Montag, 17. Juni 2019

Sucht "Fast hätte ich mich totgesoffen"

6. Teil: Warum er noch lebt? - Zufall

Warum er noch lebt?

 "Gegen den Alkohol bin ich machtlos. Ich darf nie wieder ein Glas anrühren."
Regina Recht
"Gegen den Alkohol bin ich machtlos. Ich darf nie wieder ein Glas anrühren."
Zufall.

Eines Abends wählte er im Vollrausch die Telefonnummer seiner Schwester in den USA. Ein Bekannter der Schwester, selbst trockener Alkoholiker, nahm den Hörer ab. "Er hat mein Gestammel gehört und gewusst, es ging um Leben und Tod."

24 Stunden später fand sich Bollmann in einer Entgiftungseinrichtung in Miami wieder. In einem Schlafsaal mit 28 Betten. Mit Decken und Kopfkissen aus Plastik und Junkies als Nachbarn. "Da lag ich sieben Tage und dachte zum ersten Mal in meinem Leben: Rolf, das war es jetzt. So willst du nicht mehr leben."

Es war die bedingungslose Kapitulation vor der Sucht, die ihm den Ausstieg ermöglichte. "Ich habe akzeptiert, dass ich dem Alkohol gegenüber machtlos bin."

Ein letztes Mal ertrug Bollmann die Schmerzen der Entgiftung. Er lernte, das Wort "Alkoholiker" auszusprechen und damit sich selbst zu meinen: "Ich schämte mich so sehr, ich habe Rotz und Wasser geheult."

Seit elf Jahren ist Rolf Bollmann trocken. Er lebt in einer Kleinstadt in Süddeutschland und hat zwischenzeitlich ein, zwei kleinere Jobs angenommen, die ihm Freunde vermittelt hatten. Richtig Fuß gefasst im Berufsleben hat er nicht mehr.

Seine ganze Kraft investiert der Ex-Manager jetzt in sein Lieblingsprojekt: Er sucht Mitstreiter für den Aufbau eines Suchthospitals nach dem Modell der kalifornischen Betty-Ford-Klinik.

Der Kampf mit dem Alkohol lässt Rolf Bollmann nicht mehr los.


© manager magazin 10/2002
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