Bilanzregeln Die Amerikaner geben den Ton an

Wer die international gültigen Standards der Rechnungslegung erstellt
Von Patricia Döhle und Ulric Papendick

Die internationalen Bilanzregelwerke werden laufend weiterentwickelt, um aktuelle Entwicklungen in den Unternehmen aufzugreifen. Zwei Institutionen bestimmen die Vorschriften, nach denen die Konzerne ihre Abschlüsse aufstellen müssen.

Amerikas Gralshüter: Das weltweit wohl bedeutendste Gremium ist eine rein privatrechtliche Organisation mit Sitz im US-Bundesstaat Connecticut nördlich von New York. Der "Financial Accounting Standards Board", kurz FASB, wacht über die US-Gaap-Regeln. Sieben Bilanzauguren, die überwiegend von Wirtschaftsprüfungsfirmen und aus großen amerikanischen Konzernen stammen, gehören dem FASB an.

Formal liegt die Oberaufsicht über die Bilanzstandards zwar bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. De facto überlässt es die Behörde aber meist dem FASB, die Vorschriften zu formulieren. Eine Konstellation, die der amerikanischen Wirtschaft intensives Lobbying erlaubt.

So wurde die umstrittene Regel zur Bilanzierung von Firmenwerten vor allem auf Druck der Wall-Street-Banken eingeführt, die um ihr einträgliches Geschäft mit Fusionen und Übernahmen fürchteten. Ursprünglich wollte der FASB durchsetzen, dass der nach einer Übernahme entstehende "Goodwill", also der Firmenwert, planmäßig abgeschrieben wird. Die nun gültige Regel überlässt es weitgehend den Unternehmen, ob sie den oftmals sehr hohen Goodwill abschreiben oder nicht.

Konkurrenz aus Europa: Einzig ernst zu nehmender Wettbewerber des FASB ist der "International Accounting Standards Board" (IASB) mit Sitz in London, ebenfalls eine private Initiative. Seine 14 Mitglieder entwickeln die IFRS-Regeln. Mit Hans-Georg Bruns, dem ehemaligen Chefbuchhalter von DaimlerChrysler, gehört dem IASB auch ein Deutscher an.

Die Versuche des IASB, eine Alternative zu den US-Regeln zu etablieren, laufen weitgehend ins Leere. Zu groß ist die Dominanz der Amerikaner als Hüter des weltgrößten Kapitalmarktes. Die Folge: Der IASB muss den Vorstellungen, die jenseits des Atlantiks entwickelt werden, meist folgen.

Hilflose Deutsche: Die Interessen der hiesigen Unternehmen im internationalen Regelwirrwarr vertritt das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC). Der eingetragene Verein agierte bislang ohne großen Erfolg. Die deutsche Industrie, höhnen Insider, habe das brisante Thema regelrecht verschlafen.

Seit Ende März wird das DRSC von Harald Wiedmann, dem Deutschland-Chef des Wirtschaftsprüfers KPMG, und Allianz-Vorstand Helmut Perlet geführt. Die neue Spitze soll versuchen, die Mitwirkung des Gremiums bei der Formulierung der Bilanzregeln zu verbessern.

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