Aktien Wann kehren die Bullen zurück?

Trotz aller Crashs sind Börsentitel als Altersvorsorge nicht zu schlagen. Sie bieten höchste Renditen. Und das Risiko lässt sich auf ein Minimum reduzieren.
Von Patricia Döhle

Man könnte den Mann für verrückt halten. Während selbst die größten Optimisten unter den Börsianern jede Hoffnung auf ein baldiges Ende der nun schon drei Jahre währenden Talfahrt an den Weltaktienmärkten fahren lassen, sagt er voller Überzeugung Sätze wie diesen: "Aktien sind die einzige Anlageform, die langfristig einen Wertzuwachs bieten."

Wie bitte? Rund zwölf Billionen Euro haben Investoren seit Beginn dieses Jahrtausends an den Börsen verloren. Das sind 1800 Euro pro Kopf der Weltbevölkerung. Und da soll es kein besseres Investment geben als Aktien?

Wie gesagt, man könnte den Mann für verrückt halten. Die Frage wäre dann allerdings, wie er acht Jahre lang überaus erfolgreich eines der profitabelsten deutschen Handels- und Dienstleistungsunternehmen führen konnte.

Genau das aber hat Dieter Schadt als Vorstandschef der Duisburger Franz Haniel & Cie. GmbH bis vor knapp zwei Jahren getan - und gleichzeitig an der Börse investiert. "Wenn ich nicht an Aktien glaubte, hätte ich kein Vertrauen in unser Wirtschaftssystem", begründet Schadt, der Haniel Rekordgewinne von zuletzt über 500 Millionen Euro im Jahr bescherte, sein Faible für die Unternehmenstitel.

Schadt ist Profi. Ein gewiefter Geschäftsmann, der weiß, wie man Geld verdient und wie man mit den Gewinnen umgeht. Ebenso wie viele andere von manager magazin befragte erfolgreiche Topmanager, die ähnlich viel Vertrauen in Aktien offenbaren wie der Ex-Haniel-Chef.

Ob Antonella Mei-Pochtler, Geschäftsführerin der Boston Consulting Group (BCG), Bayer-Chef Werner Wenning, Porsche-Boss Wendelin Wiedeking oder Christine Licci, Chefin der Citibank Privatkunden AG: Sie alle glauben an ein Comeback der Börsen, halten Aktien für rentabler als alle anderen Anlageformen und investieren daher einen erheblichen Teil ihres privaten Vermögens in die Dividendentitel.

Was bei den Topmanagern ein Bauchgefühl ist, wenn auch durch Erfahrung gestützt, lässt sich durchaus empirisch belegen. manager magazin hat die neuesten wissenschaftlichen Analysen zur Kursentwicklung von Wertpapieren rund um den Globus zusammengetragen, aktuelle Studien gesichtet und hochkarätige Ökonomen befragt. Das Ergebnis bestätigen Aktienfan Schadt und seine Kollegen eindrucksvoll.

Vertrauen Sie den Aktien

1. Vertrauen Sie den Aktien

In der Tat sind die Unternehmenstitel rentabler als alle anderen Wertpapiere, und zwar deutlich. Natürlich sind Aktien auch risikoreicher, ihre Kurse schwanken stärker. Crashs, das ist die schlechte Nachricht, sind im Börsengeschehen unvermeidlich.

Die gute: Die hohen Renditen bei der Aktienanlage muss man nicht notwendigerweise auch mit hohen Risiken erkaufen. Es gibt eine - empirisch untermauerte - Strategie, mit deren Hilfe Investoren das Risiko, Geld zu verlieren, auf ein Minimum reduzieren können. manager magazin präsentiert die Regeln, die Anleger beachten müssen, wenn sie beim Aufbau ihrer Altersvorsorge nicht auf hohe Renditen verzichten wollen.

Die von manager magazin befragten Topmanager tun es alle und fahren auch in rauen Börsenzeiten gut auf dieser Linie. Citibank-Managerin Licci vermag dem aktuellen Preisverfall an den Finanzmärkten sogar Gutes abzugewinnen. "Fürs gleiche Geld bekomme ich zurzeit mehr Anteile, und ich profitiere umso stärker, wenn die Kurse wieder steigen." Die Bankerin ist überzeugt: "Aktien sind das beste Langfrist-Investment."

Eine Studie dreier Wissenschaftler der renommierten London Business School (LBS), die in Umfang und Genauigkeit weltweit einmalig ist, bestätigt Liccis Einschätzung. Für einen Zeitraum von 103 Jahren - beginnend 1900 bis einschließlich 2002 - haben die Briten sämtliche Wertpapierkurse aus 16 Ländern weltweit zusammengestellt und im Detail unter den verschiedensten Fragestellungen analysiert.

Eines der wichtigsten Ergebnisse: Anleger eines weltweit diversifizierten Depots von Unternehmenstiteln konnten im vergangenen Jahrhundert mit einem durchschnittlichen inflationsbereinigten Ertrag von 5,8 Prozent pro Jahr rechnen. Das ist weniger, als viele Vermögensverwalter ihre Kunden in den vergangenen Boomjahren glauben machten - aber fast fünfmal so viel wie Rentenpapiere einbrachten.

