Range Rover Salon-Elefant

Konzipiert ist der Range Rover als anspruchsvolles Nutzfahrzeug, auch für unwegsames Gelände. mm-Tester Sachs war hingegen begeistert von der luxuriösen Ausstattung.

Auf den Range Rover lässt Hans-Ulrich Sachs (50) nichts kommen: Mag das Topmodell des traditionsreichen Herstellers bei Allradpuristen auch als Schicki-Schleuder gelten - für den Vorstand der Dekra AG bleibt es "das ideale Familienauto". Sachs' Kinder sind "quasi im Range Rover groß geworden".

Freilich im Vorläufermodell. Von 1986 bis 1996 arbeitete Sachs als Bankmanager in Indonesien. Sein dort abgestellter Range Rover war ein Mobilitätsgarant: "Der britische Acht-Zylinder-Motor sprang immer an", erinnert sich Sachs, "selbst wenn die Luftfeuchtigkeit seit Wochen nicht unter 95 Prozent gesunken war."

Später transportierte dasselbe Auto die vierköpfige Familie durch Berg und Tal und Flur und Feld auf der Schwäbischen Alb und in den Alpen - mal mit Skiausrüstungen, mal mit Golfsäcken.

So nähert sich der ehemalige VW-Vertriebsvorstand mit Sympathie, aber auch mit kritischem Sachverstand dem hochbeinigen Koloss, der vor der waschbetonierten Dekra-Zentrale in Stuttgart parkt.

Türen wie ein Schweizer Banktresor

Der aktuelle Range Rover wurde komplett neu konzipiert - anfänglich, bis zum Verkauf der Marke, von BMW. Als "bayerisches Erbe" fallen Sachs sofort die "Kiemen" seitlich am Kotflügel auf - ein Stilelement, das zum Beispiel auch die BMW-Sportwagen Z3 und Z8 einsetzen.

Sachs' prüfender Blick fällt dann auf die Fugen zwischen Hauben, Türen und anderen Karosserieteilen, die großteils aus Aluminium hergestellt sind: "Vorbildlich gefertigt, vorbildlich montiert", lobt der Vorstand. Auch die großen, aber leicht beweglichen Türen imponieren ihm: "Da klappert nix, da hakelt nix, das schließt so exakt und leicht wie ein Schweizer Banktresor", sagt er mit württembergischen Zungenschlag.

Im Innern bemerkt der Autoexperte sofort die vielen großen Chromteile: "Die sind teuer. Hier wurde an nichts gespart." Die edle Lederverkleidung - die markanten Nähte sind akkurat über die Konturen der Sitze und Armaturen verspannt - hat für ihn "Manufakturqualität".

Kerniger Sound beim Anlassen

Kerniger Sound beim Anlassen

Beim Anlassen gefällt Sachs der kernige Sound des V-Acht-ZylinderMotors, den er vom BMW X5 kennt. In der britischen Luxusschaukel hat die 4,4-Liter-Maschine jedoch deutlich mehr zu tun als im bayerischen Geländesportler: Die 2,5 Tonnen Leergewicht des Range Rover mindern sein Temperament. Immerhin: Auf der Autobahn kommt Hans-Ulrich Sachs in einem ihm gemäßen "sportlich-flotten" Tempo voran.

Bei höheren Geschwindigkeiten lobt Sachs die perfekte Dämmung der Roll- und Windgeräusche. Außerdem hat es ihm der leise Scheibenwischer angetan: Der arbeitet um Dimensionen geräuschloser als etwa in Sachs' Dienstlimousine, einem neuen BMW 745.

Die Bremsen, findet Sachs, verzögern butterweich - und dennoch effektiv. Die Federung schluckt alle Schlaglöcher im Kopfsteinpflaster von Stuttgarts Vorortstraßen, selbst eine zügige Überquerung der Trambahnschienen lässt sich im Innenraum kaum registrieren.

