Sonntag, 21. April 2019

Tui Reisefieber

5. Teil: Kollision in Köln

Kollision in Köln

Und wo, fragen Analysten und Fondsmanager, soll das Wachstum herkommen - das Wachstum, das die Touristiksparte braucht, um an alte Preussag-Dimensionen anzuknüpfen? Sein Ziel hat Stratege Frenzel klar vor Augen: 20 Milliarden Euro Umsatz (statt heute 12,8) soll die Tui-Touristik in Zukunft schaffen und 5 Prozent Umsatzrendite (statt 4,2). Nur wann, das lässt er offen.

 Stille Skepsis: Touristik-Vorstand Ralf Corsten opponierte gegen den Einstieg ins Billigflug-Geschäft, fügte sich dann aber Konzernchef Michael Frenzel
DDP
Stille Skepsis: Touristik-Vorstand Ralf Corsten opponierte gegen den Einstieg ins Billigflug-Geschäft, fügte sich dann aber Konzernchef Michael Frenzel
Die Reisekonjunktur liegt lahm. Für weitere Zukäufe fehlt das Geld. Dabei wäre gerade jetzt die Gelegenheit günstig. Der Club Méditerranée etwa ist an der Börse heute weniger als 400 Millionen Euro wert. Michael Frenzel liebäugelte einst mit einem Erwerb, als der Club Méd mehr als sechsmal so teuer war. Nun aber ist ihm schier jeder Preis zu hoch.

Dem Manager sind Projekte lieber, die nach viel klingen, erst aber mal wenig kosten: Ableger in Hoffnungsmärkten, in Russland und in China.

Nur für ein Investment ist Kapital da - ausgerechnet für ein umstrittenes: den Einstieg in die Billigflug-Branche.

Ab Anfang Dezember wird die neue Tui-Tochter Hapag-Lloyd Express starten. Die acht Maschinen im Design eines New Yorker Taxis steuern vom Flughafen Köln-Bonn aus drei deutsche Ziele an (Dresden, Berlin, München) und vier ausländische (Barcelona, Mailand, Paris, London). Hinzu kommt ein Shuttle Berlin- Frankfurt. 100 Millionen Euro will Frenzel in die Aufbauphase stecken. Ab 2005, hofft er, fließt Geld zurück.

Der Mann ist Optimist. Schon jetzt zeichnet sich ein ruinöser Konkurrenzkampf ab. Die Lufthansa setzt dem Tui-Angebot die neue Airline German Wings entgegen, ein Ableger der Lufthansa-Beteiligung Eurowings. German Wings und Hapag-Lloyd Express liegen gewissermaßen auf Kollisionskurs: Sie fliegen von Köln aus zum Teil dieselben Zielorte an.

Warnende Stimmen gibt es genug. Eine Studie des Beratungshauses Roland Berger riet Tui ab.

Im Vorstand knirschte es. Finanzchef Rainer Feuerhake und Touristik-Mann Ralf Corsten opponierten. Michael Frenzel setzte sich durch, vehement unterstützt vom britischen Vorstandsmitglied Charles Gurassa. Der hat für British Airways einst den Discount-Flieger Go gegründet und dann den Job gewechselt, bevor British Airways die verlustreiche Tochter notverkaufen musste.

Vielleicht liegt Frenzel ja richtig; 2005 indes ist weit weg. Die Tui und ihr Vordenker brauchen schon bald sichtbare Erfolge.

Die Entschuldung verschafft etwas Luft. Aber sie ersetzt kein Geschäft.

Mit flauen Buchungen kann der Tui-Chef die Gunst der Finanzmärkte gewiss nicht zurückgewinnen. "Nächstes Jahr muss die Touristik richtig anspringen", setzt ein Tui-Manager das Ultimatum, "sonst hat Frenzel ein echtes Problem."

© manager magazin 11/2002
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