Aktien bescherten ihren Besitzern im Schnitt 4,9 Prozentpunkte mehr Rendite jährlich als kurzfristige Staatsanleihen und 4,6 Prozentpunkte mehr als langfristige Renten.

Diesen Aufschlag bezeichnen die britischen Ökonomen als "equity risk premium", als eine Prämie auf Aktienanlagen also. Sie entsteht dadurch, dass Investoren für das größere Risiko, das mit dem Kauf von Unternehmensanteilen verbunden ist, von den Firmen eine entsprechende Entschädigung erwarten. Börsennotierte Aktiengesellschaften bemühen sich daher, über hohe Gewinne und Dividendenausschüttungen den Kurs ihrer Aktien in die Höhe zu treiben.

Auf diese Weise kommt es zu dem von den Londoner Ökonomen beobachteten Effekt: Aktien verbuchen größere Wertzuwächse als festverzinsliche Staatspapiere, deren Kurse in aller Regel nur bei deutlichen Zinssenkungen nennenswert steigen.

Natürlich lassen sich die Prämien, die in der Vergangenheit beobachtet wurden, nicht einfach in die Zukunft fortschreiben. Doch die Londoner Ökonomen sind sicher: Einen Aufschlag von durchschnittlich 3 bis 4 Prozentpunkten pro Jahr können Anleger auch in Zukunft erwarten.

Keine Angst vor dem Crash

2. Keine Angst vor dem Crash

BCG-Partnerin Mei-Pochtler bewahrt auch bei größeren Kurseinbrüchen stets die Ruhe. Solange es Wachstumsmärkte und unausgeschöpfte Potenziale bei den Unternehmen gebe, gehe es an den Börsen langfristig wieder bergauf, begründet die Beraterin ihre Zuversicht. "Geld", sagt sie mit einem Anflug von Stolz, "habe ich bisher nur auf dem Papier verloren."

Wahrscheinlich ist das ihr Erfolgsgeheimnis als Investorin. Denn bei allen Unwägbarkeiten ist an den Finanzmärkten eines sicher: Der nächste Aufschwung kommt bestimmt.

Ebenso sicher wie die Aufwärtsbewegung ist allerdings der vorhergehende Einbruch der Kurse. Auch damit müssen Anleger zu leben lernen. Das belegen die Experimente des amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträgers Vernon Smith.

Smith simulierte das Börsengeschehen, indem er jedem Teilnehmer fiktive Aktien und fiktives Bargeld zur Verfügung stellte. Außerdem wurden nach jeder Spielrunde mit vorab festgelegten Wahrscheinlichkeiten Dividenden ausgeschüttet. Damit ergab sich für alle Aktien ein eindeutiger Preis - der Barwert aller zukünftig zu erwartenden Erträge nämlich -, der den Teilnehmern des Experiments bekannt war.

Dennoch näherte sich der Kurs der Papiere nie diesem Wert an - im Gegenteil: Zunächst sanken die Preise der Aktien unter ihre Barwerte. Dann entwickelte sich jedoch eine spekulative Blase, weil immer einige Teilnehmer glaubten, einen Informationsvorsprung zu besitzen. So überboten sie sich fortlaufend gegenseitig. Die Kurse kletterten im Zuge dieses Prozesses weit über die Barwerte hinaus.

Das Näherrücken der letzten Spielrunde löste schließlich in zunehmendem Maße Verkäufe aus, weil einzelne Teilnehmer ihre Gewinne realisieren wollten. So begannen die Kurse zu bröckeln, Panik machte sich breit. Die Experimente endeten regelmäßig mit einem Crash. Am Schluss lagen die Aktienkurse wieder deutlich unterhalb ihrer Barwerte.

Ließ Smith das Experiment mit denselben Teilnehmern wiederholen, zeigten sich zwar durchaus gewisse Lerneffekte. Die Blase entstand früher, war kleiner, und entsprechend glimpflicher fiel der Kurseinbruch aus. Im wirklichen Leben aber dauern Börsenzyklen zu lange, als dass genügend Investoren die Chance hätten, aus Schaden klug zu werden und den Markt zu stabilisieren.

Die Lehre: Erfolg an der Börse kann nur haben, wer sich mental auf Kurseinbrüche einstellt, aus seinem Depot im Ernstfall allenfalls einzelne Titel oder Märkte aussortiert - und auf das Comeback wartet.

Runter mit dem Risiko

3. Runter mit dem Risiko

Es gibt einen Weg zum nahezu sicheren Aktiendepot, und manche Anleger scheinen ihn sogar schon zu kennen. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking etwa hat bei der Aktienanlage noch nie Geld verloren, auch wenn man, wie Wiedeking zugibt, "angesichts der derzeitigen Börsenlandschaft anderes vermuten könnte".

