Investmentfonds Jagd nach neuen Trends

Die Börsenbaisse zerrt an den Nerven der Anleger. Aktienfonds werden kaum noch gekauft, sichere Renten- und Immobilienzertifikate stehen hoch im Kurs. Die Fondsbranche kontert mit neuen Wunderwaffen. Was sich lohnen kann, worauf Sie besser verzichten sollten - ein Überblick.
Von Ulric Papendick und Jonas Hetzer

Jede Krise, das haben die Strategen der Investmentgesellschaft Nestor beizeiten erkannt, birgt auch ihre Chance. Börsenbaisse, Konjunkturtief, Kriegsangst? Verunsicherte Anleger, die in Scharen aus Aktien und Investmentfonds flüchten?

Kein Problem für die Marketingexperten des Luxemburger Fondshauses. Bereits im Juni dieses Jahres präsentierten sie ihre Lösung: einen Goldfonds. Das gelbe Metall sei in schlechten Zeiten schon immer ein sicherer Hafen gewesen.

Klingt einleuchtend. Doch ob die Verkaufsgenies von Nestor den Anlegern einen Gefallen tun, darf bezweifelt werden. Die Wette auf eine dauerhafte Goldrenaissance ist hochgradig riskant.

Viele Anlagealternativen hat ein Goldfonds-Manager nicht. Er kann Aktien von Goldminen kaufen, auf Edelmetallverarbeiter setzen, vielleicht noch in Schmuckhändler investieren. Solange der Goldpreis steigt, wird das gut gehen. Fällt die Notierung aber wieder, sinkt auch der Wert des Fonds. Garantiert.

Bloß eine Randerscheinung? Die Spezialität eines kleinen Anbieters, gedacht für Investoren, die kurzfristig ihre Chance suchen? Von wegen. Die großen deutschen Fondsgesellschaften entwickeln ähnliche Produkte.

Goldfonds, Garantiefonds, Nachhaltigkeitsfonds - die Branche präsentiert zurzeit einen ganzen Strauß von Ideen, um das Kapital der durch die anhaltende Börsenmisere verängstigten Anleger einzusammeln. Angepriesen wird alles, was Sicherheit in stürmischen Zeiten suggeriert - unabhängig davon, ob das Investment Sinn macht oder nicht.

Was die Fondshäuser treibt

Was die Fondshäuser treibt

Die Fondshäuser haben es nötig. DWS, Deka & Co. laufen die Kunden weg. Von Januar bis September dieses Jahres investierten deutsche Anleger nach Angaben des Branchenverbands BVI per saldo noch knapp 1,3 Milliarden Euro in Aktienfonds. Ein miserables Resultat, verglichen mit den 4,4 Milliarden Euro des Vorjahres und den fast 54 Milliarden Euro des Rekordjahres 2000.

Es ist ein Niedergang, an dem die Fondslobby eine erhebliche Mitschuld trägt. Mit immer neuen Nischenangeboten haben die Investmentmanager in den Boomjahren die Gier nach dem schnellen Geld angeheizt. Internet-Fonds, BiotechFonds, Logistik-Fonds - kaum einen Trend ließ die Branche aus.

Die Anleger hatten selten etwas von den vermeintlich lukrativen Innovationen. Mit traumhaftem Gespür warfen die Fondsgesellschaften ihre Modeprodukte immer dann auf den Markt, wenn die Kurse einer Trendbranche gerade ihren Höhepunkt erreicht hatten.

Wer sich blenden ließ, sitzt heute auf hohen Verlusten. Beispiel Deka Technologie: Der Fonds der Sparkassengesellschaft verlor seit seinem Start Anfang 2000 nahezu 75 Prozent.

Jetzt muss die Branche die Scherben zusammenkehren. Rund 250 dahinsiechende Fonds wurden in diesem Jahr aus dem Verkehr gezogen.

Doch aus ihren Fehlern haben die Investmenthäuser offenkundig wenig gelernt. Statt nach Anlagealternativen zu suchen, die langfristig Erfolg bringen, schielt die Branche lieber nach dem nächsten kurzfristigen Verkaufserfolg.

