Forum Leserbriefe

Irrationale Entwicklung


Editorial:Das Vertrauen in die Eliten der westlichen Volkswirtschaften ist erschüttert (mm 11/2002)

Ihr Editorial entspricht dem, was der aufmerksame Analyst und Anleger bereits vor Jahren bemerken konnte, wohl aber nicht wollte. Dennoch sollte jeder potenzielle Aktienkäufer oder Aktienbesitzer diesen Artikel beherzigen. Allerdings haben Sie leider eine Gruppe unerwähnt gelassen, nämlich die Politiker, die diesem Treiben Vorschub geleistet haben oder zu blind sind, die Folgen ihrer Gesetzgebung zu bemerken.

Achim Lange,
per E-Mail

Ich stimme Ihnen zu, wenn Sie im Editorial die Glaubwürdigkeitskrise als eine wesentliche Ursache für den derzeitigen wirtschaftlichen Niedergang nennen.

Neben den aufgeführten Analysten, Investmentbankern, Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsräten tragen allerdings auch die Medien an der Vertrauenskrise einen gehörigen Anteil. Bei vielen historischen Blasen waren Journalisten Trendverstärker, und ohne ihre Mithilfe wäre die irrationale Entwicklung der New Economy nicht in diesem Maße möglich gewesen.

Ralf Dibbern,
per E-Mail

Ihr Editorial bringt das Problem der globalen Ökonomie diagnostisch zwar auf den Punkt der Glaubwürdigkeitskrise, es fehlt aber die Therapie mit Handlungsanweisungen.

Die individuelle Bereicherung ist das Ziel unseres Wirtschaftens, keine Abirrung von ihm. Wo Vertrauen nie echt war, kann es auch nicht wirklich gebrochen werden. De facto wurde es seit jeher meist bloß vorgetäuscht beziehungsweise inszeniert. Das nennt man Kommunikation, doch die Communio - die Gemeinschaft - als Grundlage fehlt.

Eine ehrliche gegenseitige Loyalität - heute ein Modewort - müsste zuallererst erlernt und eingeübt werden, denn sie basiert nicht auf materiellen Anreizen. Da dieser Bedarf unserer Ökonomie noch nicht einmal erkannt ist, ist an eine Umsetzung im wirtschaftlichen Alltag nicht mal zu denken.

Stephen Korth,
Oldenburg

Nicht nur Masse

Bayer: Die Pharmasparte ist nur Mittelmaß (mm 11/2002) 

Keine Frage - Bayer steht vor Herausforderungen, insbesondere im Pharmageschäft. Trotzdem reiben wir uns verwundert die Augen und fragen: Von welchem Unternehmen ist hier die Rede? Kein Wort über das führende Polymerunternehmen der Welt mit Spitzenpositionen in den Bereichen Kunststoffe, Polyurethane, Kautschuk und Lackrohstoffe. Kein Satz über die hervorragende Marktstellung unserer Diagnostika, Tiermedikamente, verschreibungsfreien Arzneimittel, biologischen Produkte sowie deren innovative Technologien. Keine Silbe wert, dass es in der Bayer-Chemie auch viel Klasse und nicht nur Masse gibt. Die allseits gelobte Akquisition von Aventis Crop-Science - Bayer jetzt auf Rang zwei in der Welt - wird lediglich im Zusammenhang mit angeblichen Integrationsschwierigkeiten hervorgehoben.

Im Übrigen wird in dem Artikel der Bayer-Abstieg im Ranking der größten Pharmahersteller von Platz 2 auf 16 innerhalb von 20 Jahren behauptet. Es ist nicht nachvollziehbar, wie diese Aussage zustande kommt. Anfang der 80er Jahre belegte Bayer den Rang 14. Nun Platz 16.

Was also will uns das manager magazin sagen? Der kundige Leser ist ratlos.