Und obwohl die sensor- und computergesteuerten Stoßdämpfer ein Nicken und Wanken des Range Rover weit gehend mindern: In schnell gefahrenen Kurven, kritisiert Sachs, "schiebt die schiere Masse über die Außenräder. Da hilft keine noch so intelligente Fahrwerktechnik." Abseits der Straße, wo dieser Effekt hinderlich sein könnte, müsse der Fahrer eben den Fuß vom Gas nehmen, rät Sachs. Oder die vielen mechanischen (Geländegang zum Beispiel) und elektronischen (Steilabstiegssteuerung et cetera) Hilfen zuschalten.

Für seine eigene Familie, bilanziert der sparsame Schwabe, wäre der Range Rover heute zu teuer. Rund 80 000 Euro kostet der luxuriös ausgestattete Testwagen. Das sind fünfstellige Beträge mehr, als etwa die Wettbewerber von Mercedes und BMW verlangen, die ebenfalls nicht gerade billig zu haben sind.

"Eine problematische Preiskalkulation", findet Hans-Ulrich Sachs. "Wer gibt so viel Geld aus für britische Noblesse?"

mm-Fazit - teures Vergnügen

manager-magazin-Fazit: Teures Vergnügen

Im Range Rover wird der automobile Alltag zum Genuss. Anschaffung und Unterhalt kosten aber unanständig viel.

Der Range Rover ist - mehr noch als alle anderen geländetauglichen Allradler - ein luxuriöses Freizeitauto, das viel häufiger auf der Straße gefahren werden dürfte als in schwerem Gelände. Zwar ist der "Rangie" auch für schwieriges Terrain bestens ausgestattet - etwa durch die sich automatisch verstellenden Luft-Stoßdämpfer, die bei langen Federwegen von allein für fünf Zentimeter mehr Bodenfreiheit sorgen. Doch die edlen Materialien im Innenraum - feinstes Leder, Kirschholz, Chrom - verbieten allzu grobe Umgangsformen.

So imponiert der Range Rover vor allem durch seine unübertroffene Anhängelast von 3,5 Tonnen. Die erlaubt den Transport etwa von mittelgroßen Segeljachten. Aber Obacht: Ein voll geladenes "Rangie"-Gespann wiegt 6,5 Tonnen - keine Selbstverständlichkeit für untrainierte Pkw-Piloten.

Der automobile Alltag ist im Range Rover ein nahezu ungetrübter Genuss. Die Sitze sind bequemer als jeder Chefsessel und lassen sich mit raffinierter Elektromechanik optimal einstellen; vorn wie hinten gibt es üppige Fuß-, Kopf- und sonstige Freiheiten für alle Insassen. Nur die Bedienung der Klimaanlage erschließt sich nicht einmal nach der Lektüre des umfangreichen Bordbuchs. Altmodisch ist auch die Parkhilfe: Das Abstand-Warnsystem springt viel zu spät an. Und der Spritverbrauch ist skandalös: Wer zügig auf der linken Autobahnspur fährt, kommt bald zu dem zweifelhaften Vergnügen, Tankrechnungen von über 100 Euro begleichen zu dürfen.

Technik: Allradgetriebener, fünfsitziger Geländekombi, V-8-Zylinder-Motor mit 210 kW/286 PS aus 4398 ccm; Fünf-Stufen-Automatik (plus Geländegang)

Fahrwerte: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,2 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit 208 km/h

Verbrauch: 16,2 Liter Super auf 100 Kilometer (Werksangabe. mm-Testverbrauch: 17,1 Liter/100 km)

Grundpreis: 72.000 Euro

Serienausstattung (Auswahl): Bremsassistent, elektronische Allradtraktionskontrolle, Multifunktionslenkrad mit Tempomat, Ledersitze, automatisch abblendender Innenspiegel

Sonderausstattung: Vordersitze mit Oxford-Leder (3950 Euro), elektrisches Glasschiebedach (1550 Euro), TV- und Navigationssystem (3640 Euro), Xenon-Scheinwerfer (1130 Euro)

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.