Allein dieses Jahr wurden in Deutschland schon wieder 275 neue Fonds lanciert. Und abermals gehen viele Neuerscheinungen am eigentlichen Bedürfnis der meisten Anleger - dem langfristigen Vermögensaufbau - vorbei.

Stattdessen bietet die Branche jede Menge Aktienfonds mit Geldzurück-Garantie an, außerdem zahlreiche Exoten, die auf entlegene Regionen wie Russland und China setzen oder auf vermeintlich aussichtsreiche Branchen wie eben die Goldindustrie.

manager magazin hat die aktuellen Trends der Branche analysiert. Was sich für Anleger lohnen kann, und was man besser lassen sollte.

Auf Nummer sicher

Auf Nummer sicher

Sicherheit steht bei den Investmentsparern derzeit hoch im Kurs. Geldmarkt-, Renten- und Immobilienfonds - zu Zeiten des Börsenbooms Ladenhüter - verkaufen sich am Bankschalter heute fast von allein.

Kein Wunder: Die ehemals als Langweiler verpönten Zertifikate versprechen zwar keine hohen, aber zumindest stabile Erträge - ganz im Gegensatz zu Aktien.

Geldmarktfonds, die in Zinspapiere mit kurzen Laufzeiten investieren, schaffen gut 3 Prozent Rendite pro Jahr. Auf Grund der geringen Kursschwankungen, die einen jederzeitigen Ein- und Ausstieg erleichtern, sind die Kurzfrist-Fonds eine gute Parkmöglichkeit für Anleger, die auf bessere Zeiten hoffen.

Auf längere Sicht sind Rentenfonds, die Staatsanleihen und andere festverzinsliche Papiere kaufen, ebenso wie offene Immobilienfonds ein solides Fundament für die Vermögensanlage. Jährliche Wertsteigerungen zwischen 4 und 5 Prozent sollten sich mit diesen Zertifikaten allemal erzielen lassen.

Den Investmenthäusern gefällt das wiederentdeckte Sicherheitsbewusstsein der Fondssparer allerdings gar nicht. Geldmarkt- und Rentenprodukte bescheren ihnen nur dürftige Margen und sind für die Branche weit weniger lukrativ als die provisionsträchtigen Aktienzertifikate. Deshalb trommeln die großen Fondsgesellschaften zurzeit mit flotten Sprüchen wie "nach oben offen, nach unten abgesichert" für ihren neuen Verkaufsschlager: Fonds mit Geldzurück-Gewähr.

Mit diesen Vehikeln, Garantiefonds genannt, sollen Anleger an einer Erholung der Aktienmärkte verdienen, gleichzeitig aber zumindest ihren Einsatz zurückerhalten, falls die Börse weiter abrutscht.

Ob sich Garantiefonds tatsächlich für die Anleger rechnen, ist fraglich. Die Geld-zurück-Zusage können die Fondshäuser nur durch eine komplizierte Mischung aus Wertpapieren und Termingeschäften sicherstellen. Und das hat seinen Preis. Die Investoren sind meist nur zu 60 bis 70 Prozent an der Kurssteigerung der Aktien beteiligt. Sollte sich die Börse nachhaltig erholen, kommt der Aufschwung den Anlegern also nur teilweise zugute.

Außerdem greift die Garantie der Fonds in der Regel erst am Ende der Laufzeit nach 5 bis 6 Jahren. Wer vor diesem festgelegten Zeitpunkt aussteigen will, genießt keinen Kapitalschutz. Und der beim Kauf gezahlte Ausgabeaufschlag ist in jedem Fall weg.

Fazit: Renten- und Immobilienfonds eignen sich als stabile Basis für den Vermögensaufbau. Vermeintliche Wunderwaffen wie Garantiefonds hingegen, die Rendite ohne Risiko versprechen, sind teuer und gaukeln eine Sicherheit vor, die an der Börse schlichtweg nicht erreicht werden kann.

Die Kostenknüller

Die Kostenknüller

Wenn schon Aktienfonds, dann wenigstens zum Schnäppchenpreis. Nach diesem Motto dienen einige Investmentgesellschaften ihrer Kundschaft derzeit eine weitere Produktlinie an: so genannte Exchange Traded Funds (ETF), börsengehandelte Fonds.

