Donnerstag, 23. Mai 2019

Interview Klassiker für den Einsteiger

Was macht eine gute Uhr aus? Worauf muss der Käufer achten? Wohin geht der Trend? Händler Hellmut Wempe gibt Antworten.

mm:

Besitzen Sie eine Uhr, die über die Generationen weitergereicht wird, eine Art Familienerbstück?

Wempe: Ich habe von meinem Vater eine Uhr geerbt, eine Jaeger-LeCoultre, die mir misslicherweise vor vielen Jahren verloren gegangen ist. Darüber bin ich heute noch traurig. Früher besaß die Familie eine Sammlung von Uhren, die wir aber 1947 nach Amerika verkauft haben als Startkapital, um nach dem Krieg wieder anfangen zu können. Jetzt sind wir dabei, ein kleines Museum mit alten Stücken aufzubauen.

 Profil Hellmut Wempe (70) wurde in Hamburg geboren. Nach der Mittleren Reife besuchte er die Fachschule École Supérieure de Commerce in Neuchâtel. 1950 trat er in das väterliche Unternehmen "Gerhard D. Wempe Juwelier und Feinuhrmacher seit 1878" ein. Nach dem Tod des Vaters übernahm er 1963 die Geschäftsleitung. Hellmut Wempe ist verheiratet und hat eine Tochter. In seiner Freizeit liest er deutsche Klassiker und hört am liebsten Musik von Haydn.
Paul Schirnhofer
Profil

Hellmut Wempe (70) wurde in Hamburg geboren. Nach der Mittleren Reife besuchte er die Fachschule École Supérieure de Commerce in Neuchâtel. 1950 trat er in das väterliche Unternehmen "Gerhard D. Wempe Juwelier und Feinuhrmacher seit 1878" ein. Nach dem Tod des Vaters übernahm er 1963 die Geschäftsleitung.

Hellmut Wempe ist verheiratet und hat eine Tochter. In seiner Freizeit liest er deutsche Klassiker und hört am liebsten Musik von Haydn.
mm: Ihr Unternehmen, eines der größten Handelshäuser für feine Uhren, wird 125 Jahre alt. Wie schafft ein Unternehmen dieser Branche eine solche Lebensdauer?

Wempe: Es ist furchtbar einfach, wenn es sich um ein Familienunternehmen handelt, in dem sich die Beteiligten einig sind und in dem der jeweilige Erblasser dafür sorgt, dass die Firma nicht in viele Linien zerfleddert.

mm: Sie unterhalten 26 Geschäfte und fassen, wie man hört, weitere Standorte ins Auge, vermutlich auch in osteuropäischen Metropolen. Das Geschäft mit der Luxusuhr läuft?

Wempe: Lassen wir die letzten Monate mal beiseite, dann übt die mechanische Uhr mit einem Werk aus hunderten von Einzelteilen, mit vielen Komplikationen, Datenanzeigen, Mondstellungen und immer währendem Kalender eine enorme Faszination aus ...

mm: ... für die es im Zeitalter digitaler Zeitmessung kaum einen rationalen Grund gibt.


 Jaeger-Lecoultre - Reverso Grande Taille, Rotgold, Handaufzug, vergriffen  A. Lange & Söhne - 1815 Side Step, Platin, Handaufzug, Saphirglasboden, nur noch wenige Exemplare  Nomos - Tangente, Edelstahl, Handaufzug, nur noch wenige Exemplare  IWC - Fliegeruhr, Edelstahl, Automatik, vergriffen

Limitierte Wempe-Jubiläums-Edition I:
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Wempe: Wir hatten vor 30 Jahren eine große Sorge, als die Quarzuhr sich mehr und mehr durchsetzte und Ostasien in der Fertigung immer wichtiger wurde: Wo geht das hin mit der mechanischen Uhr? In dieser Situation haben glücklicherweise die maßgeblichen Firmen große Anstrengungen unternommen. Mit dem Erfolg, dass die traditionelle Technik sich wieder durchgesetzt hat. Auch wenn eine mechanische Uhr nie so genau geht wie eine Quarzuhr. Wir haben es bei der Uhr immer mit sehr vielen Gefühlen zu tun - der Liebe, der Freundschaft, der Zusammengehörigkeit, manchmal auch des schlechten Gewissens. Und die drückt man am ehesten mit Kleinodien der Handwerkskunst aus.

mm: Mittlerweile scheinen auch Kriege und Börsenkatastrophen dem Geschäft mit der guten Uhr wenig anhaben zu können?

Wempe: Sicher, wir haben ein ganz schwieriges Jahr hinter uns. Aber es gibt immer Menschen, die sich Preziosen leisten können. Und es gibt auch einen internationalen Ausgleich: Wenn einige Länder mal nicht so funktionieren, dann springt eine andere Region ein oder umgekehrt.

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