Die empirischen Analysen der Londoner Wissenschaftler weisen die Richtung, die Investoren einschlagen müssen, um ähnlich erfolgreich zu sein. Für alle 16 in ihrer Untersuchung enthaltenen Länder errechneten die Ökonomen die Anzahl von Jahren, die es im vergangenen Jahrhundert maximal gedauert hat, bis die jeweiligen Börsen nach einem Crash wieder zu ihrem alten Kursniveau zurückgefunden hatten.

Besonders sicher in dieser Hinsicht, so das Resultat der LBS-Studie, war bislang Kanada. Wenn ein Anleger dort auf dem Höhepunkt einer spekulativen Blase in kanadische Unternehmenstitel einstieg, brauchte er im ungünstigsten Fall 15 Jahre, um seine Aktien ohne Verlust wieder verkaufen zu können. In den USA dauerte es zwei Jahre länger, bis Aktien zu einer sicheren Anlage wurden.

Das Beispiel Deutschland zeigt allerdings, dass ein langer Zeithorizont allein nicht ausreicht, um Anleger vor Verlusten zu schützen: Hier zu Lande brauchte ein Investor im schlimmsten Fall 55 Jahre, um seine Einstandspreise wieder hereinzuholen. Zu lange selbst für jemanden, der schon im Kindesalter anfängt, für sein Alter vorzusorgen.

Um das Risiko von Kursverlusten zu minimieren, muss ein Anleger daher sein Depot weltweit streuen. Mit dieser Strategie hätte er in der Vergangenheit nach einem Crash maximal 21 Jahre warten müssen, um seine Verluste auszugleichen - ein Zeitraum, der bei der Vorsorge fürs Alter für die meisten Anleger nicht unrealistisch lang ist.

Wohlgemerkt: Hierbei handelt es sich um das Worst-Case-Szenario. Schlimmer konnte es für einen internationalen Aktionär im vergangenen Jahrhundert nicht kommen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte er nach 21 Jahren eine überdurchschnittliche Rendite erzielt - und das praktisch ohne Verlustrisiko.

Natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass gut zwei Jahrzehnte auch in der Zukunft ausreichen, um Aktien zu einem sicheren Investment zu machen. Aber die Chancen stehen gut. Im Gegensatz dazu ist die Wahrscheinlichkeit gering, im selben Zeitraum mit Staatsanleihen einen auch nur halbwegs vernünftigen Wertzuwachs zu erzielen.

So läuft's im Depot

Ein internationales Rentendepot hätte im vergangenen Jahrhundert real - also nach Abzug der Inflation - durchschnittlich nur 1,2 Prozent Rendite pro Jahr gebracht. Da bleibt nach Steuern und Kosten für den Anleger nicht viel übrig. In 5 der 16 von den LBS-Wissenschaftlern untersuchten Ländern mussten Inhaber von Anleihen sogar Verluste hinnehmen.

Eine Erfahrung, die auch Ex-Haniel-Chef Schadt gemacht hat, nicht mit Staatspapieren allerdings, sondern mit einer Unternehmensanleihe. Vor Jahren bereits überredete er seine Frau, ihm ihr Vorsorgedepot anzuvertrauen. "Gib mir das Geld, hab' ich gesagt, ich sage dir, welche Aktien gut sind."

Ein einziges Mal machte der Aktienliebhaber eine Ausnahme und kaufte des geringeren Risikos wegen ein festverzinsliches Papier: die Anleihe des holländischen Flugzeugbauers Fokker, der damals zu einer der ersten Adressen der deutschen Wirtschaft, der Daimler-Tochter Dasa, gehörte. Ein Jahr später war Fokker Pleite.

Schadt: "Das kriege ich von meiner Frau bis heute zu hören."


Service: So läuft's im Depot

Streuen: Verteilen Sie Ihr Geld auf alle wichtigen Börsen der Welt, um das Risiko von Kursverlusten in einzelnen Regionen oder Branchen abzufedern. Zum Aufbau eines solchen Depots bieten sich zwei Fondsarten an:

  • Indexfonds, die einen der großen, alle wichtigen Aktien der Welt umfassenden Aktienindizes, etwa den MSCI World, nachbilden; oder


  • gemanagte Aktienfonds, die versuchen, den Index zu schlagen, dafür aber mit höheren Kosten belastet sind als reine Indexprodukte.
Weltweit bereit
Fonds für den Aufbau eines internationalen Aktiendepots
Produkt Anbieter WKN*
Gemanagte Aktienfonds
WM Aktien Global   Universal Investment 978 189
D.G.C.-Global Dossier de Gestion Coll. 974 294
DWS Vermögens-
bildungsfonds I  
DWS 847 652
Indexfonds
Balzac World Index State Street Banque S. A. 588 807
Dow Jones Global Titans   Indexchange Investment 628 938
Unico i-tracker   Unico Asset Management 765 435
* Wertpapierkennnummer
Quelle: Feri Trust
Durchhalten: Geben Sie Ihrem Aktiendepot mindestens gut 20 Jahre, bis Sie anfangen, vom Verkauf der Anteile zu leben.

Absichern: Besparen Sie parallel ein Depot aus risikofreien Festverzinslichen, auf das Sie bei oder nach Rentenbeginn zugreifen können, wenn Ihr Aktiendepot doch mal im Keller ist.


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