Chronographen Die Uhr-Macher

In Basel und Genf feiert die Haute Horlogerie alljährlich stolz ihre Erfindungen und Komplikationen. manager magazin stellt die Männer hinter den großen Marken vor. Die sagen, was sie an einer Spitzen-Uhr schätzen.
Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner

Zwei Zeiger und ein Zifferblatt zur Zeitmessung - von wegen: Die Uhr von heute kann, digital hochgerüstet, Farbfotos knipsen, die Pulsfrequenz messen, Telefongespräche ermöglichen sowie Adressen und Termine verwalten.

Und ihrem Träger selbst geografische Orientierung liefern. Per GPS-Messung erfährt er, wohin ihn der Weg führt. Etwa nach 330 Grad Nord-Nordost.

Derlei Innovationen verdanken sich zahllosen Epigonen der Ingenieur- und Uhrmacherkunst, die einst vom Vater aller guten Werke begründet wurde - Abraham-Louis Breguet.

Der Schweizer aus dem damals preußischen Neuenburg stellte zwischen 1780 und 1815 insgesamt 22 große Neuerungen vor, die die Uhrmacherei revolutionierten. Darunter die Stoßsicherung und das Tourbillon, das die Wirkung der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit aufhebt.

Und die Nachfahren des begnadeten Feinmechanikers heute - wer sind sie, was treibt sie an?

Unbeirrt den Spuren des Meisters folgen traditionsreiche Manufakturen wie Patek Philippe in Genf, ein Familienunternehmen in der dritten Generation, geführt von Patron Philippe Stern.

Oder A. Lange & Söhne im sächsischen Glashütte, die vom gelernten Ingenieur der Feinwerktechnik mit DDR-Diplom, Hartmut Knothe, als CEO gelenkt wird.

"Hoch im Kurs stehen Uhren mit besonderen Komplikationen", weiß Knothe, dessen Manufaktur mit Tourbillon, Chronograf, Mondphase und ewigem Kalender von sich reden gemacht hat. Und auf diesem Weg fortfahren will.

Aber selbst die Uhren des Modeanbieters Seiko, die in sportlichem Design daherkommen, sind der Tradition verpflichtet. Was hier kaum jemand weiß: Im Heimatland Japan verfügt die Firma über eine Reihe von angestammten Manufakturen, in denen sorgsam dekorierte, teure Mechanikuhren hergestellt werden. Freilich nur für den Markt im Land der aufgehenden Sonne.

manager magazin stellt die Männer hinter den großen Marken vor. Die sagen, was sie an einer Spitzen-Uhr schätzen.

Kreativer, Handwerker, Formatgeber

Der Kreative: Das Uhrmacherhandwerk lernte Gerd-R. Lang (60) in seiner Heimatstadt Braunschweig. Nachdem er 1983 den ersten Chronografen seiner neu gegründeten Firma Chronoswiss vorgestellt hatte, erwarb er zahlreiche Patente. Lang: "Die Uhr eines Architekten muss anders aussehen als die eines Extremsportlers."

Der "Chronoscope CH 1523" von Gerd-R. Langs Chronoswiss überrascht mit einem Zifferblatt, wie es einst für Regulatoren üblich war. Die Anzeigen für Stunde und Sekunde sind dezentral angeordnet, nur der Minutenzeiger läuft auf der Mittelachse.

Der "Chronoscope CH 1523" von Gerd-R. Langs Chronoswiss überrascht mit einem Zifferblatt, wie es einst für Regulatoren üblich war. Die Anzeigen für Stunde und Sekunde sind dezentral angeordnet, nur der Minutenzeiger läuft auf der Mittelachse.

Gerd-R. Lang (60) lernte das Uhrmacherhandwerk in seiner Heimatstadt Braunschweig. Nachdem er 1983 den ersten Chronografen seiner neu gegründeten Firma Chronoswiss vorgestellt hatte, erwarb er zahlreiche Patente. Lang: "Die Uhr eines Architekten muss anders aussehen als die eines Extremsportlers."

Gerd-R. Lang (60) lernte das Uhrmacherhandwerk in seiner Heimatstadt Braunschweig. Nachdem er 1983 den ersten Chronografen seiner neu gegründeten Firma Chronoswiss vorgestellt hatte, erwarb er zahlreiche Patente. Lang: "Die Uhr eines Architekten muss anders aussehen als die eines Extremsportlers."

Foto: Enn Kapitza


Der Handwerker: Als sein Vater 1963 das Genfer Unternehmen Chopard kaufte, zählte es fünf Uhrmacher. Karl-Friedrich Scheufele (44) gebietet heute über einen Familienbetrieb mit rund 1200 Mitarbeitern. Und treibt neben der Herstellung von Schmuckstücken die Entwicklung von Herrenuhren höherer Komplikation voran. Scheufele: "Wir interpretieren Tradition neu."

Als sein Vater 1963 das Genfer Unternehmen Chopard kaufte, zählte es fünf Uhrmacher. Karl-Friedrich Scheufele (44) gebietet heute über einen Familienbetrieb mit rund 1200 Mitarbeitern. Und treibt neben der Herstellung von Schmuckstücken die Entwicklung von Herrenuhren höherer Komplikation voran. Scheufele: "Wir interpretieren Tradition neu."

