Samstag, 14. Dezember 2019

Gazprom Staat im Staate

Wie der Gasgigant die russische Wirtschaft dominiert

Es gibt kaum einen bedeutenden russischen Wirtschaftszweig, in dem Gazprom nicht vertreten ist. Das Unternehmen hat eine eigene Bank und ist an anderen Kreditinstituten beteiligt. 30 Flugzeuge, 60 Lokomotiven, 370 Schiffe und 50 000 Autos gehören dem Konzern. Der Gigant hat sich in der Telekommunikation engagiert, besitzt Maschinenbaufirmen und zig Baubetriebe. Er betreibt Kliniken, Hotels und Erholungsheime am Schwarzen Meer.

Ständig wächst das Geflecht. Klamme Kunden begleichen ihre Rechnungen oft mit Unternehmensanteilen: Gas gegen Aktien.

Damit alles richtig kommuniziert wird, hat sich der Riese im Laufe der Zeit ein eigenes Medienimperium aufgebaut. Die landesweit verbreitete Ex-Gewerkschaftszeitung "Trud" ist heute Gazprom-Gazette; rund hundert Regionalzeitungen sowie lokale Radio- und Fernsehsender runden die mediale Vielfalt ab.

Beim öffentlich-rechtlichen Kanal ORT ist Gazprom dabei. Und über eine 30-Prozent-Beteiligung am Privatsender NTW haben die Gasowiki Einfluß auf eine der wichtigsten Informationsquellen des Landes. So kann der Konzern die Attacken politischer Gegner publizistisch kontern – und Wahlkampfhilfe für ihm gewogene Volksvertreter leisten.

© manager magazin 6/1999
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