Gründer Kreide, Kies, Karriere

Schülerfirmen sollen das Interesse an Existenzgründungen wecken.
Von Silke Gronwald

Der Shareholder Value ist hervorragend. Finanzchef Christoph Bauer (18) zeichnet die Entwicklung des Aktienkurses mit Kreide an die Tafel. Steigerung im vergangenen Monat: 45 Prozent. Bengt Eckmann (19), Vorstandsvorsitzender der Firma Remedy, lehnt sich zufrieden in seinem Holzstuhl zurück. Dem Unternehmen geht es gut, und er kann die Gehälter der Angestellten bezahlen. Stundenlohn: 1,50 Mark.

Ein mickriges Gehalt? Nicht für die Schüler des Hamburger Charlotte-Paulsen- und des Matthias-Claudius-Gymnasiums. Die 16köpfige Abituriententruppe führt das Miniunternehmen im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts. In der Zeit, in der sie sonst die Schulbank drücken oder Hausaufgaben erledigen müßten, dürfen sich die Gymnasiasten in der Praxis umtun.

Den Ausflug in den Unternehmensalltag verdanken die Schüler dem Kölner Institut der deutschen Wirtschaft. Das Projekt "Junior" sieht vor, daß Schüler eine eigene Firma gründen und sie ein Jahr lang betreiben. Das Ziel: Sie sollen Lust am Unternehmertum und Interesse an Existenzgründungen gewinnen.

Seit 1994 unterstützt das Kölner Institut die Bildung sogenannter Schülerfirmen. Anders als in Planspielen müssen die Manager auf Zeit wirklich am Markt agieren. Sie entwickeln eine Geschäftsidee, verkaufen Produkte oder Dienstleistungen und akquirieren Kunden.

Die Jungunternehmer von Remedy organisieren zum Beispiel Veranstaltungen, Festlichkeiten und Partys aller Art. Das Konzept überzeugte auch Hamburgs Bürgermeister Ortwin Runde. Er kaufte eine der Firmenaktien, die das Startkapital der Jungunternehmer bilden.

Jeder Schüler erhält fünf Aktien zum Ausgabekurs von 15 Mark. Das ergibt für die Remedy-Manager ein Grundkapital von 1200 Mark. Damit müssen sie alle Ausgaben bestreiten – eine Kreditaufnahme ist verboten.

Was mit dieser knappen Finanzausstattung möglich ist? Eine ganze Menge. Die Gründer von Remedy planen für Ende Juni eine Großveranstaltung. Motto: "Hamburgs Jugend kann mehr, als viele denken." Etwa 400 Teilnehmer, darunter Vertreter der Wirtschafts- und Schulbehörde sowie Manager, sollen nach Lösungen suchen, die Schüler besser auf die Arbeitswelt vorbereiten.

1998/99 beteiligten sich 160 Miniunternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet am Projekt "Junior". Die Ergebnisse sind beachtlich: 79 Prozent der im Vorjahr befragten Schüler können sich vorstellen, im späteren Berufsleben selbständig tätig zu sein. 78 Prozent von ihnen glauben, daß "Junior" diese Einstellung gefördert hat.

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