Forum Leserbriefe

Wesentlich wohlhabender


Vorstandsbezüge:

Staatsanwälte verunsichern die Wirtschaft (mm 9/2002)

Die vom Aufsichtsrat genehmigten Abfindungen an das Mannesmann-Team waren sicherlich zu hoch, doch relativiert sich dies am geschaffenen Unternehmenswert (ein Plus von 176 Prozent), und zigtausende von ehemaligen Mannesmann-Aktionären sind dank Klaus Esser wesentlich wohlhabender geworden.

Nachdem die Staatsanwaltschaften einen um den anderen angeblichen Tatbestand gegenüber den Beteiligten aufgeben mussten, wollen sie nun ein Exempel statuieren: Die "Angemessenheit" wirtschaftlicher Entscheidungen wird in Frage gestellt.

Das bedeutet: Wie viel ein Unternehmen an Boni auszahlen darf, soll künftig am Ende von deutschen Gerichten entschieden werden. Das ist aus ordnungspolitischer Sicht nicht zu akzeptieren.

Herbert Eberbach,
Bremen

Bei Wirtschaftsdelikten handelt es sich um äußerst komplexe Themen. Aus diesem Grund können Ermittlungsverfahren nicht innerhalb weniger Wochen durchgezogen werden.

Es ist extrem schnell und ungewöhnlich, wenn ein der Wirtschaftskriminalität Beschuldigter bereits nach drei Monaten von der Staatsanwaltschaft befragt wird. Wie soll denn eine Befragung aussehen, wenn die umfangreichen Beweise noch nicht einmal halbwegs gesichtet wurden?

Durch die Einreichung einer "Klage wegen Amtspflichtverletzung" während eines laufenden Ermittlungsverfahrens erzielt man häufig das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte: Die angeklagten Beamten sind danach so extrem motiviert, dass einer wohlbegründeten, hieb- und stichfesten Anklage sicher nichts mehr im Wege steht.

Aus diesem Grund raten renommierte Anwaltskanzleien eher zu einer Kooperation während eines laufenden Ermittlungsverfahrens.

Robert Ruthenberg,
Nürnberg

Große Zahlen faszinieren. Ein Grundsatz, der im Wirtschaftsleben vielerorts gilt, insbesondere aber bei Berichten über Gehaltszahlungen an internationale Topmanager. Einige betrachten die genannten Summen mit Neid, andere mit Ehrfurcht. Nicht selten fällt beides zusammen.

Dass eine juristische Diskussion über diese Art der Managervergütung einen weiteren Rückschlag für den Standort Deutschland darstellt, möchte ich jedoch bezweifeln. Wie Sie richtig schreiben, sind Vorstände "in angemessener Höhe nach Aufgabe und Leistung" zu entlohnen. Und so schwammig diese Regelung auch klingen mag, mit Willkür hat sie nicht das Geringste zu tun.

Die jüngsten Entwicklungen haben gezeigt, dass es dann und wann durchaus sinnvoll wäre, wenn man die Arbeit und die Entscheidungsfindung der Aufsichtsräte etwas eingehender betrachten würde.

Und genau darum geht es: Um eine Leistungsanalyse der Aufsichtsräte. Das Aufsehen erregende Niveau der Vorstandsbezüge ist in diesem Zusammenhang nicht mehr als ein Aspekt unter vielen.

Timo Grünert,
Leonberg

Seine Aufgaben hat Klaus Esser in der Übernahmeschlacht zweifelsfrei hervorragend wahrgenommen, und die "Lage der Gesellschaft" hat sich dadurch auch erheblich verbessert, vor allem, was die Interessen der Aktionäre betrifft.

Nach welchen Kriterien wollen denn nun Staatsanwälte entscheiden, wie hoch die Abfindung hätte ausfallen sollen? Die erste große "feindliche Übernahme" in Deutschland war Neuland und hat neue Maßstäbe gesetzt, was den Übernahmepreis, was die Belohnung für die Aktionäre und eben auch, was die Abfindungen für ausscheidende und verdiente Topmanager betrifft. Düsseldorfer Staatsanwälten mag dies ein Graus sein, doch diese Meinung reicht nicht aus, unser Wirtschaftssystem vor den Kadi zu stellen.

