Editorial Hoffnungsträger

Von Wolfgang Kaden

Besonders freundlich gesinnt gegenüber ihren Unternehmern waren die Deutschen noch nie. Aber wenn die Demoskopen recht haben – und die eigene Beobachtung spricht nicht gegen deren Erkenntnisse –, dann ist das öffentliche Ansehen der hiesigen Wirtschaftselite in der jüngeren Vergangenheit auf einen Tiefpunkt gesunken.

Nach jahrzehntelanger, nie dagewesener Wohlstandsmehrung haben einige schwierige Jahre dafür gesorgt, daß die liberale Wirtschaftsordnung und das Unternehmertum bei vielen Deutschen in Verruf geraten sind. Unternehmer, fanden die Allensbach-Demoskopen heraus, denken nach Ansicht unserer Landsleute immer nur an ihren persönlichen Profit und zeigen sich gänzlich uninteressiert an dem Schicksal der Mitarbeiter.

Es darf gemutmaßt werden, daß die Unternehmer von der Mehrheit des Volkes mitverantwortlich gemacht werden für all die schmerzlichen Veränderungen, die in den vergangenen Jahren über die Deutschen kamen – für wachsenden Leistungsdruck, für Einkommensstagnation oder -rückgang, für Jobunsicherheit oder -verlust.

Die Mehrheit hatte sich gemütlich eingerichtet im Volksheim Bundesrepublik; sie straft nun jeden ab, den sie im Verdacht hat, diese Idylle zerstören zu wollen: Eine zutiefst konservative Mehrheit ist dies, so aufs Beharren und Bewahren versessen wie der traditionalistische Kern der SPD, der dank dieser Wahlbürger nun mitregieren und blockieren kann.

Kein erheiterndes Bild der bundesdeutschen Gesellschaft, fürwahr. Aber glücklicherweise auch kein vollständiges. Es gibt eine mächtige Gegenbewegung, die gänzlich anders gewirkt ist als die Mehrheitsfraktion der Veränderungsunwilligen: die vorwärtsdrängenden Entrepreneure, die neuen Macher in den kleinen und mittelgroßen Unternehmen.

Gemeinsam mit dem manager magazin und der SAP zeichnet die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Schitag Ernst & Young einmal jährlich die Besten dieser Entrepreneure in Deutschland aus. Die mm-Redakteure Wolfgang Hirn und Claus G. Schmalholz beschreiben, was diese Unternehmerspezies antreibt, was sie auszeichnet. "Die jammern nicht, die handeln", konstatierte Schmalholz.

Hier die besitzstandswahrende Mehrheit, dort eine das Risiko und den Wandel suchende Minderheit – der gesellschaftliche Gegensatz könnte größer kaum sein. Wer gewinnt?

Die Zeit arbeitet, so darf hoffnungsvoll gemutmaßt werden, für jene, die machen und verändern wollen. Die ungeheure Wucht des globalen Wettbewerbs läßt den Deutschen gar keine andere Wahl, als Wirtschaft und Sozialstaat umzubauen. Auch den Besitzstandswahrern müßte irgendwann dämmern, daß sich mit dem Beharren nicht mal der erreichte Wohlstand konservieren läßt.