ETF können wie normale Aktien jederzeit an der Börse ge- und verkauft werden. Die jährlichen Verwaltungsgebühren sind mit etwa einem halben Prozent deutlich niedriger als bei herkömmlichen Fonds. Ein Ausgabeaufschlag entfällt, die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs ist gering.

Geringe Kosten, hohes Risiko - Börsengehandelte Indexfonds (Auswahl)

Zu Grunde liegender Börsenindex Anbieter WKN* Managementgebühr**
Euro Stoxx 50 ETF Company 935927 0,35
Dow Jones Industrial Average Fresco 794358 0,50
Deutscher Aktienindex Indexchange 593393 0,50
MSCI World Unico 765435 0,55
Dow Jones Global Titans Indexchange 628938 0,50
*Wertpapierkennnummer; **in Prozent des verwalteten Vermögens pro Jahr. Quelle: Feri Trust


Die meisten börsengehandelten Fonds sind so genannte Indexfonds. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Aktienfonds verzichten die Verwalter dieser passiven Vehikel darauf, ihr Portfolio selbst zusammenzustellen. Stattdessen bilden sie entweder einen breit gefächerten Börsenindex wie den Dax, den Dow Jones oder den Euro Stoxx 50 ab; andere passive Fonds orientieren sich an Branchenindizes.

Vorteil für Investoren: Die Wertentwicklung der Fonds folgt den bekannten Börsenbarometern, schließlich ist der Inhalt der gleiche. Transparenter geht es nicht.

Das Hauptargument der Gegner dieser Spezies lautet stets, ein Indexfonds könne sich einem Kurssturz an den Börsen nicht entziehen. Das stimmt. Nur übersehen die Advokaten aktiv gemanagter Portfolios gern, dass viele Aktienfonds noch weit stärker eingebrochen sind als die Indizes.

Fazit: Wer auf lange Sicht investieren und seine Ausgaben niedrig halten will, kann zu den börsengehandelten Fonds greifen. Vorsicht: Das Risiko von Kursverlusten ist hoch, vor allem bei Indexfonds, die ausschließlich in Aktien einer Branche investieren. Man sollte daher nur einen Teil seines Vermögens auf diese Karte setzen.

Rendite trotz Krise

Rendite trotz Krise

Mit dem Fondssparplan zum Millionär? Das Thema des Jahres 2000 scheint heute kaum noch vermittelbar. Welcher Anleger bringt nach Kursverlusten von bis zu 90 Prozent noch den Mut auf, einen neuen Anlauf zu wagen?

Dennoch ist die Aussicht auf erneute Gewinne - neben Sicherheit und Kosten - das dritte große Thema, mit dem die Branche versucht, ihre Produkte an den geplagten Anleger zu bringen. Vier Fondsgattungen stehen im Vordergrund der Verkaufsbemühungen:

Corporate-Bond-Fonds: Diese Alternative ersetzt Aktien einfach durch Unternehmensanleihen. Der Vorteil: Die Firmen-Bonds werfen feste Zinsen ab, die in der Regel höher sind als bei Staatspapieren. Die Kurse vieler Unternehmensanleihen sind zudem in Folge der trüben Konjunktur tief gefallen, verbessern sich die wirtschaftlichen Aussichten, dürften die Notierungen anziehen.

Sichere Zinsen von Topkonzernen - Europäische Unternehmensanleihen-Fonds (Auswahl)

Fonds WKN* Volumen (in Mio. Euro) Rendite 1 Jahr**
Pioneer Euro Corp. Bond 797 590 934 -***
Deka-CorporateBond 934 025 817 2,45
DWS Euro-Corp Bonds 935 691 797 2,72
UniEuroRenta Corp. (Union Inv.) 972 307 627 6,26
DIT-LUX Corp. Bond 987 179 620 5,34
*Wertpapierkennnummer; **in Prozent, per 30.09.2002; ***neuer Fonds. Quelle: Feri Trust; nur Unternehmensanleihen mit guter Bonität.