Jürgen Friesecke,
Schönaich

Ist die Entscheidung des Aufsichtsrats aktienrechtlich bereits nicht angreifbar, weil der Vorstand eines Unternehmens dessen Interessen erfolgreich vertreten hat und zum Beispiel dessen Wert - auch zu Gunsten der Aktionäre - erheblich gesteigert hat, war mithin die gewährte Vergütung im Verhältnis zur Wertsteigerung des Unternehmens und dem Erfolg der Arbeit des Vorstands angemessen, kann nicht ernsthaft ein Straftatbestand (zum Beispiel Untreue) angenommen werden.

Hat die Staatsanwaltschaft das Recht, durch Einleitung eines Strafverfahrens die Entscheidung des Aufsichtsrats im Nachhinein zu korrigieren? Grundsätzlich nicht, denn der Aufsichtsrat trifft seine Entscheidungen selbst auf Grund des ihm vom Gesetzgeber eingeräumten Ermessens.

Die Annahme einer generellen Überprüfbarkeit der Entscheidungen des Aufsichtsrats durch die Strafverfolgungsbehörden führt zu erheblicher Rechtsunsicherheit auf Seiten des Aufsichtsrats.

Dem Standort Deutschland wird es schwer fallen, entscheidungsfreudige und kompetente Manager zu gewinnen, wenn diese ohne begründete Anhaltspunkte mit strafrechtlichen Ermittlungsverfahren wegen der Höhe ihrer Vergütungsleistungen rechnen müssen.

Dr. Hans Gummert,
Düsseldorf

Personalpolitik nach dem Peterprinzip

Standort Deutschland: Die wichtigsten Unternehmen und Branchen im Test (mm 9/2002)

Sie hätten feststellen müssen, dass vor allem Motivationsdefizite im mittleren Management dazu geführt haben, dass in den letzten Jahren erhebliche Produktivitätsreserven ungehoben blieben.

Wenn Sie in Ihrem Fazit richtigerweise zu dem Ergebnis kommen, dass wir uns wieder verstärkt auf die Hirnleistung besinnen müssen, ist aber anzumerken, dass die weit verbreitete Personalpolitik nach dem "Peterprinzip" dem leider entgegensteht.

Mithin ist es auch richtig zu behaupten, dass die meisten Probleme in der Wirtschaft hausgemacht und eher weniger standortbedingt sind.

Peter Burkard,
Münster

Marode Modelle

Finanzplanung: Ratschläge für den Ruhestand (mm 9/2002)

Die Bestandsaufnahme des Vermögens führt häufig zu der leidigen Situation, dass die in der Vergangenheit gezeichneten und maroden Steuersparmodelle nunmehr zur Sanierungsbedürftigkeit des Mandanten führen. Eine professionelle Beratung für die private Vermögens- und Finanzplanung sollte also nicht erst kurz vor dem Ruhestand beginnen.

Heinz Pudell,
Duisburg

Ungerechter Verriss

Bücher: mm-Autor Holger Rust über "Die Sinn-Macher" von Gertrud Höhler (mm 8/2002)

Ich habe den Eindruck, dass mm-Autor Rust um jeden Preis eine "Negativkritik" über das von Frau Höhler geschriebene Buch loswerden wollte; dokumentieren doch Art und Inhalt seiner publizierten Kritik, dass er den Inhalt des Buches entweder nicht vollständig oder zu oberflächlich gelesen hat.

Wir, die wir besondere Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern in den Organisationen tragen, sollten froh sein, dass Frau Höhler mit "ihren" Themen dazu beiträgt, die manchmal sehr eingetretenen Pfade zu verlassen und zu anderen, neuen Denkweisen und Einsichten zu kommen.

Josef Krimmel,
Kirchen

Berichtigung

Im Artikel "Etikettenschwindel" über Aktionärsschützer (mm 10/2002) ist uns ein Fehler unterlaufen: Der Mitgliedsbeitrag der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre e. V. beträgt 50 Euro im Jahr, nicht im Monat. Wir bedauern das Versehen. Die Redaktion

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