Mittwoch, 20. November 2019

Bücher "Es fehlt Wissen"

Dieter Vogel, Ex-Thyssen-Chef und Buchautor, über Fusion und Wahn.

mm:

Fusionen und Firmenkäufe gehören zu den unternehmerischen Optionen, die am häufigsten scheitern. Warum lassen die Leute trotzdem nicht ihre Finger von diesen Geschäften?

Dieter H. Vogel: "M&A. Ideal und Wirklichkeit", Gabler, Wiesbaden 2002, 316 Seiten, 44 Euro.
Vogel: Weil Mergers and Acquisitions wichtige Instrumente der strategischen Unternehmensführung sind, und weil sie schnelles Wachstum erzeugen.

mm: Die Mehrzahl der Manager ist mit den Instrumenten offensichtlich überfordert. Ihre Recherchen ergaben: Drei von vier Deals gehen schief.

Vogel: Viele Manager wissen einfach nicht genug über die Technik dieser Geschäfte; andere laufen Branchentrends hinterher oder befriedigen ihre Eitelkeit. Viele verwechseln Größe mit Erfolg.

mm: Sie schildern in Ihrem Buch minutiös die Triumphe, aber auch das Versagen von Managern. Wer erhält Bestnoten?

Vogel: Anhand von Fallstudien zeige ich, dass die Fusionen von Ciba-Geigy und Sandoz zu Novartis und die von Veba und Viag zu Eon gelungen sind. Aber die Flops überwiegen: So waren - unabhängig von der Methode der Erfolgsmessung - das Zusammengehen von Bayerischer Vereinsbank und Hypo-Bank wie auch das Engagement von BMW bei Rover massive Wertvernichtungen.

mm: Und DaimlerChrysler?

Vogel: Nun, ob das am Ende gut ausgeht, steht dahin. Bis heute fehlen schon viele Milliarden Euro gegenüber den Prognosen.

mm: Wie entstand die Buchidee?

Vogel: Ich halte Vorlesungen an der TU München. Vom Lehrstuhl kam der Vorschlag, meine Gedanken zu Papier zu bringen, zumal bislang kein umfassendes Buch über M&A aus Sicht eines Praktikers erschienen ist.

mm: Wie fällt die Kritik aus?

Vogel: Bis jetzt nur positiv - alle anderen rufen vermutlich nicht an.

Dieter H. Vogel: "M&A. Ideal und Wirklichkeit"; Gabler, Wiesbaden 2002, 316 Seiten, 44 Euro.


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