Test Die Daumen drücken

Was kann der neue Datendienst i-mode? mm-Redakteurin Eva Müller klickte sich durch den mobilen Datendienst.

Wow, das Teil macht wirklich was her - matt silbern, aufklappbar, mit großem Farbbildschirm und auf der Rückseite blinkt eine transparente Raute. Mal blau, mal grün, mal rot, je nachdem, ob sich das Gerät gerade im Stand-by-Modus langweilt, einen Anruf meldet oder aufgeladen wird. Die Aufmerksamkeitsprobe besteht das schmucke Handy des japanischen Herstellers NEC allemal. So häufig wie beim Ausprobieren des n21i bin ich noch nie angesprochen worden.

Leider stand beim Test der Flirtfaktor nicht zur Debatte. Vielmehr galt es, die Tauglichkeit des Datendienstes i-mode im Geschäftsleben zu erforschen.

Seit ein paar Monaten offeriert E-Plus die deutsche Version des japanischen Erfolgsservice i-mode. Millionen Handy-Besitzer in Fernost sind bereits i-mode-süchtig, laden sich wie verrückt Klingeltöne, Bilder und Spiele aufs Mobilgerät. Viele Dienste, die der künftige Breitbandmobilfunk UMTS verspricht, sind dank i-mode bereits heute verfügbar.

Aber wie einfach ist es, diese Services in der Praxis zu nutzen? Mein Start in das mobile Datenzeitalter verlief nahezu problemlos. Ich brauchte nicht einmal die Bedienungsanleitung. Bereits 20 Minuten nach dem Auspacken des Handys lauschte ich den neuesten Klingeltönen aus dem Internet und schaute mir bunte Bildchen von Popstars an.

Schnell hatte ich wichtige Telefonnummern ins Adressbuch eingetragen und den häufigsten Gesprächspartnern jeweils einen Klingelton zugeordnet. Wenn jetzt meine Chefin anruft, ertönt die Titelmelodie des Actionfilms "Mission: Impossible".

Nur Kinderkram? Dumm ist die Idee mit den unterschiedlichen Klingeltönen nicht. Der glückliche Handy-Besitzer hört sofort, ob die Sekretärin, die Gattin oder ein wichtiger Kunde am Apparat ist.

Für den Arbeitsalltag von Geschäftsleuten muss i-mode natürlich mehr können - und kann es auch. Der erste Blick in das Menü des Datendienstes war beeindruckend. Diverse Inhalteanbieter offerieren rund 100 verschiedene Dienste, übersichtlich eingeteilt in neun Kategorien - von "Chat" bis "Shopping".

Unter dem strengen Gesichtspunkt der Nützlichkeit für den mobilen Manager schrumpfte die Auswahl allerdings schnell zusammen. Nur die Sparten "News/ Wetter", "Unterwegs" und "Finanzen" versprachen sinnvolle Inhalte.

Ich beschloss, die neuesten Nachrichten zu lesen - auf der Wirtschaftsseite der "Süddeutschen Zeitung". Oh Mann, das dauerte. Erst nach dutzenden von Klicks und langen drei Minuten fand ich den gesuchten Artikel über den Stellenabbau bei Siemens.

Eigentlich, so meine Überlegung, müsste die E-Plus-Hotline einen schnelleren Weg wissen. Klar! Ich solle einfach auf einer speziellen Seite eine Wunschliste meiner bevorzugten Lektüre eingeben, beschied mich die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung.

Das Fazit

Blanke Theorie. Ich brauchte mehr als 30 Sekunden, um die Liste meiner Vormerkungen aufzurufen. Die lange Suchzeit führte schließlich zur Anzeige "Time Out" - Abbruch der Verbindung. Erst der dritte Versuch brachte mich zum Ziel.

Auch das Ausprobieren anderer Angebote brachte viel Frust:

  • Der Versuch, auf der Shopping Plaza einen Flug von München nach Hamburg zu buchen, scheiterte nach mehrmaliger mühsamer Eingabe von Orten und Terminen an der Anzeige "Laufzeitfehler im VBScript".
  • Der abonnierte Staumelder des ADAC meldete nur "Time Out".
  • Der "Finder", der den Standort meines Handys genau lokalisieren soll, vermutete mich in Berlin. Dabei saß ich friedlich im Englischen Garten in München.
  • Das Kinoprogramm für München existierte nicht. In Düsseldorf, Köln oder Berlin hätte ich mehr Glück gehabt. Die dortigen Lichtspielhäuser bieten ihre Programme für den E-Plus-Dienst an.
Bevor ich mich weiter ärgern konnte, piepte mein n21i. "Batterie laden", flehte es. Was, nach nicht einmal zwei Stunden Surfen ging dem Ding schon der Saft aus? Nicht aufgeben, Eva! Wieder aufladen und weitermachen.

Die nächste Herausforderung: Eine E-Mail auf dem Handy empfangen und beantworten. Wie, bitte schön, läuft es bei i-mode mit der elektronischen Post?

Wer den E-Mail-Service abonniert, erhält mit der Telefon- und Geheimnummer auch eine Mail-Adresse für sein Handy. So können Nachrichten, die auf dem Büro-PC landen, auf das Handy weitergeleitet werden.

Der Dienst funktioniert. Die Ankunft jeder Mitteilung kündigte das Schlagen einer Kuckucksuhr an (i-mode bietet auch dezentere Alarmzeichen sowie eine Stummschaltung an). Zwischen dem Absenden einer Mail und dem Kuckucksruf vergingen selten mehr als ein paar Minuten. Allerdings kann das n21i nur tausend Zeichen pro Mail darstellen. Für epische Ausführungen ist i-mode also nicht geeignet.

Ich hatte noch weitere Erfolgserlebnisse auf meinem i-mode-Trip:

  • Der Wetterdienst empfahl mir vor einer Reise in die mm-Zentrale in Hamburg, statt eines dünnen Sommerkleids warme Socken und einen Hosenanzug zu tragen.
  • Der Service "Yellow Map" nannte die beste Route von München nach Idar-Oberstein. Und er wies nach Eingabe von Stadt und Straßennamen vor Ort auch den Weg zum nächstgelegenen Geldautomaten.
  • In der virtuellen "Lara-Bar" konnte ich nachsehen, ob ich als 1,68 Meter große, 58 Kilo schwere Frau drei Stunden nach dem Genuss von zwei Gläsern Schampus noch Auto fahren sollte - besser nicht.
Fazit nach 30 Tagen i-mode-Test: Die Nutzung der verschiedenen Angebote bereitet keine Probleme. Beim Surfen ist der E-Plus-Datendienst dem WAP-Standard, also den bisher offerierten Handy-Services, deutlich überlegen.

Hingegen gestaltet sich die gezielte Suche nach bestimmten Informationen langwierig und umständlich. Viel zu oft konnte nur noch die Hotline von E-Plus weiterhelfen. Deren Nummer (01 77/10 00) werde ich wohl nie wieder vergessen.

Folglich werde ich mir für die Benutzung auf Dienstreisen kein i-mode-Handy kaufen, ich warte lieber auf bessere Möglichkeiten der mobilen Datenkommunikation. Aber als Privatfrau werde ich mir das schicke Teil sicherlich zulegen - allein schon wegen des Flirtfaktors.

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