Als sein Vater 1963 das Genfer Unternehmen Chopard kaufte, zählte es fünf Uhrmacher. Karl-Friedrich Scheufele (44) gebietet heute über einen Familienbetrieb mit rund 1200 Mitarbeitern. Und treibt neben der Herstellung von Schmuckstücken die Entwicklung von Herrenuhren höherer Komplikation voran. Scheufele: "Wir interpretieren Tradition neu."

Foto: Daniel Gerber
Das "L.U.C. Tourbillon" aus Karl-Friedrich Scheufeles Schweizer Familienunternehmen Chopard gilt als anspruchsvollstes Uhrenmodell des Schmuckhauses.

Das "L.U.C. Tourbillon" aus Karl-Friedrich Scheufeles Schweizer Familienunternehmen Chopard gilt als anspruchsvollstes Uhrenmodell des Schmuckhauses.


Das Großformat: Seit rund 30 Jahren im Luxusgewerbe, hat der Italiener Angelo Bonati (50) ab 1997 den Wiederaufstieg des Florentiner Marinelieferanten Officine Panerani für den schweizerischen Richemont-Konzern betrieben. Bonati: "Wir haben auf den Trend mit großformatigen Uhren gesetzt."

Angelo Bonatis "Panerai Luminor Marina 1950", tauchfähig bis 200 Meter Tiefe, misst sie stolze 47 Millimeter im Durchmesser. Der Unterwasser-Zeitmesser stammt von dem Florentiner Marinelieferanten Officine Panerani.

Angelo Bonatis "Panerai Luminor Marina 1950", tauchfähig bis 200 Meter Tiefe, misst sie stolze 47 Millimeter im Durchmesser. Der Unterwasser-Zeitmesser stammt von dem Florentiner Marinelieferanten Officine Panerani.

Seit rund 30 Jahren im Luxusgewerbe, hat der Italiener Angelo Bonati (50) ab 1997 den Wiederaufstieg des Florentiner Marinelieferanten Officine Panerani für den schweizerischen Richemont-Konzern betrieben. Bonati: "Wir haben auf den Trend mit großformatigen Uhren gesetzt."

Seit rund 30 Jahren im Luxusgewerbe, hat der Italiener Angelo Bonati (50) ab 1997 den Wiederaufstieg des Florentiner Marinelieferanten Officine Panerani für den schweizerischen Richemont-Konzern betrieben. Bonati: "Wir haben auf den Trend mit großformatigen Uhren gesetzt."

Foto: Daniel Gerber


Der Dynamiker: Seit mehr als einem Jahrzehnt betreut der Manager Jörg Burghardt (38) die deutschen Geschäfte des Uhrengiganten Seiko aus Fernost. Durch seinen Einsatz ist die Präsenz des 1881 gegründete Traditionsunternehmens - Vertretungen in mehr als 1400 Läden - beträchtlich ausgeweitet worden. Auch in den Sportbereich, wo Seiko Uhren von Nike vertreibt. Burghardt: "Mich sprechen sportlich anmutende Modelle an."

Seit mehr als einem Jahrzehnt betreut der Manager Jörg Burghardt (38) die deutschen Geschäfte des Uhrengiganten Seiko aus Fernost. Durch seinen Einsatz ist die Präsenz des 1881 gegründete Traditionshauses - Vertretungen in mehr als 1400 Läden - beträchtlich ausgeweitet worden. Auch in den Sportbereich, wo Seiko Uhren von Nike vertreibt. Burghardt: "Mich sprechen sportlich anmutende Modelle an."

Seit mehr als einem Jahrzehnt betreut der Manager Jörg Burghardt (38) die deutschen Geschäfte des Uhrengiganten Seiko aus Fernost. Durch seinen Einsatz ist die Präsenz des 1881 gegründete Traditionshauses - Vertretungen in mehr als 1400 Läden - beträchtlich ausgeweitet worden. Auch in den Sportbereich, wo Seiko Uhren von Nike vertreibt. Burghardt: "Mich sprechen sportlich anmutende Modelle an."

Foto: Michael Dannemann
"Sportura Kinetic Chronograph": Das Spitzenmodell von Seiko bietet ein quarzgesteuertes mechanisches Werk in futuristisch gestalteter Hülle.

"Sportura Kinetic Chronograph": Das Spitzenmodell von Seiko bietet ein quarzgesteuertes mechanisches Werk in futuristisch gestalteter Hülle.

Patriarch, Statthalter und Feinwerker

Der Patriarch: Philippe Stern (64) ist Eigentümer in dritter Generation und seit 25 Jahren Chef von Patek Philippe, der letzten unabhängigen Schweizer Uhrenmanufaktur. Das Unternehmen führt er nach eisernen kaufmännischen Regeln: keine Kredite, keine Banken, alle Investitionen müssen vorher verdient worden sein. Stern: "An dem Tag, an dem du Finanzprobleme hast, bist du deine Unabhängigkeit los."

