Forum Leserbriefe

Gerettet und saniert


Porträt Peter Hartz und Kommentar zu Arbeitsmarktreformen:Welches ist der beste Weg zu mehr Beschäftigung? (mm 8/2002) 

Peter Hartz hat, wie ich auf Seite 74 lese, 1993 rund 30.000 Arbeitsplätze bei VW mit einer Viertagewoche und 28,8 Wochenstunden gerettet und VW saniert.

Wenn ich dann zur Seite 31 zurückblättere und nachlese, dass wir mehr arbeiten müssen, um die Arbeitslosigkeit zu beheben, muss ich feststellen: Da stehen sich zwei arbeitsmarktpolitische Philosophien gegenüber.

Die Hartz-Philosophie hat bei VW 30 Prozent der Arbeitsplätze gesichert. Die andere Philosophie hat nur Arbeitslose produziert. Eigentlich sollte man den Hartz-Vorschlag, die Leiharbeit betreffend, erheblich erweitern, damit sich jeder, der Arbeit anzubieten hat, dort seine Kräfte besorgen kann.

Leopold Mansk,
Lehmen

Begriff für Berlin

Fundus: Die Projekte des Immobilienentwicklers Jagdfeld (mm 8/2002) 

Das Hotel "Adlon" als "einen Tick zu protzig" zu bezeichnen, zeigt deutlich die Grundeinstellung des Autors. Das "Adlon" ist ein Begriff für Berlin und Deutschland geworden, und seine Anleger sind sicherlich besser beraten gewesen, hier zu zeichnen als in Aktien, die ins Bodenlose gefallen sind. Gerade die Börsenkrise zeigt, dass ein Investment in Top-Immobilien sich immer lohnt, und das gilt auch für das neue "Adlon" in Heiligendamm.

Nicolai A. Siddig,
Rechtsanwalt, Berlin

Steigende Akzeptanz

Japan: Masao Hirano, McKinsey-Chef in Japan, über die Angst der Manager vor Reformen (mm 7/2002) 

Die deutschen Unternehmen haben das Marktpotenzial Japans bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Wir sollten daher unsere Aufmerksamkeit stärker auf die Veränderungen richten, die in Japan bereits stattgefunden haben, statt zu beklagen, dass der Reformprozess insgesamt zu zögerlich ist. Denn die Veränderungen sind zum einen mit Chancen für ausländische Unternehmen verbunden, und sie machen zum anderen deutlich, dass hier Prozesse eingeleitet wurden, die die Unternehmensstrukturen nachhaltig verändern werden.

Deutsche Unternehmen haben gerade in zukunftsträchtigen Branchen wie Umwelttechnologie viel zu bieten und genießen zudem einen ausgezeichneten Ruf wegen ihres zuverlässigen technischen Know-hows. Sie können sich deshalb die steigende Akzeptanz gegenüber ausländischen Investoren viel einfacher zu Nutze machen als vor 10 Jahren. Unabhängig vom Tempo der Reformen sollte die deutsche Wirtschaft bereits jetzt die Chancen nutzen, die sich bieten. Allerdings müssten diese Chancen in der Japan-Berichterstattung stärker berücksichtigt werden.

Werner Spinner,
Mitglied des Vorstands der Bayer AG, Leverkusen

Euro für die Einrichtung

Dienstwagen: Der Arbeitsplatz im Auto (mm 8/2002)

Was wäre wenn: Der neue bewusste Manager stellt bei der Einstellung demnächst die Forderung, dass er 5000 Euro für die Einrichtung des Büros haben möchte. Der Firmenwagen sei ihm egal. Zehn bis zwölf Stunden verbringt man im Büro, aber nur eine Stunde im Auto. Warum soll also die Führungskraft ihren Rang mit Hilfe des Autos demonstrieren, wenn es keiner sieht?

Michael Spars,
Uhldingen

Anerkannter Fachmann

Management: Die wahren Gründe der Pleitewelle (mm 8/2002)

Ihr Artikel enthält ohne Zweifel etliche interessante Gedanken, kann aber, jedenfalls was uns angeht, nicht unwidersprochen bleiben. Herrn Kohlhaussen in einer Reihe mit anderen als "Fehlbesetzung" zu bezeichnen, ist nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv unerträglich. Herr Kohlhaussen ist Banker seit dem Ende seines Studiums und anerkannter Fachmann; er hat sich um die Commerzbank größte Verdienste erworben.

Die Fusion mit der Dresdner Bank scheiterte weder an der Haltung der Commerzbank noch der Dresdner Bank, sondern an der Unnachgiebigkeit eines Dritten. "Eigensüchtige Motive" - welche sollen das überhaupt sein? - haben nie eine Rolle gespielt.

Ulrich Ramm, Dieter Schütz,
Commerzbank AG, Zentraler Stab Kommunikation, Frankfurt/ Main

Amerika-Anbeter

Editorial: Amerika ist kein Vorbild mehr (mm 8/2002)

Man braucht nicht weit zurückzublicken, als alles, was aus den USA kam, stets als vorbildlich für die angeblich so lahmen Deutschen hingestellt und zur Nachahmung empfohlen wurde.

Es ist schon erstaunlich, dass erst Enron und andere Skandale einigen Amerika-Anbetern gezeigt haben, dass dort erst recht nicht alles Gold ist, was glänzt. In den letzten Jahren wurde alles, was aus den Vereinigten Staaten kam, blind nachgeahmt, der letzte "Management-by"-Quatsch wurde zum Beispiel sofort zur Nachahmung empfohlen.

Horst Bauer,
Stuttgart

Angst und Hoffnung

Aktien: Geldanlage nach dem Boom (mm 8/2002)

1. Wenn Sie den Dow-Chart aus den 60er, 70er und 80er Jahren anschauen, stellen Sie fest, dass der Dow in der Zeit von 1962 bis 1982 im Bereich zwischen 600 und 1000 Punkten geschwankt hat. Die seinerzeitige Spekulationsphase hatte im Jahr 1962 begonnen und war 1966 zusammengebrochen. Dabei hatten die darauffolgenden "kurzfristigen" Ups (auf 1000) und Downs (auf 800 beziehungsweise wieder auf 600) immerhin je rund zwei Jahre rauf und je ein bis zwei Jahre runter gedauert. Also 20 Jahre ein reines Psychospiel der Anleger zwischen Angst und Hoffnung.

2. Bedenken Sie, dass es in diesen 20 Jahren jeweils möglich war, mit schlappen Dow-Index-Aktien sichere 20 bis 40 Prozent in den jeweils steigenden fünf Perioden zu machen.

3. Diese Zeit war weder schlechter noch besser für die Anleger als die 80er oder 90er Jahre, sie war anders und bot andere Anlagemöglichkeiten. Es wäre jetzt falsch, den 80er oder 90er Jahren nachzutrauern und Schuldige zu suchen.

4. Wenn die Prognose stimmt, dass wir in 14 Jahren bei der nächsten Hausse dabei sein können (was sicher realistisch ist), kann es wohl nicht sein, dass mit den Hausse-Rezepten im Hinterkopf und der Crash-Angst in den Fingern eine vernünftige Anlagestrategie gemacht werden kann.

5. Mein Motto: Es lebe das richtige Timing und ein vernünftiger Realismus die Gegenwart betreffend, dann sieht man auch die Chancen der nahen und fernen Zukunft.

H. P. Rudiger,
per E-Mail

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