem Zehn-Tage-Tourbillon unter der Typnummer "Ref. 5101P".

Dieses bringt das Kunststück fertig, in einem Chronometer mit enormer Kraftreserve noch einen wild wirbelnden feinstmechanischen Schwerkraftausgleich vorzuhalten. Neue Tourbillon-Entwicklungen bieten auch Jaeger-LeCoultre aus Le Sentier mit der "Platinum Number Two" und Piaget aus La Côte-aux-Fées mit seinem "Emperador"-Modell.

Aus "unstillbarem Verlangen nach Innovation", so die Eigenwerbung, hat der Hersteller Roger Dubuis einen ewigen Kalender mit vier Fenstern entwickelt - eine Komplikation aus 184 Einzelteilen, die Mondphase, Wochentag und Datum angibt.

Dem ewigen Kalender hat der Uhrmacher Harry Winston eine zweite Zeitzone hinzugefügt, so dass auf dem ansehnlich gestalteten Zifferblatt noch vier kleine, kreisförmige Anzeigen untergebracht sind. Ganze 100 Exemplare gibt es von dem Schmuckstück.

Ein Klassiker kommt derweil zu neuen Ehren: Die Fliegeruhr kann in diesem Jahr an das Jubiläum der Brüder Wright anknüpfen, die vor 100 Jahren erstmals ein Motorflugzeug in die Luft brachten.

Klassiker: Die neue "Mark XV"-Fliegeruhr von IWC präsentiert sich schlicht mit drei Zeigern

Klassiker: Die neue "Mark XV"-Fliegeruhr von IWC präsentiert sich schlicht mit drei Zeigern

Automat mit Mondphase: Die "PanoMaticLunar" von Glashütte Original mit neu entwickeltem Kaliber zeigt gewohnt asymmetrisches Design

Automat mit Mondphase: Die "PanoMaticLunar" von Glashütte Original mit neu entwickeltem Kaliber zeigt gewohnt asymmetrisches Design

Glockenton: Die Weckeruhr "GMT" von Blancpain verfügt über eine Fülle von Informationen wie etwa die zweite Zeitzone - und eine Weckmelodie von überirdischem Klang

Glockenton: Die Weckeruhr "GMT" von Blancpain verfügt über eine Fülle von Informationen wie etwa die zweite Zeitzone - und eine Weckmelodie von überirdischem Klang


Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Allein die Schaffhausener Manufaktur IWC, seit Mitte der 1930er Jahre auf Fliegeruhren spezialisiert, ist mit vier Modellen einer neuen Serie dabei. Die Uhren tragen den Namen des britischen Jagdeinsitzers Spitfire, Paradewaffe der Luftschlacht um England.

Im vergangenen Jahr haben sich auch die einst in Berlin-Friedenau ansässigen Askania-Werke des Mechanikus Carl Bamberg auf ihre alte Tradition besonnen. Sie produzieren Pilotenuhren wie einst, benannt nach Flugzeuglegenden der Pionierzeit.

Eigens zum Jubiläum entwickelte das Uhrenunternehmen Breitling, beheimatet im schweizerischen Grenchen, eine Spezialserie unter dem Namen "Montbrillant 1903".

Der Chronograf, der in ziffernreichem Retrodesign daherkommt, trägt auf der Rückseite die Silhouette des Flyer I, des Flugvehikels, mit dem Orville Wright seinen zwölf Sekunden währenden Sprung vom Boden schaffte. Ein Hopser, der (auch) Uhrengeschichte machen sollte.

Wristomo: Im Land der aufgehenden Uhren Klassiker: Uhren mit großer Tradition Glashütter Unruh: Gute Werke aus Sachsen


Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.