Heiner Springer,
Bayer AG, Leverkusen

Japanische Samuraitruppe

Mitsubishi: Entwicklungshilfe von DaimlerChrysler für den fernöstlichen Autobauer (mm 11/2002) 

Stellen Sie sich den umgekehrten Fall vor - Toyota kauft DaimlerChrysler und schickt eine japanische Samuraitruppe zur Rettung dieser Firma nach Stuttgart, wechselt das lokale Management durch japanische Führungskräfte aus und führt radikale japanische Management- und Kommunikationsmethoden ein.

Dann fragen Sie sich: Welche Reaktionen könnten dann kommen? Kann ein solches Vorgehen Erfolg haben?

Den DaimlerChrysler-Managern sollte vielleicht das Buch "Globalisierung" aus der Vortragsreihe von Helmut Schmidt mit auf den Weg gegeben werden, in dem der folgende Satz steht: "Wer sich nicht in die Lage, in die Tradition, in die Mentalität der anderen hineinversetzen kann, der taugt nicht zur Führung und taugt auch nicht als Lehrer."

Die "DaimlerChrysler-Eingreiftruppe" wird meiner Ansicht nach eine wirtschaftliche und interkulturelle Wüste hinterlassen (Erkenntnisse aus meiner 40-jährigen internationalen und interkulturellen Praxis). Mit dem Artikel erweisen Sie DaimlerChrysler einen Bärendienst, er wird nach Japan gelangen und wahrscheinlich Reaktionen auslösen, die die Arbeit für die Führung schwieriger machen. Die Welt ist ein Dorf - aber jedes Dorf hat seine eigene Kultur und seinen eigenen Stolz.

Peter M. Haller,
PMH Business Development, Zürich

Erstaunlich konservativ

Biotechnologie: Welche Unternehmen der Zukunftsbranche werden überleben? (mm 11/2002)

Von allen Branchen ist die Biotech-Industrie die erklärungsbedürftigste: Weil sie sich selbst mit den komplexesten Themen auseinander setzt, den Varianten des biologischen Lebens. Dies generiert eine wissenschaftliche Kompetenzspezies sowohl in den Personen als auch in der Community, die Sie trefflich beschrieben haben: hochwissenschaftliche Weißkittel statt marktorientierter Kaufleute.

Auf biotechnologischen Kongressen mit sekundärer halbherziger Werbung für das Branchenrenommee und potenzielle Kapitalgeber fühlen sich Nichtbiologen und Nichtmediziner wie in einer geschlossenen Gesellschaft.

Erstaunlich, wie konservativ und damit veränderungsresistent die Strukturen dieser jungen, hochdynamischen Unternehmen sind.

Doch es gibt ein Umdenken in der Branche. Controller etwa treffen auf das Bedürfnis, ein geordnetes System jenseits des Labors zu erhalten.

Lothar Helger,
Fürth

Behandlung ohne Bett

Sucht: Professionelle Hilfe für abhängige Führungskräfte (mm 10/2002)

Für Ihren Leserkreis ist es wichtig, auf die inzwischen gut ausgebauten und erfolgreichen ambulanten Rehabilitationsmöglichkeiten hinzuweisen. In vielen Städten und Kreisen bieten die Beratungsstellen diese "Behandlung ohne Bett" an, die den Klienten die Möglichkeit erhält, weiter in ihren sozialen Bezügen zu verbleiben, das heißt, auch ihrer Arbeit weiterhin nachzugehen. Dies ist vor allem bei Freiberuflern und Inhabern kleinerer bis mittlerer Betriebe die einzige Möglichkeit, eine Behandlung durchzuführen, ohne wirtschaftlich ein sehr hohes Risiko einzugehen.

Auch therapeutisch ist eine Behandlung, die in der Realität des täglichen Lebens stattfindet und die vielfach vorhandenen Problematiken am Arbeitsplatz und in der Familie daher gut miteinbeziehen kann, für viele Hilfesuchende eher indiziert als eine stationäre Behandlung.

Ellen Karrenberg-Bach,
Krefeld

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