Firmenanleihen versprechen mehr Sicherheit als Aktien, allerdings sind auch die möglichen Gewinne begrenzt. Ganz ohne Risiko sind auch diese Investments nicht: Geht ein Unternehmen in Konkurs, fallen nicht nur seine Aktien ins Bodenlose, auch die Anleihen sind dann nichts mehr wert.

Mischfonds: Die Manager dieser Zertifikate dürfen zwischen Aktien und Rentenpapieren wählen. Mit solcherlei Flexibilität ausgestattet, sollen sie kurzfristige Kurschancen an den Aktienbörsen nutzen und in schlechten Zeiten in sichere Anleihen wechseln.

Was einleuchtend klingt, scheitert in der Praxis häufig an der mangelnden Fähigkeit der Fondsmanager, zum richtigen Zeitpunkt an der Börse ein- und auszusteigen. Deshalb machen die Ergebnisse der Mischfonds ihrem Namen auch alle Ehre: Die jährliche Wertentwicklung lag in den vergangenen drei Jahren zwischen plus 8 und minus 27 Prozent.

Wer folglich beim Kauf seines gemischten Zertifikats auf einen Fondsmanager ohne Fortüne stößt, geht kaum geringere Risiken ein als bei einem schlecht verwalteten reinen Aktienfonds.

Auf "Klassiker" setzen

Auf "Klassiker" setzen

Dachfonds: Wer vermeiden will, bei der Wahl seines Mischfonds eine Niete zu ziehen, kann alternativ in Dachfonds investieren. Diese Vehikel verteilen das Geld der Anleger auf verschiedene Fonds; sie reduzieren mithin das Risiko, das in Leistungsmängeln der einzelnen Fondsmanager liegt. Die Ergebnisse der Dachfonds variieren daher weniger stark.

Doch auch dieses Mehr an Sicherheit hat seinen Preis. Dass sie dem Anleger die Entscheidung abnehmen, in welche Einzelfonds er investieren soll, lassen sich die Investmenthäuser in der Regel mit stattlichen Gebühren vergelten.

Ökofonds: Auch für die ehemals so beliebten Aktienfonds hat die Fondsbranche ein Thema gefunden, mit dem Investoren wieder auf den Geschmack gebracht werden sollen: Nachhaltigkeit, neudeutsch "Sustainability".

Nachhaltig schlechte Renditen - Sustainability-Fonds (Auswahl)

Fonds WKN* Volumen (in Mio. Euro) Rendite 1 Jahr**
CS Sustainability (Credit Suisse) 974 278 95 -28,41
KCD Nachhaltig (Union Inv.) 532 653 68 -26,11
SAM Sustainability Index Fonds 926 178 40 -21,68
Sarasin Invest-OekoSar 973 502 196 -13,59
Sarasin Invest-ValueSar 921 125 68 -28,08
*Wertpapierkennnummer; **in Prozent, per 30.09.2002. Quelle: Feri Trust


Die Manager dieser Fondsgattung suchen gezielt nach Unternehmen, denen nicht nur der ökonomische Erfolg, sondern auch Umweltverträglichkeit und soziale Mindeststandards wichtig sind. Diese Verpflichtung auf nachhaltiges Wirtschaften, so die Argumentation, stärke langfristig die Wettbewerbsposition der Firmen.

Das mag so sein. Aber der Ansatz taugt offenbar nur bedingt, um gute Anlageergebnisse zu erzielen. Die meisten Ökoinvestments haben im vergangenen Jahr kräftige Wertverluste hinnehmen müssen.

"Die Nachhaltigkeitsfonds orientieren sich zu sehr an starren Kriterienkatalogen", bemängelt Min Sun von der Analysegesellschaft Feri Trust. "Der Rückschluss, dass die Unternehmen dadurch automatisch Erfolg haben, ist falsch."

Fazit: Schnelle und hohe Renditen sind inmitten der Börsenmisere kaum zu erreichen - zumindest nicht ohne das Risiko zwischenzeitlicher herber Verluste. Wer sich dessen bewusst ist, verzichtet auf Modeprodukte und setzt stattdessen auf "Klassiker".

Fondsmanager Fickel: "Die Branche hat überzogen" Finanzplanung: So steigern Sie Ihre Erträge  Zitterbörsen: Wie Sie jetzt agieren müssen


Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.