Der Jahreskalender "Ref. 5035", ein Modell von klassischer Schlichtheit und hoher Komplikation aus Philippe Sterns Manufaktur Patek Philippe, zeigt außer der Uhrzeit Datum, Wochentag und Monat an.

Der Jahreskalender "Ref. 5035", ein Modell von klassischer Schlichtheit und hoher Komplikation aus Philippe Sterns Manufaktur Patek Philippe, zeigt außer der Uhrzeit Datum, Wochentag und Monat an.

Philippe Stern (64) ist Eigentümer in dritter Generation und seit 25 Jahren Chef von Patek Philippe, der letzten unabhängigen Schweizer Uhrenmanufaktur. Diese führt er nach eisernen kaufmännischen Regeln: keine Kredite, keine Banken, alle Investitionen müssen vorher verdient worden sein. Stern: "An dem Tag, an dem du Finanzprobleme hast, bist du deine Unabhängigkeit los."

Philippe Stern (64) ist Eigentümer in dritter Generation und seit 25 Jahren Chef von Patek Philippe, der letzten unabhängigen Schweizer Uhrenmanufaktur. Diese führt er nach eisernen kaufmännischen Regeln: keine Kredite, keine Banken, alle Investitionen müssen vorher verdient worden sein. Stern: "An dem Tag, an dem du Finanzprobleme hast, bist du deine Unabhängigkeit los."

Foto: Daniel Gerber


Der Statthalter: Der gelernte Versicherungskaufmann Robert Jaeger (57) vertritt seit 1979 die deutschen Geschäfte des Schweizer Herstellers Maurice Lacroix, für den er alljährlich auch eine Pferdesporttrophäe in Baden-Baden vergibt. Jaeger: "Zifferblatt und Gehäuse ergänzen sich durch stimmige Gestaltung."

Der gelernte Versicherungskaufmann Robert Jaeger (57) vertritt seit 1979 die deutschen Geschäfte des Schweizer Herstellers Maurice Lacroix, für den er alljährlich auch eine Pferdesporttrophäe in Baden-Baden vergibt. Jaeger: "Zifferblatt und Gehäuse ergänzen sich durch stimmige Gestaltung."

Der gelernte Versicherungskaufmann Robert Jaeger (57) vertritt seit 1979 die deutschen Geschäfte des Schweizer Herstellers Maurice Lacroix, für den er alljährlich auch eine Pferdesporttrophäe in Baden-Baden vergibt. Jaeger: "Zifferblatt und Gehäuse ergänzen sich durch stimmige Gestaltung."

Foto: Boris Schmalenberger
Beim Modell "Masterpiece Phase de Lune", hier in Tonneau-For, aus Robert Jaegers Haus Maurice Lacroix zeigt ein auf der Mittelachse laufender Pfeil das Datum auf einem großen weißen Ring an, der die Mondphase umschließt.

Beim Modell "Masterpiece Phase de Lune", hier in Tonneau-For, aus Robert Jaegers Haus Maurice Lacroix zeigt ein auf der Mittelachse laufender Pfeil das Datum auf einem großen weißen Ring an, der die Mondphase umschließt.


Der Feinwerker: Hartmut Knothe (59), Ingenieur für Feinwerktechnik, hatte bereits zu DDR-Zeiten führende Positionen in der Glashütter Uhrenindustrie inne. 1991 rückte er zum Betriebsleiter und Prokuristen der wiedergegründeten Manufaktur A. Lange & Söhne auf, deren Geschicke er heute als CEO lenkt. Knothe: "Es ist wichtig, dass eine Uhrenmarke nicht jedem Trend folgt."

Mit der "Langematik Perpetual" glückte den von Hartmut Knothe geführten Uhrmachern A. Lange & Söhne im sächsischen Glashütte der erste ewige Kalender des Traditionshauses für das Handgelenk.

Mit der "Langematik Perpetual" glückte den von Hartmut Knothe geführten Uhrmachern A. Lange & Söhne im sächsischen Glashütte der erste ewige Kalender des Traditionshauses für das Handgelenk.

Hartmut Knothe (59), Ingenieur für Feinwerktechnik, hatte bereits zu DDR-Zeiten führende Positionen in der Glashütter Uhrenindustrie inne. 1991 rückte er zum Betriebsleiter und Prokuristen der wiedergegründeten Manufaktur A. Lange & Söhne auf, deren Geschicke er heute als CEO lenkt. Knothe: "Es ist wichtig, dass eine Uhrenmarke nicht jedem Trend folgt."

Hartmut Knothe (59), Ingenieur für Feinwerktechnik, hatte bereits zu DDR-Zeiten führende Positionen in der Glashütter Uhrenindustrie inne. 1991 rückte er zum Betriebsleiter und Prokuristen der wiedergegründeten Manufaktur A. Lange & Söhne auf, deren Geschicke er heute als CEO lenkt. Knothe: "Es ist wichtig, dass eine Uhrenmarke nicht jedem Trend folgt."

Foto: A. Lange & Söhne
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.